Das bange Warten auf einen Spender

Von Fabienne Engbers
Claudia Hügli wartete jahrelang auf einen passenden Spender.
Claudia Hügli wartete jahrelang auf einen passenden Spender. © iStock
FM1-Moderatorin und Leukämie-Patientin Rosie Hörler hatte Glück. Nach kurzer Zeit war ein passender Spender für eine Stammzellen-Transplantation gefunden. So geht es nicht allen. Claudia Hügli musste jahrelang warten – und sich schlussendlich mit einer Art Not-Lösung begnügen.

«Über mehrere Jahre hat man bei mir einen Spender gesucht und nie einen gefunden», sagt Claudia Hügli heute, 14 Jahre nach ihrer Stammzellen-Transplantation. Ihre Mutter hat der Leukämiekranken das Leben gerettet. Heute lebt die Kinderärztin ein ganz normales Leben und will anlässlich des Weltblutkrebstages Menschen dazu aufrufen, sich als Stammzellenspender zu registrieren.

«Ein Gefühl des Wartens»

Mehrere Jahre musste Claudia Hügli auf einen passenden Spender warten. «Es ist ein komisches und unangenehmes Gefühl, ein Gefühl des Ungewissen, des Wartens», sagt sie heute. Die Angst um ihr eigenes Leben war damals allgegenwärtig. «Nicht nur, weil man weltweit keinen Spender findet. Auch sonst hat man Angst um die Zukunft.»

Mit 12 Jahren hatte Claudia Hügli das erste Mal Leukämie, einen Rückfall erlitt sie mit 20 Jahren. «Da macht man sich schon Gedanken über die eigene Zukunft.» Man könne nicht langfristig planen.

Positiv bleiben

Wie Claudia Hügli mit 20 Jahren positiv in ihre Zukunft schauen konnte, weiss sie heute auch nicht mehr. «Ich habe kein Erfolgsrezept, wie man seine Kräfte immer wieder mobilisieren kann, bei mir hat es einfach so geklappt.» Trotz wiederkehrenden Tiefpunkten hat die 38-Jährige immer weiter gekämpft. «Natürlich auch wegen meinen Freunden und meiner Familie, die mich immer unterstütz haben.» Auch in die Ärzte und das Pflegerteam hatte Claudia Hügli immer Vertrauen, das hat sie gestärkt.

Schlussendlich spendete Claudia Hüglis Mutter Stammzellen, obwohl diese nicht zu hundert Prozent passten. «Ich hatte körperlich gute Voraussetzungen.» Vor 14 Jahren stand sie vor der Wahl: «Weiterhin Therapien machen und die Krankheit in Schach halten oder eine Transplantation wagen, bei der ich schneller sterben könnte oder aber auch gesund werde.» Claudia hat sich trotz Risiken für die Transplantation entschieden und ist heute froh darüber. Vollständig eliminiert wurde die Krankheit dadurch nicht. Sie ist weiterhin nachweisbar und Claudia Hügli auf Medikamente angewiesen.

Ein ganz normales Leben

Heute führt Claudia Hügli trotz Leukämie ein ganz normales Leben. «Ich fühle mich gesund, obwohl die Leukämie noch da ist und ich dagegen immer noch Medikamente einnehme.» Sie arbeitet als Ärztin, ihre Krankheit hat ihren Berufswunsch geprägt. «Ich wollte schon immer Krankenschwester werden, wegen meinem Rückfall konnte ich meine Ausbildung jedoch nicht beginnen. Als ich wieder gesund war, habe ich mich dazu entschieden, das Gymnasium nachzuholen und das Medizinstudium zu versuchen.»

Einschränkungen hat sie durch ihre Krankheiten keine mehr, weder beruflich, noch privat. Alle drei Monate geht Claudia Hügli zur Kontrolle, jedes Jahr entnimmt man ihr Knochenmark zur Kontrolle ihres Zustands.

«So weit denke ich noch gar nicht»

Dass die Leukämie bei der 38-Jährigen wieder ausbricht, ist jederzeit möglich. Dann käme eine weitere Transplantation infrage, je nach dem mit Zellen ihrer Mutter oder mit einem neuen Spender. «Aber so weit denke ich zurzeit nicht.»

Mit dem Gedanken im Hinterkopf, immer wieder erkranken zu können, hat sich Claudia Hügli arrangiert. «Es gibt Momente, in denen man sich wieder mehr Sorgen macht, zum Beispiel, wenn man wieder etwas im Knochenmark findet.»

Damit für Personen wie Claudia Hügli ein passender Spender gefunden werden kann, brauchst es möglichst viele Registrierte. Du willst zum/zur Lebensretter/in werden? Informiere dich über eine Stammzellspende und trage dich hier ein.

(enf)


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