Ehe nur nach reiflicher Überlegung

Erst nach reiflicher Überlegung wird geheiratet.
Erst nach reiflicher Überlegung wird geheiratet. © iStock
Ehen in der Ostschweiz halten immer länger. Die Scheidungsrate ist in den letzten Jahren deutlich zurück gegangen. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass immer weniger Menschen heiraten.

In Appenzell Ausserrhoden halten Ehen im Schnitt 16,8 Jahre und somit so lange wie nirgendwo sonst in der Ostschweiz, schreibt das Tagblatt. Der Schweizer Schnitt liegt bei 15,1 Ehejahren. Mann und Frau zu sein, scheint im Trend zu liegen und lange Ehen sind keinesfalls etwas, das es nur noch bei unseren Eltern gibt.

«Ehe wird stabiler»

Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass es rund um die Einführung des neuen Scheidungsrechts im Jahr 2000 – dieses regelt den finanziellen Anspruch auf Unterhalt genauer – starke Ab- und Zunahmen der Scheidungsrate gab. Seither hat sich die Zahl allerdings stabilisiert, in den letzten Jahren gab es einen leichten Abwärtstrend.

Die Scheidungsrate hat in den letzten Jahren leicht abgenommen.

zVg

Dies hänge mit verschiedenen Faktoren zusammen, sagt die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello, die im Rahmen einer Studie Verheiratete über ihre Ehe befragte: «Immer weniger Leute heiraten und diejenigen, die heiraten, tun dies immer später. Noch nie wurde so spät geheiratet wie heute.» Diejenigen, die sich heute trauen lassen, täten dies bewusster und nach reiflicher Überlegung. «Daher wird die Ehe auch etwas stabiler.» Dementsprechend gilt: Je seltener geheiratet wird, desto weniger Scheidungen gibt es.

Liebe ist in der Ehe Pflicht

Das Grundbedürfnis der Menschen nach Liebe habe sich verändert: «Nähe und Verbundenheit sind nach wie vor dasselbe, aber die Ansprüche an die Ehe sind enorm gestiegen.» So sei die Liebe bei den meisten die einzige Legitimation für das Aufrechterhalten einer Ehe. Ist diese nicht vorhanden, wird geschieden.

Obwohl sich viele den Schritt in den Bund des Lebens ganz genau überlegen und sich sicher fühlen, ist die Scheidungsrate im europäischen Vergleich ziemlich hoch: «Die Scheidungsrate in der Schweiz hat zwar abgenommen, wir gehören im europäischen Vergleich aber zum oberen Drittel», sagt Pasqualina Perrig-Chiello. Dies lasse darauf schliessen, dass viele in der Ehe nicht glücklich sind und es deshalb zu Scheidungen kommt: «In meiner Studie mit 1000 langjährig Verheirateten waren rund 40 Prozent nicht glücklich.»

(abl)


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