«Der Pfarrer hat Grösse bewiesen»

In zwei Wochen wird die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Brigels ohne eigenen Pfarrer da stehen.
In zwei Wochen wird die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Brigels ohne eigenen Pfarrer da stehen. © Surselva Tourismus
Der katholische Pfarrer in Brigels hat letzten Sonntag seine Demission verkündet – er hat sich in eine Frau verliebt und will das Zölibat nicht mehr einhalten. In Brigels ist man überrascht.

Nach dem Gottesdienst hat sich Pfarrer Marcel Köhle mit einer Erklärung an seine Gemeinde gewandt, er gibt sein Amt als Pfarrer auf – wegen einer Frau, wie die «Südostschweiz» schreibt. «Nach einem langen und intensiven Entscheidungsprozess ist mir klar geworden, dass ich die Beziehung zu einer Frau, die ich kennengelernt habe, öffentlich leben möchte», teilte er mit.

Trotz Kritik und Pfarrermangel verlangt die katholische Kirche weiterhin, dass ihre Pfarrer das Zölibat leben. Für den 35-jährigen Marcel Köhle war dies nicht mehr möglich. «Die ständige Auseinandersetzung mit dem Zölibat-Versprechen und der Frage, was ich mit meinem Leben will, haben mir persönlich gezeigt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, diesen Schritt zu machen und einen Neuanfang zu wagen», teilt er mit.

Seit drei Jahren in Brigels im Pfarrdienst

Für die Gemeinde Brigels ist dies ein herber Verlust. «Ich war total überrascht», sagt Sep Cathomas, Präsident der Kirchgemeinde Brigels. «Doch er ist ehrlich und beweist mit diesem Schritt Grösse.»

Sept Cathomas, Architekt und Präsident der Kirchgemeinde Brigels, war auch CVP-Nationalrat (2003-2011) (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Marcel Köhle kam vor drei Jahren als Vikar nach Brigels, erst letzten Oktober hatte er sich zum regulären Pfarrer der kleinen, romanisch sprechenden Gemeinde im Bündner Oberland wählen lassen. Doch zu diesem Zeitpunkt mussten den Geistlichen bereits die Zweifel geplagt haben – Marcel Köhle hatte gemäss Cathomas die Frau vor zwei Jahren kennen gelernt. Doch davon wusste niemand.

Wirkte müde und krank in letzer Zeit

«Wir hätten das niemals gedacht», sagt der Kirchgemeindepräsident, der vor einer Woche von Köhle über dessen Entscheid informiert worden war. «Allerdings hatte der junge Pfarrer in letzer Zeit müde und krank gewirkt, doch ich dachte einfach, er wäre überlastet.» Dazu hatte auch gepasst, dass Köhle für die nächsten zwei Wochen Ferien geplant und eine Vertretung für diese Zeit gesucht hatte.

Kritik am Zölibat

Nach diesen zwei Wochen wird Brigels wohl ohne Seelsorger dastehen. «Dieser Pfarrer war ein grosser Glücksfall für die Gemeinde, jung, romanisch sprechend und ein begnadeter Prediger hat er alle begeistert – jung und alt.» In Zeiten des Pfarrermangels dürfte es entsprechend schwierig sein, einen neuen Pfarrer für die abgelegene Gemeinde zu finden.

«Wir sind traurig, dass die katholische Kirche keine Regelung gefunden hat, dass unsere Pfarrer ein ganz normales Leben führen können und wir dadurch unseren geschätzten Pfarrer verlieren», sagt Cathomas.

 


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