Der Zivilschutz setzt nun auf Drohnen

Von Stefanie Rohner
Der Zivilschutz des Kantons Appenzell Ausserrhoden verstärkt sich mit einer dienstpflichtigen Drohnengruppe.
Der Zivilschutz des Kantons Appenzell Ausserrhoden verstärkt sich mit einer dienstpflichtigen Drohnengruppe. © FM1Today/Stefanie Rohner
Drohnen werden vielseitig eingesetzt. Auch Zivilschutzorganisationen setzen auf die fliegenden Kameras. Der Zivilschutz Appenzell Ausserrhoden bildet nun professionell Piloten aus und gehört damit zu den ersten Kantonen mit einer eigenen Zivilschutz-Drohnengruppe.

Das durchdringende Surren der Drohne ist gut zu hören. Drei Angehörige des Zivilschutzes lassen die Drohne steigen und stehen dabei mit einem vierten Mann per Funk in Verbindung. Die Drohne liefert gestochen scharfe Bilder. Während einer Woche lassen sich in Teufen sechs Ausserrhoder Zivilschützer und zwei Kollegen aus Nidwalden zu Drohnen-Piloten ausbilden.

Der Ausserrhoder Zivilschutz ist der erste in der Ostschweiz, der eine eigene Zivilschutz-Drohnengruppe hat. «Mit der Drohne haben wir bei Einsätzen sehr schnell eine Gesamtübersicht. Das hilft uns dabei, die Lage einzuschätzen», sagt Ueli Sager, Leiter der Drohnengruppe des Zivilschutzes Appenzell Ausserrhoden.

Helikopter-Flüge sind teuer

Wenn es beispielsweise einen Erdrutsch oder eine Überschwemmung gibt, hat der Zivilschutz innert kurzer Zeit einen Überblick über die Situation. Das Ausmass ist so schneller sichtbar.

«Ziel ist auch, dass wir das erstellte Video- und Bildmaterial Partnern weitergeben können. So erhalten Geologen, Statiker und Blaulichtorganisationen ebenfalls die Infos, die sie brauchen», sagt der Leiter des Ausserrhoder Zivilschutzes, Samuel Signer.

Die Drohne kann auch in der Nacht oder bei Regen eingesetzt werden. Schwierig bis unmöglich wird es, wenn der Wind zu stark oder der Nebel zu dicht ist. «Helikopter-Flüge sind teuer und nicht immer verfügbar. Mit der Drohne sind wir sofort einsatzbereit», erklärt Signer.

Schon vorher mit Drohnen gearbeitet

Sager sagt, an vergangenen Übungen und Schadensereignissen habe man festgestellt, dass die Möglichkeiten, die Drohnen mit sich bringen, sehr viel nützen. Der Zivilschutz Appenzell Ausserrhoden hat zwar schon in der Vergangenheit mit Drohnen gearbeitet, allerdings hat er dafür Dritte angestellt.

«Jetzt sind wir nicht mehr auf private Firmen angewiesen, sondern haben sie in unseren eigenen Reihen im Milizsystem eingebunden», sagt Sager. Dabei gehe es nicht primär um das Geld, sondern um Überlegungen rund um den Einsatz, die Taktik sowie Risiko und Sicherheit.

«Wir möchten ein eingefleischtes Team»

Vorerst wird die Drohnengruppe nicht ausgebaut. Sager: «Die sechs Drohnenpiloten sollen Praxiserfahrung sammeln können. Wir möchten ein eingefleischtes Team mit Erfahrung. Es nützt nichts, 20 Drohnenpiloten zu haben, die dann nur sporadisch mit den Drohnen arbeiten.»

Die praktischen Flugtrainings bereiten den Piloten am meisten Spass. Jedoch gilt es, auch viel Theorie zu büffeln: Luftrecht, allgemeine Luftfahrzeugkenntnisse, Planung, menschliches Leistungsvermögen, Meteorologie, Navigation, Betriebsverfahren und die Grundlagen des Fliegens.

Prüfung am Freitag

«Es sind sehr viele Informationen, die da zusammenkommen. Die Theorie ist für mich fast anspruchsvoller. Das Fliegen kenne ich schon, da ich selbst auch eine Drohne habe», sagt Pascal Staub aus Berneck, der gerade die Ausbildung zum Drohnenpilot absolviert.

Am Freitag legen die sechs Angehörigen des Ausserrhoder Zivilschutzes die Lizenz-Prüfung ab. «Ab 2019 wollen wir voll einsatzfähig sein. Sollte es aber in diesem Jahr noch zu einem Unwetter kommen, werden wir natürlich da schon mit den Drohnen arbeiten», sagt Sager.

Noch ausbaufähig

Der Zivilschutz verfügt derzeit über eine Hauptdrohne, die «Matrice 200», und eine kleinere Übungsdrohne. Für die Drohnen sowie das Zubehör hat der Zivilschutz 15’000 Franken ausgegeben. «Ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt. Wir haben die Kosten relativ tief halten können. Derzeit haben wir noch auf gewissen Sachen verzichtet», sagt Signer.

Das Ganze sei noch ausbaufähig. «Momentan haben wir noch keinen Auftrag, Wärmebildaufnahmen in der Nacht zu machen. Wenn dies von uns gefordert wird, dann sind wir mit den jetzigen Drohnen bereit, die Funktion einzuschliessen», sagt Signer.


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