Die Schweizer Elite bedauert den Modus-Wechsel

Heuer an den Weltmeisterschaften nur im Wald unterwegs: Matthias Kyburz quittiert den Posten.
Heuer an den Weltmeisterschaften nur im Wald unterwegs: Matthias Kyburz quittiert den Posten. © KEYSTONE/SWISS ORIENTEERING/REMY STEINEGGER
Die Weltmeisterschaften in Norwegen läuten eine neue Ära im Orientierungslauf ein. Die Aufteilung in Wald- und Sprint-Titelkämpfe stösst bei der Schweizer Elite auf wenig Begeisterung. Die Konstante war das Wachstum.

Zunächst bestand eine OL-WM während 25 Jahren aus dem Einzellauf und dem Staffelrennen, 1991 wurde die Kurzdistanz eingeführt (später in Mitteldistanz umgetauft), 2001 kamen die Sprints im urbanen Gebiet hinzu, 2014 feierte die Mixed-Sprintstaffel Premiere, 2020 wird dies für den Knockout-Sprint der Fall sein.

Das Programm der Titelkämpfe wurde stetig umfangreicher, was primär die Athleten freute, die Suche nach Organisatoren aber erschwerte. Deshalb beschlossen die Funktionäre 2015 die Aufteilung der WM in Wald (2019 in Norwegen mit Lang, Mitteldistanz und Staffel) und Sprint (2020 in Dänemark/drei Disziplinen). Die Hauptargumente bildeten die kürzere Gesamtdauer, die Möglichkeit, eine Sprint-WM auch in neuen OL-Destinationen zu organisieren und die Anzahl der Entscheidungen zu reduzieren, damit sie wertvoller werden.

Bei der Premiere der Wald-WM machen die meisten Schweizer Top-Athletinnen und -Athleten allerdings keinen Hehl aus ihrer Abneigung. Sie wären lieber beim herkömmlichen Format geblieben. Die Sprint-Wettkämpfe zu Beginn des Anlasses, das haben die Weltmeisterschaften 2003 in Rapperswil-Jona oder 2012 in Lausanne gezeigt, sorgten jeweils für eine Euphorie beim Publikum und bei den Medien. «Das fällt nun weg», sagt der achtfache Weltmeister Daniel Hubmann, die die WM in Norwegen mit Bronze in der Langdistanz eröffnete. «Die Medienplattform für unseren Sport wird kleiner.» Kaum hätten die Titelkämpfe angefangen, seien sie schon wieder vorbei – die WM beschränkt sich neu auf drei Wettkampftage.

Die Aufteilung schmerzt den Sprint-Spezialisten Matthias Kyburz. «Mein Trumpf-Buur fällt heuer weg», bedauert er. Zudem hätten die Funktionäre nicht ganz Wort gehalten. An den Sprint-WM-Destinationen 2020 in Dänemark und 2022 in Edinburgh könnten ohne weiteres auch Weltmeisterschaften im traditionellen Format organisiert werden. Neue Regionen würden so nicht für den OL-Sport erobert.

Auch Sabine Hauswirth bedauert den Verlust der Disziplinen-Vielfalt. Sie gibt zu bedenken, dass es nun für die zweite Garde viel schwieriger werde, ins WM-Team zu gelangen, weil die Top-Cracks alle drei Wettkämpfe laufen würden. 2018 reiste ein Dutzend an die WM, nun bilden noch neun Läuferinnen und Läufer das Team. Für einen Verband wird es schwieriger, die zweite Garde bei der Stange zu halten oder den Nachwuchs Erfahrungen sammeln zu lassen.

Der Vorteil einer spezifischen Vorbereitung auf eine WM wird nicht hoch gewichtet. «Die Abwechslung mit Wald und Sprint sehe ich als Bereicherung für das Training», betont der Allrounder Hubmann. Auch mit dem Sprint im WM-Programm hätte es wohl dieselben Trainingslager gegeben. Für den Topfavoriten Olav Lundanes ändert sich übrigens nichts. Der Norweger hatte sich bereits in den letzten Jahren stets auf die Walddisziplinen konzentriert.

Eine reine Wald-WM wirkt sich für die Vielseitigen sogar nachteilig aus. Die Allrounder hatten früher oft eine Disziplin ausgelassen, jetzt müssen sie sich nicht mehr schonen. Keiner fehlt mehr, dadurch wird die Hürde für einen Podestplatz höher. Und weil weniger Entscheidungen anstehen, steigt auch der Druck.

(SDA)


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