Doppeladler ist Wort des Jahres

Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri formen mit ihren Händen beim Spiel gegen Serbien den albanischen Doppeladler. (Archivbilder)
Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri formen mit ihren Händen beim Spiel gegen Serbien den albanischen Doppeladler. (Archivbilder) © Keystone/Laurent Gillieron
Wort des Jahres in der Deutschschweiz ist Doppeladler und gesto dell’aqulia (Geste des Doppeladlers) in der italienischen Schweiz. In beiden Landesteilen hat die Geste zweier Fussballer den Nerv der Gesellschaft getroffen.

Ende Juni hat die Schweizer Nationalmannschaft die serbische Mannschaft an der Fussball-WM in Russland besiegt; jubelnd formten die Spieler Granit Xhaka und Sherdan Shaqiri mit ihren Händen den Doppeladler, der auf der Flagge Albaniens abgebildet ist.

Diese Geste löste augenblicklich Diskussionen aus, die weit über den Fussball hinausreichen: Polarisierung und Ausgrenzung, Nationalismus und die Loyalität von Doppelbürgern.

«Debatten beschäftigen uns noch lange»

«Der Doppeladler hat 2018 weite Kreise gezogen und ist im Alltag der Schweiz gelandet; die Debatten darum werden uns noch lange beschäftigen», heisst es in einer Mitteilung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) vom Donnerstag zum Wort des Jahres. Zur Wahl nutzten Forschende der ZHAW die grösste Textdatenbank der Schweiz und das Sprachgefühl einer zehnköpfigen Fach-Jury.

In der Deutschschweiz auf den zweiten Platz kam Rahmenabkommen. Darin enthalten ist das schwierige Verhältnis der Schweiz zur EU. Konkret geht es darum, dass die EU von der Schweiz ein institutionelles Rahmenabkommen verlangt, mit dem die Schweiz Neuerungen im EU-Recht übernimmt, ohne dass immer wieder nachverhandelt werden muss.

«Das Rahmenabkommen beschreibt einen langfristig bedeutsamen politischen Prozess, der aber für viele nicht begreifbar ist – und damit den Rahmen der Vorstellung sprengt», begründet die ZHAW in ihrer Mitteilung.

Auch Lo & Leduc auf Liste

079 belegt den dritten Platz zum Wort des Jahres. Damit ist das Lied von Lo & Leduc gemeint, das von einem Mann erzählt, der jahrelang alle 079-Nummern durchtelefoniert, um seine Liebe zu finden, die ihm ihre Nummer nicht verraten will. Als er schliesslich ihre Stimme hört, überfährt ihn das Tram. Ist das eine tragische Liebesgeschichte oder Stalking und Sexismus? Um diese Frage, drehten sich die Diskussionen, die das Lied ausgelöst hat. Damit schloss die Debatte an #metoo an, das im Vorjahr Wort des Jahres gewesen war.

Von ZHAW gekürt

Das Schweizer Wort des Jahres wird seit 2003 ermittelt. 2017 übernahm das Departement für angewandte Linguistik der ZHAW die Verantwortung. Seither soll die Wahl alle Sprachregionen der Schweiz abdecken. Deshalb wurde 2017 erstmals auch das Wort der Jahres für die Romandie ermittelt; dieses Jahr kam erstmals das Italienische hinzu und 2019 soll Rätoromanisch folgen.

Die mots romands de l’année sind charge mentale auf dem ersten Platz, gefolgt von sécheresse und infox. Wenn die Worte des Jahres spiegeln, worüber die Gesellschaft nachdenkt, dann zeigt sich an dieser Wahl, dass offenbar die Deutschschweizer und die Romands von unterschiedlichen Phänomenen bewegt werden.

Zumindest der Doppeladler und gesto dell’aqulia auf den ersten Plätzen in der Deutschschweiz und im Tessin legen nahe, dass 2018 die Menschen in diesen beiden Sprachregionen mehr Gemeinsamkeiten aufweisen in den gesellschaftlichen Diskussionen. Parole svizzere dell’anno sind weiter notte tropicale und criptovalute.

(SDA)


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