Ein Drittel der Kinderwagen geht kaputt

Von Stefanie Rohner
Auf sie mit Gebrüll: Am Kinderwagenrennen Dietfurt ging es rasant zu und her.
Auf sie mit Gebrüll: Am Kinderwagenrennen Dietfurt ging es rasant zu und her. © FM1Today/Stefanie Rohner
Mit dem Kinderwagen über die Schanze: Alle vier Jahre findet in Dietfurt das Kinderwagenrennen statt. Kreativ dekorierte Wagen flitzen dann den Hang hinab. Der schönste und schnellste gewinnt.

«Drüü, zwei, eis, los!», hallt es über den Platz im toggenburgerischen Dietfurt. Und schon flitzen die dekorierten Kinderwagen die steile Wiese hinab. Der Parcour erinnert ein wenig an ein Skirennen. Nur dass es hier viel bunter zu und hergeht. Gesamthaft nehmen 21 dekorierte Kinderwagen am Rennen teil. Es gibt zwei Durchgänge, ein Schaulauf und ein Rennlauf.

Beim ersten präsentieren die Gruppen ihren Wagen – viele wählen ein aktuelles Thema oder eines, das hohe Wellen geschlagen hat. Dort gewinnt das beste Motto. So sind natürlich der Postautoskandal, der Dieselskandal und der Bergbahnenstreit im Toggenburg vertreten.

Ein Spektakel im Toggenburg

«Das Kinderwagenrennen gibt es seit 1979. Ich bin eben so lange schon der OK-Präsident», sagt Walter Schönenberger. Der Sportclub Dietfurt organisiert den Anlass alle vier Jahre, früher tat es der Veloclub. Schönenberger schätzt, dass rund 2000 Besucherinnen und Besucher anwesend sein dürften. Und in der Tat ist es rund um den Abhang brechend voll. Niemand will sich das Spektakel entgehen lassen.

«Das Rennen ist Kult»

Die Zuschauer dürfen natürlich abstimmen, welcher Wagen ihnen am besten gefallen hat. Jeder darf drei Stimmen vergeben. Beim zweiten Durchgang bestimmt die Zeit, wer als Sieger vom Platz geht. So schnell wie nur möglich müssen die Teilnehmer ins Ziel kommen. Das geht natürlich nicht ohne Pannen.

Auf dem schlammigen, schneebedeckten Boden rutschen die Teilnehmer in den Kurven oft aus, rappeln sich wieder auf und versuchen, unversehrt über die Schanzen zu kommen. «Ich bin jedes Mal hier, das lasse ich mir nicht entgehen. Das Rennen ist Kult und macht Spass. Ich finde die Kinderwagen am besten, die sich etwas freches oder witziges ausgedacht haben», sagt Nicole Couto aus Lichtensteig.

Mariokart mal analog

Man munkelt, das rund ein Drittel der 21 Wagen am Ende kaputt sind. Die müssen aber auch wirklich was aushalten, wenn sie die Wiese runterdonnern. Mario und Luigi laufen auch ins Ziel ein. «Wir sind das dritte Mal dabei und es macht unglaublich Spass. An unserem Wagen ‘Super Mario’ haben wir etwa zehn Stunden gebastelt», sagen Lukas und Meinrad aus Bütschwil. Sie haben das Motto gewählt, weil das Game «Mario Kart» wieder in sei und es viele Jugendliche wieder spielen.

Schlammig, aber zufrieden

Andere gedenken mit ihrem Wagen auch einer Lieblingsserie, die zu Ende ging. Reto Scherrer und Rafael Breitenmoser haben das Motto «Der Bestatter» gewählt. Eineinhalb Tage lang haben sie am Leichenwagen gebastelt. «Wir haben zum ersten Mal teilgenommen. Das es anstrengend wird, haben wir gewusst. Auf Zeit zu fahren und rennen hat Spass gemacht», sagen Rafael und Reto.

Schlammig, nass und dreckig gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Platz. Doch das scheint sie nicht zu stören. Sie alle haben ein zufriedenes Lächeln im Gesicht und freuen sich darauf, nach dem Rennen noch etwas feiern zu gehen.

(red.)

 

 


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 500 Zeichen