«Der Äscher ist bereits verkauft»

Die beliebten Touristenziele gibt es nicht mehr als Wandertafel zu kaufen.
Die beliebten Touristenziele gibt es nicht mehr als Wandertafel zu kaufen. © zVg
Sie sind unser Smartphone in den Bergen und weisen uns fernab von Google Maps und GPS-Signalen den Weg: Die gelben Wandertafeln. Die Wegweiser im Alpstein zum «Seealpsee», der «Meglisalp» oder dem «Äscher» werden am Mittwoch verkauft. Anfragen kamen im Vorherein sogar aus Afrika.

Auch wenn die Zahlen auf den gelben Tafeln eher für Geniesser oder eher langsame Wanderer definiert wurden und die Strecken vielfach schneller zu laufen sind, gehören sie zum Wandern dazu. Sie tauchen immer wieder auf und geben einem so nicht nur das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, sondern sie verbinden die Wanderer auch mit Erinnerungen an Wanderungen.

Nun werden 200 bis 300 ausgediente Wandertafeln aus dem ganzen Appenzellerland verkauft. «Wir wollten die Tafeln nicht einfach im Alt-Eisen entsorgen», sagt Guido Buob, Geschäftsleiter Appenzellerland Tourismus Innerrhoden. «Vielleicht hat es Liebhaber-Stücke von Wanderinnen und Wanderer darunter.» Der Verkauf erfolgt aber nicht über das Internet, sondern ganz klassich, am Mittwoch am Chlausenmarkt in Appenzell.

Anfrage aus Afrika

«Natürlich gab es viele Anfragen von auswärts», sagt der Tourismus-Chef. Viele hätten sich darüber beklagt, dass sie es nicht schaffen würden, am Mittwochmorgen um acht Uhr nach Appenzell zu kommen. «Wir haben bewusst keine Online-Auktion gemacht. Wir machen die Aktion vor allem für die Einheimischen. Diese haben einen grösseren Bezug zu bestimmten Wegweisern.»

Besonders den Wegweiser zum Äscher wollten sich viele ergattern: «Wir haben sogar eine Anfrage aus Afrika bekommen. Dies von einem St.Galler, der auf einer Insel vor Afrika wohnt. Er wollte den Äscher haben. Leider mussten wir ihn vertrösten.» Der Äscher gehört zu den beliebtesten Wandertafeln und wurde bereits an die Wildkirchli Stiftung, der Besitzerin des Äschers, verkauft. Die Berggasthäuser im Alpstein hatten nämlich ein Vorbezugsrecht.

Beliebte Orte bereits weg

«Vielen ist nicht klar, dass die Bergwirte einen grossen Beitrag zur Erhaltung der Wanderwege leisten. Sie erledigen an den Wanderwegen viele Roharbeiten und werden dafür nicht bezahlt», sagt Guido Buob. Deshalb sei es naheliegend gewesen, den Berggasthäusern etwas zurückzugeben. Auch die Bergwirte mussten für die Wandertafeln bezahlen, konnten so allerdings die Tafeln erwerben, die zu ihrem Betrieb passen: «Und ich hoffe sie werden auch in den Gasthäusern aufgehängt.»

Einige Wandertafeln, zum Beispiel die der Meglisalp, wurden bereits verkauft. (Bild: zVg)

Einige Wandertafeln, zum Beispiel die der Meglisalp, wurden bereits verkauft. (Bild: zVg)

Nebst dem Äscher sind beispielsweise auch die «Bollenwees» oder die «Meglisalp» schon weg. «Aus touristischer Sicht ist sicher vieles bereits verkauft. Wer nur wegen des Äschers kommt, der muss den Weg nach Appenzell nicht auf sich nehmen. Es gibt aber einige Perlen, für die sich noch niemand gemeldet hat.» Ausserdem würden viele Wegweiser bekannte Orte wie beispielsweise den «Seealpsee» enthalten.

Leute übernachten vor dem Stand

Verkauft werden die Wegweiser, weil sie durch neue ersetzt wurden. Das Wandernetz ist digitalisiert und in diesem Rahmen neue Routen mit neuen und kostengünstigeren Tafeln gemacht worden. Die alten Tafeln seien teilweise über 70 Jahre alt und enthalten gegossene Buchstaben. Deshalb sind die Tafeln auch nicht ganz günstig: «Die Tafeln kosten pro Zeile zehn Franken. Hat es noch Standortfelder drauf, zahlt man 15 Franken mehr. So kostet der teuerste Wegweiser bis zu 90 Franken.» Von den ganz Teuren habe es aber nur sehr wenige am Stand gleich bei der Touristen-Information in Appenzell.

Dieser Stand wird am Mittwoch vermutlich von Interessierten überrannt: «Auf Facebook haben einige Leute geschrieben, sie würden vor dem leeren Stand übernachten», erzählt Guido Buob. «Ich hoffe, die Leute sind nicht enttäuscht, wenn sie ihren Traumwegweiser nicht kriegen, sondern suchen sich einfach einen neuen.»

Eigenen Wegweiser ergattert

Der Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus selbst möchte ein kleines Standortfeld: «Ich habe mir eine kleine Tafel mit der Aufschrift ‹Wenneli› auf die Seite getan.»

Der Erlös aus dem Verkauf kommt übrigens wieder den Wanderern zugute. Das Geld wird eingesetzt, um die Wanderwege mit Infotafeln auszustatten. Es gibt neu an den wichtigsten Orten Topografie-Karten, auf denen die verschiedenen Wanderwege eingezeichnet sind.

(abl)

 


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