Das ist kein Kaiman im Seealpsee

Das «Seealpsee-Monster» sieht nicht besonders gefährlich aus.
Das «Seealpsee-Monster» sieht nicht besonders gefährlich aus. © Screenshot/Lesereporterfilm
Der Kaiman im Hallwilersee scheint die Aufmerksamkeit in Sachen fremder Tiere im Wasser zu schärfen. So auch jene einer Leserin, die am Seealpsee eine vermeintliche Bisamratte gefilmt hat. Dabei handelt es sich jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine simple Wasserratte.

Das Tier fühlt sich ganz offensichtlich wohl im Wasser. Es kommt kurz ans Ufer und schwimmt flink davon, wohl weil es sich von der Wanderin gestört fühlt. Dies zeigt ein kurzer Filmausschnitt, der eine Lesereporterin nach eigenen Angaben am Seealpsee aufgenommen hat. Sie fragt: «Handelt es sich beim ‹Unbekannten› im Seealpsee etwa um eine Bisamratte?»


Die Bisamratte stammt ursprünglich aus Nordamerika und verbreitet sich über Deutschland und Frankreich in ganz Europa. Auch im FM1-Land, zum Beispiel im Fürstentum Liechtenstein, ist sie inzwischen angekommen. Dieses Nagetier gehört zu den invasiven Tierarten der Schweiz, das heisst, es verdrängt einheimische Tierarten.

Die eingewanderte invasive Bisamratte (Ondatra zibethica). (Bild: iStock)

Doch dass die Bisamratte bereits bis zum Seealpsee vorgedrungen sein soll, ist unwahrscheinlich. «Wir sind sensibilisiert auf dieses Thema und hätten die Bisamratte eher schon in anderen Gewässern, wie der Sitter gesichtet», sagt Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Appenzell Innerrhoden.

Das Tier zu bestimmen, ist allerdings aufgrund der Aufnahme nicht ganz einfach, auch nicht für einen Experten wie Ueli Nef: «Es dürfte sich aufgrund der Grösse höchstwahrscheinlich um eine einheimische Schermaus handeln.» Die einheimische Schermaus gehört zur Gattung der Wühlmäuse und lebt wie die Bisamratte am Wasser. Umgangssprachlich wird sie auch Wasserratte genannt.

Die Schermaus oder Wasseratte (Arvicola terrestris). (Bild: iStock)

Die geflimte Wasserratte befindet sich also im Seealpsee durchaus am richtigen Ort und bietet keinerlei Grund zur Besorgnis. Sollte nächste Woche tatsächlich eine Hitzewelle anrollen, dürfte sie wohl Gesellschaft von menschlichen Wasserratten erhalten, die im Seealpsee eine Abkühlung suchen.

Die müssen sich im Gegensatz zu den Gästen am Hallwilersee auch keine Sorgen machen, dass ihnen von dem «unbekannten Wesen» ein Bein abgebissen wird. «Einen Kaiman haben wir bis anhin noch nicht gesichtet», sagt Nef.

Auf alle Fälle schwimmt im Seealpsee kein Kaiman. (Bild: iStock)

 

 

 


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