«Das Gefährt ist eine Entschleunigung»

Von Krisztina Scherrer
Andri Senn hat sich mit dem Schilter einen Traum erfüllt.
Andri Senn hat sich mit dem Schilter einen Traum erfüllt. © zVg
Andri Senn tüftelt gerne an alten Landmaschinen. Besonders stolz ist der Oldtimer-Fan auf sein selbstgebautes Wohnmobil, mit dem er durch die ganze Schweiz tuckert.

Ein Wohnmobil kaufen oder mieten, das kann jeder. Andri Senn war das zu einfach, deshalb hat er sich den Traum vom mobilen Häuschen gleich selbst gebaut. Über ein halbes Jahr lang hat der St.Galler an seinem Wohnmobil gearbeitet, jetzt rattert er gemütlich mit 20 Stundenkilometern durch die Schweiz.

«Ich bin mit älteren Landmaschinen aufgewachsen»

Andri Senn, aus Mühlrüti im Toggenburg, hat Freude an Oldtimern und Landmaschinen: «Ich interessiere mich seit eh und je für ältere Landmaschinen, ich bin damit aufgewachsen. Alles was mechanisch und nicht mit zu viel Elektronik verbaut ist, fasziniert mich», sagt Senn. Unter anderem hat er sich einen Schilter aus dem Jahr 1969 zugetan und kurzerhand ein Holzhäuschen darauf montiert.

Holzhäuschen auf Schilter montiert

Auf seinen Schilter mit dem Holzhäuschen hintendrauf ist der St.Galler stolz: «Ich habe schon öfters alte Traktoren gesehen, die einen Wohnwagen hinterher zogen. Ich wollte ein Fahrzeug, bei dem die Wohngelegenheit gleich obendrauf ist.»

Als sich Andri Senn den Schilter zulegte, suchte er eigentlich nur einen Transporter für sein Holz. Senn bewirtschaftet fünf Hektaren Wald, wie er gegenüber dem St.Galler Bauer verriet. Irgendwann kam ihm die Idee, mehr aus seinem Schilter zu machen.

Häuschen selber gebaut

Er hat seine Idee verwirklicht, mit einem Häuschen, das man leicht an-und wieder abmontieren kann: «Nachdem der Schlosser das Grundgestell zusammengeschweisst hatte, habe ich das Ganze grundiert, lackiert und angemalt. Dann hat der eigentliche Aufbau begonnen: Ich habe die Balken auf der Seite montiert, dafür musste ich etliche Male in den Baumarkt fahren.» Die Wände des Häuschen bestehen aus Schalltafeln. «Ich konnte immer nur drei bis vier Tafeln im Auto transportieren. Schlussendlich hat der Aufbau etwa ein halbes Jahr gedauert.»

Andri Senn mit seinem ganzen Stolz. (Bild: zVg)

Mit Rechaudkerzen warm halten

Im Innern des Häuschens ist alles einfach gehalten: Es hat zwei Kajütenbetten und diverse Ablagemöglichkeiten. Das Häuschen ist nicht isoliert: «Wenn es kalt ist, halte ich mich mit Rechaudkerzen warm.» Auch duschen kann Andri Senn nicht. «Ich bin meistens nur drei bis vier Tage mit dem Wohnmobil unterwegs weil ich kein fliessend Wasser habe und nicht duschen kann. Ich schaue zwar immer, dass ich in der Nähe eines Sees campe, doch das ist nicht immer möglich.»

«So sieht man noch was von der Gegend»

Andri Senn ist Postautochauffeur und Kontrolleur. In seinem Beruf gehört Zeitdruck und Hektik dazu, genau deshalb geniesst er es, wenn er mit seinem 20 Stundenkilometer schnellen Gefährt durch die Landschaft tuckern kann: «Mit diesem Tempo sieht man noch was von der Gegend. In der Berufswelt ist es schon genug hektisch, das Gefährt ist eine Entschleunigung für mich.» Wenn Senn mit seinem Wohnmobil unterwegs ist hat er keinen Zeitdruck, er möchte einfach eine schöne Fahrt haben: «Ich habe kein fixes Ziel. Ich halte mal an, mach ein Feuer, brate mir eine Wurst und schlafe dort, wo ich gerade bin.»

(sk)


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