Der grüne Höhenflug hält an

Fünf Monate vor den nationalen Wahlen 2019 ist im Bundeshaus insbesondere die knappe Mehrheit von 101 Sitzen, welche die SVP und die FDP gemeinsam halten, akut in Gefahr. (Archivbild)
Fünf Monate vor den nationalen Wahlen 2019 ist im Bundeshaus insbesondere die knappe Mehrheit von 101 Sitzen, welche die SVP und die FDP gemeinsam halten, akut in Gefahr. (Archivbild) © Keystone/THOMAS HODEL
Fünf Monate vor den nationalen Wahlen 2019 steht die Grüne Partei gemäss dem SRG-Wahlbarometer bei einem Wähleranteil von 10,1 Prozent. Gemäss aktueller Wahlabsicht könnten die Grünen das erste Mal in ihrer Geschichte ein zweistelliges Ergebnis erzielen.

Die Grünen haben ihr Ergebnis im Vergleich zum letzten Wahlbarometer vom Februar 2019 nochmals verbessert und stehen jetzt bei einem Plus von 3,0 Prozentpunkten im Vergleich zu den Wahlen 2015, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten neusten Wahlbarometer hervorgeht. Erstellt hat es die Forschungsstelle Sotomo in Zürich im Auftrag der SRG.

Auch die Grünliberalen befinden sich weiterhin im Hoch. 6,4 Prozent der aktiven Stimmberechtigten wollen derzeit die GLP wählen. Dies entspricht dem Wert des letzten Wahlbarometers.

Wenn in der Schweiz die Grünen gewinnen, dann verliert die SP und umgekehrt. Diese Faustregel erhärtete sich schon in der Vergangenheit nicht bei jeder Wahl. Letztmals gewannen bei den Wahlen 2003 sowohl die Grünen als auch die Sozialdemokraten Wähleranteile dazu. Halten die aktuellen Wahlabsichten bis zum Wahltag am 20. Oktober, könnte sich dieses Muster wiederholen.

Trotz starkem Zuwachs bei den Grünen liegt aktuell auch die SP mit +0,3 Punkten wieder ganz leicht im Plus. Als 2003 die beiden wichtigsten Kräfte des rotgrünen Lagers letztmals gleichzeitig zugelegt hatten, gewann zugleich die SVP. Polarisierung war der Begriff der Stunde und Christoph Blocher schaffte den Sprung in den Bundesrat.

Dieses Mal scheint die Polarisierung eine einseitige Angelegenheit zu werden. Im aktuellen SRG Wahlbarometer verliert die SVP 2,9 Prozentpunkte im Vergleich zu den letzten Wahlen. Mit einem Wähleranteil von aktuell 26,5 Prozent ist die SVP allerdings immer noch klar die stärkste Partei. Aktuell zu den Verlierern gehören neben der SVP auch die beiden Mitteparteien CVP und BDP.

Im Vergleich zu den früheren Wellen des SRG Wahlbarometers hat insbesondere die FDP an Schwung eingebüsst. Noch im Februar 2019 gaben 17,4 Prozent der Stimmberechtigten an, FDP wählen zu wollen, nun sind es noch 16,2 Prozent. Damit würde die FDP knapp hinter ihr Ergebnis von 2015 zurückfallen.

Die Debatten zur Positionierung der Partei in der Klimafrage haben sich negativ auf ihren Formstand ausgewirkt. Weil sich die Sozialdemokraten gleichzeitig gefangen haben, liegt das erklärte Wahlziel der FDP, die SP zu überholen, fast drei Prozentpunkte weg.

Enger scheint es aktuell zwischen der CVP und den Grünen zu werden. Die CVP verliert aktuell einen Prozentpunkt und ist damit nur noch einen halben Punkt vor den Grünen.

Wie bei der SVP hat sich auch bei der BDP der negative Trend nochmals leicht verstärkt. Mit einem Minus von 1,2 Punkten liegt sie aktuell bei einem Wähleranteil von 2,9 Prozent.

Während die Trendentwicklung der SVP und der BDP (negativ) sowie der Grünen und der Grünliberalen (positiv) sich im Verlauf der Legislatur stetig verstärkt haben, zeigten SP, FDP und CVP eine weit volatilere Entwicklung.

Die Ergebnisse des SRG Wahlbarometers bringen insgesamt eine Verlagerung der Kräfteverhältnisse nach links zum Ausdruck. Die Grünen und die Sozialdemokraten gewinnen aktuell 3,3 Punkte. Einen so starken Zuwachs bei Rotgrün gab es bei den nationalen Wahlen der letzten 30 Jahre nur einmal, nämlich 2003.

Gleichzeitig verlieren die beiden grossen Parteien rechts der Mitte, SVP und FDP, zusammen 3,1 Punkte. Bleibt es bis im Herbst bei dieser Konstellation, kommt es nicht nur zu einer grünen Welle, sondern zu einem deutlichen Linksrutsch, der sich auf die Mehrheitsverhältnisse in der grossen Kammer auswirken würde. Insbesondere ist die knappe Mehrheit von 101 Sitzen, welche die SVP und die FDP gemeinsam halten, akut in Gefahr.

In der Mitte kann gegenwärtig die GLP die Verluste der CVP und der BDP nur teilweise kompensieren. Insgesamt resultiert hier ein Rückgang von 0,5 Punkten. Da sowohl die Wählerbasis als auch die Parlamentsfraktion der Grünliberalen – nicht nur in ökologischen Fragen – etwas links der CVP und der BDP positioniert ist, führen die Veränderungen innerhalb der politischen Mitte ebenfalls zu einer leichten Verlagerung nach links.

Die Stimmberechtigten wurden gefragt, welche Themen für sie nicht nur wichtig, sondern für ihren Entscheid zugunsten einer Partei auch ausschlaggebend sind. Dabei zeigt sich, dass das Klimathema erstmals der am häufigsten genannte Wahlgrund ist.

Die online durchgeführte Befragung fand zwischen dem 17. und dem 27. Mai über das Portal der SRG und das Online-Panel von Sotomo statt. Gewichtet und ausgewertet wurden die Antworten von 10’388 Stimmberechtigten, die sich selbst rekrutiert hatten. Der Stichprobenfehler liegt bei plus-minus 1,5 Prozent.

(SDA)


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