Doppelleben, Partys und 1000 Waffen

Die Polizei fand tausende Waffen und Patronen im Haus in Bel-Air.
Die Polizei fand tausende Waffen und Patronen im Haus in Bel-Air. © KCBS/KCAL-TV/Keystone
In einer Villa im noblen Los-Angeles-Quartier Bel-Air sind tausende Waffen entdeckt worden. Doch wem gehört die Villa? Die Geschichte ist filmreif.

Am Anfang stand ein anonymer Hinweis. Eine Person soll illegal Waffen herstellen und verkaufen. Und das inmitten des Luxus-Viertels Bel-Air in Los Angeles. In der unmittelbaren Nachbarschaft des «Waffen-Hauses»: das «Playboy»-Anwesen und die Villa von Jay-Z und Beyoncé.

Was die Polizisten im Anwesen vorfanden, überstieg jegliche Vorstellung der Beamten. Mehr als tausend Gewehre, Pistolen, weitere Waffen und Munition seien über alle Räume verteilt gefunden worden. Ein Polizeibeamter sprach von einem «Messie-Haus»: «Die Gewehre lagen einfach so auf der einen Seite eines Raums, auf der anderen Seite waren tausende Patronenschachteln. Und das in jedem Raum.» (FM1Today berichtete)

Verhaftet wurde ein 57-jähriger Mann, der zum Zeitpunkt der Razzia im Haus war, später kam er auf Kaution wieder frei. Wie kam ein Mann zu einem solchen Lager an Waffen? Inmitten einer der reichsten Gegenden der USA?

Die einflussreiche Frau

Die Vermutung liegt nahe, dass die Besitzerin des Hauses zumindest indirekt bei der Beantwortung dieser Fragen helfen könnte. Laut der «Los Angeles Times» gehört das Anwesen Cynthia Beck. Sie ist keine Unbekannte an der US-Westküste. In Los Angeles gehört sie zur High Society, sie ist eine der einflussreichsten und wohlhabendsten Maklerinnen der Grossstadt.

Die «Los Angeles Times» bezeichnet ihre Geschichte als geprägt von «offenen Geheimnissen und versiegelten Mündern». Es ist auch die Geschichte des Doppellebens eines Mannes. Dem Nachkommen des früher reichsten Mannes der Welt.

Der Erbe des Öl-Tycoons

Vor genau zwanzig Jahren kam das Geheimnis von Gordon Getty ins Licht. Der Sohn und Erbe des Öl-Milliardärs J. Paul Getty gab öffentlich zu, dass er zwei Familien habe. Mit seiner Frau Ann hat er vier Söhne in der Bay Area von San Francisco. Rund 600 Kilometer entfernt, in Los Angeles, hat er drei Töchter mit einer anderen Frau: der Immobilien-Maklerin Cynthia Beck.

Ann Getty habe schon seit zwei Jahren von dieser anderen Familie gewusst. «Die lokale High Society, die wirklich ganz wichtigen Leute, wussten davon sogar schon seit bald zehn Jahren», schrieb die «Los Angeles Times» 1999.

Exklusive Partys

Damals gehörten Ann und Gordon Getty zu den einflussreichsten Menschen San Franciscos. Ein Bekannter der Familie sagte der Zeitung: «Die Gettys sind so wichtig, in ganz San Francisco legt sich absolut niemand mit ihnen an. Es würde sich rächen. Wer es sich mit ihnen verscherzt, darf auch nicht mehr an die richtig spannenden Partys.»

Ann und Gordon Getty im Jahr 2003 in San Francisco. (Bild: Getty Images)

Und diese Partys waren wirklich legendär. So hat Gordon Getty einmal kurzerhand eine Nachbarsvilla gekauft. Ihm sei sein Klavierzimmer zu klein vorgekommen, so konnte er es über das neue Grundstück vergrössern. Zur Einweihungsparty wurden 80 Gäste eingeladen, unterhalten wurden sie von der Opern-Diva Jessye Norman.

Zu den regelmässigen Gästen Gettys gehörten der frühere US-Präsident Bill Clinton und Opern-Star Placido Domingo. Schauspieler Don Johnson heiratete im Garten des riesigen Anwesens. Als der Oper-Liebhaber Gordon Getty sein selbst geschriebenes Stück vorstellte, liess er bei einer Strassenparty auf dem Broadway den Leuten den Edel-Champagner Veuve Cliquot ausschenken – à discrétion.

Ein Jugendlicher ohne Ohr

Trotz all dieser extravaganten Partys und des grosszügigen Lebensstils sucht Gordon Getty nicht die Öffentlichkeit. Die Sicherheitsstandards rund um die erweiterte Familie sind riesig. Die Getty-Familie hat aus der Vergangenheit gelernt. 1973 wurde der damals 16-jährige Enkel des Öl-Tycoons J. Paul Getty entführt und für mehr als fünf Monate in Gefangenschaft gehalten. Nachdem der Familie ein Ohr des 16-Jährigen zugeschickt worden war, zahlten sie den Entführern 2,8 Millionen Dollar Lösegeld, der Jugendlich kam wieder frei.

«Sie hat gerne ihre Ruhe»

In einer früheren Gerichtsverhandlung wird auch Cynthia Beck als «sehr zurückgezogen lebend» bezeichnet. «Sie meidet Promi-Anlässe, vermeidet Publicity und hat gerne ihre Ruhe», sagte ihr damaliger Anwalt. Dass genau in diesem Umfeld, einer ihrer Villen, tausende Waffen und Munition gefunden worden ist, passt nicht in dieses Bild. Gut möglich, dass sich hinter dieser Geschichte eine weitere filmreife Story verbirgt.

(rr)


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