«Das Gefühl im Ziel war unglaublich»

Von Lara Abderhalden
Cédric Noger holte diesen Winter in Saalbach seine ersten Weltcup-Punkte.
Cédric Noger holte diesen Winter in Saalbach seine ersten Weltcup-Punkte. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Cédric Nogers Karriere war bisher ein grosses Auf und Ab. Doch in dieser Saison ist es anders. Der Skirennfahrer aus Wil erlebt einen Höhenflug: Er gewinnt im Europacup, fährt zwei Weltcuprennen, klassiert sich dabei unter den besten zwanzig Fahrern und darf am Samstag in Adelboden an den Start.

Eigentlich sah es zu Beginn der Saison gar nicht so gut aus für den 26-jährigen Wiler. Er hatte sich für das Weltcuprennen in Sölden qualifiziert, nur leider wurde dieses wegen des schlechten Wetters abgesagt. Die Weltcup-Premiere folgte Mitte Dezember beim Riesenslalom in Alta Badia. Cédric Noger startete mit der Nummer 46 und fuhr damit auf den 33. Zwischenrang. Am Schluss waren es 58 Hundertstelsekunden, die Cédric Noger fehlten, um sich für den 2. Lauf zu qualifizieren.

«Es gab viele, die mich belächelt haben»

Was er in Alta Badia nicht schaffte, holte er in Saalbach-Hinterglemm nach. Bei diesem Riesenslalom war das Glück auf seiner Seite. Der 26-Jährige startete mit der Nummer 42, klassierte sich auf dem 30. Zwischenrang und wurde danach durch einen anderen Fahrer auf den 31. Platz verbannt. Er habe sich in diesem Moment aufgeregt, bereits fünfmal hintereinander fuhr Noger im Europacup auf den 31. Platz und qualifizierte sich somit knapp nicht für den zweiten Lauf.

Im Restaurant in Saalbach dann die grosse Überraschung: Nogers Teamkollege Marco Odermatt wurde wegen eines Einfädlers disqualifiziert. Noger rutsche nach und durfte den zweiten Lauf eröffnen und für eine kurze Zeit in der Leaderbox Platz nehmen. «Es war ein unglaubliches Gefühl», erzählt er ihm Interview. «Es gibt viele, die mich belächelt haben, das Rennen in Saalbach gab mir die Bestätigung und die Zuversicht, alles richtig gemacht zu haben.» In Saalbach reichte es schliesslich für den 18. Rang und somit die ersten Weltcup-Punkte. Nach dem Rennen habe er zahlreiche Gratulationen erhalten: «Der Service-Mann brachte mir irgendwann meine Jacke und ich brauchte bis am Abend, um alle Gratulationen zu beantworten.»

Cédric Noger beim Rennen in Saalbach-Hinterglemm. (Bild: AP Photo/Gabriele Facciotti)

Cédric Noger beim Rennen in Saalbach-Hinterglemm. (Bild: AP Photo/Gabriele Facciotti)

Gute Zeit in Adelboden ist das Ziel

Dieses Gefühl, das Cédric Noger in Saalbach im Ziel hatte, wolle er unbedingt wieder haben, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht und ergänzt: «Am liebsten natürlich am Samstag in Adelboden.» Dort darf er seinen dritten Weltcup-Riesenslalom fahren. «Im Moment ist es vor allem Vorfreude, die ich spüre, der Respekt wird schon noch kommen. Aber jetzt ist es einfach nur brutale Vorfreude und mein Wunsch ist es natürlich, mit einer guten Zeit im Ziel abzuschwingen. Das wäre der Wahnsinn.»

«Konnte nicht immer gute Leistungen zeigen»

Die Karriere des Wilers gleicht selbst einem holprig gesteckten Riesenslalom. Mal ging es bergauf, dann steil nach unten, es wurde holprig oder lief alles glatt. Im Jahr 2013 wurde er von Swiss Ski aufgenommen, flog im kommenden Jahr wieder raus, arbeitete sich dann zwei Jahre wieder hoch und ist mittlerweile drei Jahre im B-Kader von Swiss Ski. «Die letzten zwei Jahre waren eher durchzogen und mir gelang es jeweils erst gegen Ende der Saison, eine gute Leistung zu zeigen», sagt der Skirennfahrer, der für den SC Ebnat-Kappel an den Start geht.

Er habe aber stets gewusst, was ihm fehle, um den Sprung an die Spitze zu schaffen und deshalb immer weiter gemacht: «Letztes Jahr gab es einen Punkt, da stand ich am Start meines zweitletzten Europacup-Rennens. Die Saison war nicht gut und ich hatte zuvor mein Skimodell gewechselt. Ich wusste kurz vor dem Rennen: Wenn es jetzt nicht klappt, dann weiss ich nicht, was ich noch ändern kann.» Zum Glück lief das Rennen gut und Noger konnte weiter machen.

Ohne Sponsoren könnte der Wiler nicht fahren

Finanziell gesehen ist das Skifahren natürlich nicht die günstigste Sportart der Welt, das weiss auch Cédric Noger. Dieses Jahr sammelt er durch eine Crowdfunding-Aktion Geld für eine neue Schleifmaschine.

«Ansonsten werde ich hauptsächlich durch Sponsoren finanziert.» Aber auch seine Eltern würden einen Beitrag zum Erfolg ihres Sohnes leisten und: «Ich veranstalte jedes Jahr ein Jassturnier im Herbst, meistens mit ehemaligen Weltcup-Fahrern.» Auch gearbeitet hat Cédric Noger früher, im Moment macht er ein Wirtschafts-Fernstudium, dafür habe er seit dem Saisonbeginn aber eher weniger Zeit.

Cédric Noger hätte nicht damit gerechnet, dass es diese Saison so gut für ihn läuft. «Damit kann man nicht rechnen. Ich wusste, dass ich konkurrenzfähig bin, das muss man zur richtigen Zeit aber auch noch abrufen können.» Er hofft, dies auch am Samstag in Adelboden tun zu können, wenn er irgendwo zwischen den Startnummern 40 und 45 die Piste runter «fräst». «Es ist schon ziemlich cool, wie es jetzt läuft.»

(abl)


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