Über 100 Regierungskritiker in Nicaragua vorübergehend festgenommen

Polizeikräfte in Managua gehen bei Anti-Regierungsprotesten gegen einen Fotojournalisten der Nachrichtenagentur AFP vor.
Polizeikräfte in Managua gehen bei Anti-Regierungsprotesten gegen einen Fotojournalisten der Nachrichtenagentur AFP vor. © KEYSTONE/EPA EFE/JORGE TORRES
Die Sicherheitsbehörden in Nicaragua haben eine Demonstration der Opposition unterbunden und mehr als 100 Regierungskritiker vorübergehend festgenommen. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, hatten sich die Regierungsgegner in der Managua versammelt.

Die Bereitschaftspolizei ging mit Tränengas gegen sie vor und beschlagnahmte Ausrüstung von Journalisten. 107 Menschen wurden nach Polizeiangaben vorübergehend in Gewahrsam genommen. Unter ihnen waren die ehemalige Guerillakämpferin Mónica Baltodano und ihre Schwester Sofia Arce, wie Familienmitglieder mitteilten.

Die zivile Opposition Alianza Cívica Nicaragua sprach am Samstag von illegalen Festnahmen und forderte eine sofortige Freilassung der Regierungsgegner. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, forderte auf Twitter, die Repressionen gegen Demonstranten müssten umgehend ein Ende finden.

Das Land kommt seit fast einem Jahr nicht zur Ruhe. Im April 2018 begannen Proteste wegen einer geplanten Sozialreform der Regierung, die später zurückgezogen wurde. Die Demonstranten forderten jedoch auch danach den Rücktritt des autoritären Präsidenten Daniel Ortega. Proteste wurden gewaltsam niedergeschlagen.

Anfang März haben die Opposition und die Regierung nach mehreren Monaten ohne Gespräche erstmals wieder einen Friedensdialog aufgenommen. Geplant ist, dass so bis Ende März eine Lösung für die politische Krise gefunden wird. Die Ortega-Regierung entliess in den vergangenen Wochen rund 150 politische Gefangene aus Gefängnissen.

Ortegas Gegner beschuldigen den ehemaligen Guerillaführer im Kampf gegen die rechte Somoza-Diktatur (1934-1979), zusammen mit seiner Frau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, selbst zunehmend autoritär zu regieren. Der Ortega-Familie werfen sie unter anderem Korruption und Vetternwirtschaft vor.

Die Regierungskritiker verlangen, die für 2021 vorgesehene Präsidentschaftswahl auf März vorzuziehen. Der 73-jährige Ortega lehnt das ab.

(SDA)


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