«Das ist ein Affront gegen die Pflege»

Gemeinsam demonstrieren Pflegefachkräfte gegen die Ablehnung vom Bundesrat ihrer Pflegeinitiative.
Gemeinsam demonstrieren Pflegefachkräfte gegen die Ablehnung vom Bundesrat ihrer Pflegeinitiative. © FM1Today/Nina Müller
Ein Jahr nachdem die Pflegeinitiative eingereicht wurde, fand in St.Gallen eine Demonstration unter dem Motto «Wer pflegt mich im Jahr 2030, lieber Bundesrat?» statt. Wenn die Lage für Pflegende nicht verändert wird, tretet genau diese Situation ein – es gibt nicht mehr genügend Pfleger für die vielen Patienten.

In weissen Spitalnachthemden gekleidet und mit Plakaten ausgerüstet, starten die Pflegefachkräfte der Ostschweiz eine Demonstration zum Jahrestag der Einreichung der Pflegeinitiative. Sie sind als Patienten verkleidet, weil sie die Lage im Jahr 2030 aufzeigen wollen. Denn immer weniger junge Menschen treten die Lehre zur Pflegefachkraft an.

Bleibt das so, könnte sich der Pflegefachkraftmangel bis in wenigen Jahren derart intensivieren, dass die Frage – Wer pflegt mich im Jahr 2030 – in Zukunft nicht mehr nur rhetorisch sein wird. Fast zur selben Zeit bekommt die Hauptverantwortliche, Edith Wolfender, ein Telefon: Der Bundesrat lehnt die Pflegeinitiative ohne Gegenvorschlag ab. Die Initiative wollte die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Löhne, eine Förderung der Ausbildung und eine Liste jener Pflegeleistungen, die auch ohne ärztliche Anweisung verrechnet werden können.

Die Problematik

Bis ins Jahr 2030 braucht es gegen 65’000 zusätzliche Pflegende, wie ein Versorgungsbericht der GDK und der OdA Santé aufzeigt. Die Schweiz bildet jedoch bereits heute viel zu wenig Pflegepersonal aus. Besonders bei den diplomierten Pflegefachpersonen ist die Situation gravierend. Hier erreichen die Ausbildungszahlen seit Jahren nicht einmal die Hälfte des prognostizierten Bedarfs.

Barbara Dätwyler Weber, Präsidentin der SPK Ostschweiz, erklärt, warum immer weniger diesen Beruf ausüben wollen: «Die Bedingungen zurzeit sind schlecht. Sehr viel Personen steigen aus dem Beruf aus, weil die Familie nicht vereinbar mit dem Schichtbetrieb ist. Der Job bringt auch eine hohe psychische Belastung mit sich. Das wird vielen Müttern zu viel.»

Problem war schon länger bekannt

Die Hoffnungslosigkeit auf bessere Bedingungen kommt daher, dass sich seit zwanzig Jahren nichts geändert hat. «Das ist mein Vorwurf an die Politik: Man hätte schon längst reagieren müssen und dann schmettert der Bund ohne Weiteres unsere Pflegeinitiative ab. Das ist ein Affront gegen die ganze Pflegeversorgung», sagt Dätwyler Weber.

Bund soll endlich etwas machen

Vom Bund fordert der Verband nun Lösungen, wie man die Pflegefachkräfte im Beruf halten kann. «Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass Mütter eine andere Bedeutung erhalten als junge Leute, die gerade aus der Ausbildung kommen», sagt die Präsidentin der SPK Ostschweiz. Weiter müsse in die Bildung investiert werden.

Das fange bei fairen Ausbildungslöhnen an und höre bei der Möglichkeit auf Weiterbildungen auf. Doch genau bei diesem Punkt stellt sich der Bundesrat quer. Aus seiner Sicht würde das bei der obligatorischen Krankenkasse zu Mehrkosten führen. Nun ist das Parlament gefragt. Bevor die Initiative vor das Volk kommt, wird diese vom Parlament geprüft.

(nm)


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