Empörung nach Herzog-Aussagen

Verena Herzog setzt sich für ein traditionelles Familienbild ein.
Verena Herzog setzt sich für ein traditionelles Familienbild ein. © Reto Martin/St.Galler Tagblatt
Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog hat Verdingkinder mit Krippen-Kindern verglichen. Vertreter von Verdingkindern und von Kita sind entsetzt.

Dass dieser Vergleich ausgerechnet von einer ehemaligen Kindergärtnerin kommt, erstaunt. In der SVP-Zeitung «Klartext» schreibt die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog: «Dies erinnert an das verwerfliche Gedankengut, mit welchem die Verdingkinder zur besseren Erziehung weggegeben wurden.» Herzog kritisiert damit die Forderung nach einem besseren Zugang zu Kindertagesstätten.

Die Nationalrätin tritt damit nicht nur in ein Fettnäpfchen, nein, sie badet regelrecht im Fetttopf. Ein Vergleich zwischen Krippenkindern und Verdingkindern ist in den Augen vieler ein absolutes Unding, wie «Blick» berichtet.

«Vergleich ist haarsträubend»

Robert Blaser, ehemaliger Verdingbub und heutiger Präsident des Vereins Fremdplatziert, sagt gegenüber der Zeitung: «Ich hätte mir gewünscht, meine Mutter, die aus finanziellen Gründen arbeiten musste, hätte die Möglichkeit gehabt, mich und meine zwei Geschwister in eine Kinderkrippe zu schicken.» Er bezeichnet den Vergleich als «haarsträubend». Eine Fremdplatzierung oder Zwangsadoption habe nichts mit Nacherziehung zu tun. Blaser fordert von Herzog eine öffentliche Entschuldigung und überlegt sich rechtliche Schritte.

Auch Vertreter von Kinderkrippen sind entrüstet. Die Präsidentin des Fachverbands Kinderbetreuung Schweiz, Rosmarie Quadranti, sagt gegenüber dem «Blick»: «Dass Herzog die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung in den Dreck zieht und die Eltern, die diese Angebote nutzen, als Rabeneltern darstellt – das allein geht schon deutlich zu weit.» Der Vergleich sei unterste Schublade, grobfahrlässig und «einfach nur dumm».

Alleinerziehende sind «egoistisch»

Herzog steht zu ihrem Vergleich. «Der Staat hat die Finger von den Kindern zu lassen – das gilt für damals wie für heute», sagt sie zur Zeitung. Frauen, die sich ohne feste Beziehung einen Kinderwunsch erfüllen, seien egoistisch und würden die Bedürfnisse der Kinder nicht berücksichtigen. Sie «missbrauchen Kinderkrippen, indem sie ihre Kleinen die ganze Woche abgeben».

Verena Herzog ist seit 2013 im Nationalrat, sie rückte für den zurückgetretenen Peter Spuhler nach. Die Thurgauerin ist für ihre konservativen Ansichten bekannt. Sie war Mitglied im Verein «Für eine traditionelle Familie», der sich für ein «klassisches» Familienmodell einsetzt und die gleichgeschlechtliche Ehe verhindern will. Der Verein ist allerdings seit 2016 nicht mehr wirklich aktiv, an der Einstellung Herzogs hat sich aber offenbar wenig geändert.

(rr)


Newsletter abonnieren
9Kommentare
noch 500 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel