Deutlich mehr verspätete Flüge im Sommer

Von Lara Abderhalden
Der Blick auf die Anzeigetafeln am Flughafen zeigen: Viele Flüge kamen im Sommer zu spät.
Der Blick auf die Anzeigetafeln am Flughafen zeigen: Viele Flüge kamen im Sommer zu spät. © iStock
«Verpätete Ankunft», «delayed» oder «Flug annuliert» – wer in den Sommerferien mit dem Flugzeug verreiste, brauchte viel Geduld. Der Flughafen Zürich und die Fluggesellschaft Swiss bestätigen: Es gab in diesem Jahr deutlich mehr Verspätungen.

Die blauen Anzeigetafeln am Flughafen Zürich blinken. Hinter der Flugnummer erscheint bei jedem zweiten Flug der Zusatz «delayed» oder «cancelled». Die Sitze an den Gates sind voll und die Eltern wissen kaum mehr, wie sie ihre Kinder beschäftigen können. Verspätete Flüge gehörten in diesem Sommer genauso zu den Ferien, wie das Packen des Koffers.

Streiks, Wetter und Überlastung

«Dieses Jahr war schrecklich. Ich hatte so viele Verspätungen wie in den letzten fünf Jahren zusammen noch nie», erzählt eine Flight Attendant der Swiss. Und tatsächlich, ihr Gefühl trügt nicht: «Leider gab es in diesem Jahr besonders viele Verspätungen», sagt Sonja Zöchling, Mediensprecherin des Flughafens Zürich. Dies sei auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: «Einerseits auf die Überlastung im Luftraum über Europa. Dies betrifft alle Flughäfen. Dann die extremen Wettersituationen mit zum Teil schweren Gewittern und die leidigen Streiks, hauptsächlich in Marseille am Wochenende, führten zu den Verspätungen», sagt Zöchling.

Statistiken würden klar zeigen, dass in diesem Jahr mehr Flugzeuge in Europa unterwegs waren. Dies habe vor allem mit der hohen Nachfrage zu tun: «Wir haben viele neue und grössere Flugzeuge, die besser ausgelastet sind, wenn diese jedoch voll sind, müssen wir zusätzliche Massnahmen ergreifen», sagt die Flughafen-Sprecherin.

Swiss auch von Verspätungen betroffen

Wie zahlreiche andere europäische Fluggesellschaften leidet auch die Swiss unter den Verspätungen: «In der Tat waren die vergangenen Wochen für uns bezüglich Pünktlichkeit relativ herausfordernd», sagt Stefan Vasic, Mediensprecher der Swiss. Er bestätigt die Aussagen des Flughafens Zürich, dass vor allem die Streiks, die hohe Frequenz und die gewitterbedingten Flughafenschliessungen zu den Verspätungen geführt hätten. Hinzu kämen punktuelle Personalengpässe bei der europäischen Flugsicherung.

«Gibt es irgendwo in Europa ein Gewitter und ein Flughafen muss geschlossen werden, entsteht eine Schlaufe von Verspätungen, die den Tag durch schwierig abzubauen ist», sagt Stefan Vasic. Die Swiss führt mit ihrere Flotte von 90 Flugzeugen täglich über 400 Flüge durch. Das sind mehr als in den vergangenen Jahren. Mehr Flüge führen automatisch zu mehr Verspätungen. Dennoch versuche die Swiss, Lösungen zu finden, um Verspätungen ganz zu verhindern. «Wir wissen, dass Verspätungen oder Annulationen sehr ärgerlich für Kunden sind und versuchen, die Unannehmlichkeiten möglichst gering zu halten.»

Politik ist gefordert

Der Flughafen Zürich und die Swiss hoffen, dass sich die Lage in Europa bald verbessert. Intern seien bei der Swiss schon Massnahmen gegen Verspätungen getroffen worden, sagt Stefan Vasic: «Die Verspätungsproblematik ist kein reines Schweizer Thema, sondern europäisch anzusiedeln. Jetzt sind die Politik und die Wirtschaft gleichermassen gefordert, Voraussetzungen zu schaffen, dass sich die Luftfahrt entlang der volkswirtschaftlichen Nachfrage entwickeln kann.»


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