«Eine Rettungsgasse kann Leben retten»

Von Michael Ulmann
Wer eine Rettungsgasse bildet, kann Leben retten.
Wer eine Rettungsgasse bildet, kann Leben retten. © zVg
Ein Basler Verein lanciert heute Montag die erste Kampagne zum Thema «Rettungsgasse» in der Schweiz. Weil oft keine solche Rettungsgasse gebildet wird, haben die Einsatzkräfte immer wieder Schwierigkeiten, den Unfallort zu erreichen. Auch im FM1-Land ist das ein Problem.

In Deutschland und Österreich ist es Gesetz. Nicht aber in der Schweiz. Die Rede ist vom Bilden einer Rettungsgasse bei einem Unfall auf der Autobahn. Der Basler Verein «Helfen helfen» nimmt dies zum Anlass und will Verkehrsteilnehmer in der gesamten Schweiz auf die Wichtigkeit einer Rettungsgasse aufmerksam machen. Deshalb hat er die erste Rettungsgassenkampagne der Schweiz ins Leben gerufen, die unter anderem vom Bundesamt für Strassen ASTRA sowie der Kantonspolizei Bern unterstützt wird.

Viel Unwissenheit vorhanden

Gemäss dem Verein ist vielen Verkehrsteilnehmern in der Schweiz aufgrund der offiziell fehlenden Regelung zur Rettungsgasse nicht bewusst, dass die Strasse den Einsatzkräften (Sanität, Feuerwehr, Polizei, Abschleppdienst) bei einem Unfall sofort freizugeben ist. So kann nicht nur schneller Leben gerettet werden, sondern es kann sich auch ein Stau schneller auflösen.

Was ist eine Rettungsgasse und wie wird sie gebildet? Im Video wird’s erklärt.

Auch im FM1-Land hartz es

FM1Today wollte wissen, ob das Bilden einer Rettungsgasse im FM1-Land (zumindest in jenen Kantonen mit vielen Autobahnkilometern) klappt oder nicht. In den Kantonen St.Gallen und Graubünden stellt dies offenbar ein grösseres Problem dar. «Unsere Erfahrung zeigt, dass wir die Rettungsgasse eigentlich immer erzwingen müssen. Sie besteht in den allermeisten Fällen nicht, wenn unsere Einsatzkräfte beim Stau ankommen», sagt der Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, Florian Schneider. «Gerade bei der St.Galler Stadtautobahn ist dieses Problem schon fast alltäglich.» Bei der Kantonspolizei Graubünden klingt es ähnlich.

Anders verhält es sich offenbar im Kanton Thurgau. «Grundsätzlich bilden die Verkehrsteilnehmer im Kanton Thurgau sehr diszipliniert eine Rettungsgasse, wenn eine solche nötig ist», meint Mario Christen, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. «Unsere Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Autofahrer die Rettungsgasse oft wieder schliessen oder zu nah an das vordere Fahrzeug auffahren, sobald das erste Einsatzfahrzeug vorbeigefahren ist. Das ist falsch.»

 

Diese Beobachtung bestätigen auch die Kantonspolizeien Graubünden und St.Gallen. Dazu Florian Schneider von der Kapo St.Gallen: «Die Rettungsgasse muss unbedingt aufrecht erhalten werden. Denn meistens müssen nach dem ersten Einsatzfahrzeug noch andere Einsatzfahrzeuge zum Unfallort vorrücken, zum Beispiel die Feuerwehr oder der Abschleppdienst. Deshalb müsse die Rettungsgasse aufrecht erhalten werden. Sie kann nicht nur Leben retten, sondern der Stau kann sich so auch schneller auflösen.»

Mit solchen Stickern sollen Verkehrsteilnehmer u.a. auf die richtige Bildung einer Rettungsgasse informiert werden. Bild: Helfen helfen 2017

Mit solchen Stickern sollen Verkehrsteilnehmer über das richtige Bilden einer Rettungsgasse informiert werden. (Bild: zVg)

«Positive Sache»

Alle drei Polizeien begrüssen die Rettungsgassenkampagne. Kampagnen, die der Verkehrssicherheit dienen, seien grundsätzlich positiv, so der Tenor. Die Kantonspolizei Graubünden hat ausserdem bereits im Frühling auf Social Media auf die Thematik aufmerksam gemacht.

Sobald Stau einsetzt = sofort Rettungsgasse bilden!

Gestern Abend nach dem Unfall auf der A13 bei Trimmis zeigte sich…

Posted by Kantonspolizei Graubünden on Donnerstag, 18. Mai 2017

Die Wichtigkeit einer Rettungsgasse ist also unbestritten. Die Kampagne soll nun noch die Wissenslücken schliessen. Und so könnten vielen Autofahrern auch viele Stunden im Stau erspart bleiben.

Der TVO-Beitrag zum Thema:


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