Plexiglas gegen Corona

«Wir machen seit zwei Wochen nichts anderes»

Angela Müller, 29. März 2020, 06:52 Uhr
Eine Kunststoffscheibe zwischen Kunde und Beraterin schützt vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.
© zVg
Apotheken, Banken, Lebensmittelgeschäfte: Sie alle schützen ihre Mitarbeiter mit Installationen aus Plexiglas. Kunststoffverarbeiter haben derzeit alle Hände voll zu tun. Doch der Rohstoff ist kaum mehr lieferbar.

«Plexiglas ist schon eine Weile nicht mehr erhältlich, sagt Michael Steger, von der Firma M+T Steger AG in St.Gallen. Wie viele andere ist auch sein Geschäft auf andere Materialen umgestiegen, denn der Kunststoff Acrylglas ist kaum noch lieferbar. M+T Steger verarbeiten jetzt PET. «Auch dies eignet sich bestens für die Kassen der Lebensmittelgeschäfte und Apotheken.» 

Die Nachfrage ist enorm: «Seit zwei Wochen sind wir nur noch damit beschäftigt, wir machen nichts anderes mehr als Virenschutz-Installationen», sagt Steger, während im Hintergrund das Telefon klingelt.

Nun melden sich die kleinere Geschäfte

Steger geht davon aus, dass inzwischen die meisten Grossverteiler wie Coop, Migros oder Aldi, die Apotheken und Banken sich mit diesen Kunststoffinstallationen eingedeckt haben. «Jetzt kommen die Kleinkunden, wie Anwältinnen, kleinere Gemeinden oder Arztpraxen, die noch solche Schutz-Installationen brauchen.»

Auch beim Kunststoffverarbeiter AV Bürge AG in Bronschhofen sieht die Situation in der Acrylglas-Verarbeitung nicht anders aus. Seit Mitte März wird speziell im Bereich Plexiglas-Schutzabdeckungen mit Hochdruck gearbeitet, um die vielen Bestellungen zu erledigen. «Wir haben zum Glück ein sehr grosses eigenes Acrylglas-Lager vor Ort», sagt Bruno Bürge, Geschäftsinhaber der AV Bürge AG. 

Nächste Acrylglas-Lieferung erfolgt erst Ende April

Bei vielen der schätzungsweise rund 80 Acrylglas-Verarbeiter-Firmen in der Schweiz dürfte sich allerdings zunehmend das Problem des Nachschubs stellen. Bürge erwartet die nächste grössere Acrylglas-Lieferung für die Schweiz erst wieder Ende April. 

Durchschnittlich beläuft sich ein Virenschutz einer Kasse auf etwa 120 bis 200 Franken. Ein Quadratmeter Acrylglas 4 mm (Plexiglas ist eigentlich ein Markenname) kostet im Schnitt etwa 50 Franken. Die Acrylglasverarbeitung gilt in normalen Zeiten als Nischengeschäft, doch wegen des Virus bekommt sie nun einen anderen Stellenwert. Dank ihnen können Verkauf- und Beratungspersonal vor dem Virus geschützt weiter arbeiten.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. März 2020 16:08
aktualisiert: 29. März 2020 06:52