Die Thurgauer Gehilfen des Samichlauses

Von Christoph Thurnherr
Axel Mejer, Betriebsleiter (links) und Raphael Weiss, CEO der Gerelli AG in Frauenfeld.
Axel Mejer, Betriebsleiter (links) und Raphael Weiss, CEO der Gerelli AG in Frauenfeld. © FM1Today/Christoph Thurnherr
Erdnüssli sind aus dem Advent nicht wegzudenken. Die kleinen Leckerbissen mit der charakteristischen Schale begleiten uns seit der Kindheit im Chlaussäckli – der Weg, den sie dabei zurücklegen müssen, geht auch durch Frauenfeld.

«Sami Niggi Näggi, hinterem Ofe stecki…», so beginnt ein Samichlaussprüchli, das verängstigte Kinder am 6. Dezember dem Samichlaus vortragen. Immer in der Hoffnung, am Ende nicht im Sack zu landen, sondern selbst einen prall gefüllten Samichlaussack zu bekommen – gefüllt mit Biber, Schoggi, Mandarinli und vor allem: Nüssli. Den leckeren Inhalt muss man sich mit dem Schälen gleich nochmals verdienen – was übrig bleibt, freut vor allem Mama. Doch was macht eine gute Erdnuss eigentlich aus?

Schön knusprig, mit dunkler Röstung

Für Raphael Weiss, den CEO des grössten Schweizer Nüssli-Rösters Gerelli AG in Frauenfeld, gehört zu einem perfekten Erdnüssli mehr als nur das Endprodukt: «Das beginnt beim Anbau im Ursprungsland, wie die Erdnuss angebaut wird, wie sie geröstet wir.» Am Ende sollte das Nüssli den typischen Röstgeschmack haben und knusprig sein. Bis ein Nüssli im Chlaussack landet, muss es aber einen weiten Weg zurücklegen, wie der Betriebsleiter Axel Mejer ausführt.

Die Reportage von der Gerelli AG:

Die Nüssli werden in Ägypten gepflanzt und wachsen, wie der Name sagt, sechs Monate lang unter der Erde. Nach der Ernte kommen sie ins Packhaus und werden mehrfach sortiert und gereinigt, bevor sie nach Holland verschifft werden. Dort geht es über den Rhein weiter bis nach Basel und dann mit dem LKW bis zu Gerelli nach Frauenfeld. Dort werden sie gelagert und geröstet. Die fertige Erdnuss wurde mehrfach gereinigt und muss mehrere Aussortierungen überstehen.

Anbau in der Schweiz kaum möglich

In der heutigen Zeit wird viel Wert auf regionale Produktion und möglichst geringe Umweltbelastung gelegt. Mit den Erdnüssen ist das jedoch nicht so einfach. «Das Klima in der Schweiz ist für Erdnüsse ungünstig», sagt CEO Weiss, «die Temperatur sollte während sechs Monaten nicht unter 20 Grad fallen.»

Es wäre zwar theoretisch möglich, aber mit grossem Mehraufwand verbunden. Und nicht zuletzt sind dafür die Konsumenten auch zu kritisch: «In der Schweiz produzierte Erdnüsse haben nicht die gleich schöne Farbe wie die aus dem sonnigen Ägypten, sie sind eher dunkelbraun.» Eine hohe Qualität ist jedoch Voraussetzung – manchmal werden die Erdnussfarmen selbst vor Ort überprüft.

Bis zu 30 Tonnen am Tag

Die Gerelli AG ist der grösste Nussröstbetrieb der Schweiz. Etwa 60 Prozent der gerösteten Erdnüsse in der Schweiz kommen aus Frauenfeld. An einem guten Tag werden hier bis zu 30 Tonnen geröstet. Obwohl die Nachfrage nach dem 6. Dezember markant abnimmt, wird ganzjährig produziert. Abnehmer gibt es genug – wenn auch nicht in der Schweiz. Hier werden die Erdnüssli traditionell fast nur in der Weihnachtszeit gegessen – im Gegensatz zu Italien zum Beispiel, wo sie das ganze Jahr über beliebt sind.

Raphael Weiss und Axel Mejer sind auch nach Jahren noch Fans der Erdnuss, obwohl sie tagtäglich von Millionen Stück umgeben sind. Wobei der Name Erdnuss irreführend ist: eigentlich handelt es sich um Hülsenfrüchte. Und die werden in Kürze wieder viele Kinder über einen möglicherweise traumatischen Samichlaus-Besuch wegtrösten.


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