«Empörungswelle schockiert mich»

Das Inserat stammt von der Firma Schärer in Rossrüti bei Wil.
Das Inserat stammt von der Firma Schärer in Rossrüti bei Wil. © Screenshot Google Maps
Die Transportfirma Schärer aus Rossrüti bei Wil soll in den «Wiler Nachrichten» ein rassistisches Stelleninserat geschaltet haben. Das findet zumindest die SP Migranten St.Gallen – Geschäftsführerin Petra Schärer nimmt im Interview Stellung.

Petra Schärer, mit Ihrem Inserat sind Sie gezielt auf der Suche nach einem «Eidgenossen», der abends auch einmal mit dem Team Cervelat und Schweinesteak isst. Die SP Migranten St.Gallen empfindet diese Anforderungen als diskriminierend. Was sagen Sie dazu?
Es schockiert mich, dass wegen des Inserats eine solche Empörungswelle losgetreten wurde. Das Inserat ist mehr oder weniger aus Jux entstanden. Als kleiner Familienbetrieb wollten wir pfiffig daherkommen. Nebenbei erwähnt habe ich Ausländer im Betrieb. Meine Kollegen sind Ausländer, meine beste Freundin ist Ausländerin. Ich habe mir beim Inserat überhaupt nichts gedacht.

Die Firma Schärer sucht einen Eidgenossen.

Dieses Stelleninserat der Schärer Transport AG erschien in den «Wiler Nachrichten». (Bild: pd/Wiler Nachrichten)

Die explizite Erwähnung von Schweinefleisch ist laut der SP Migranten St.Gallen ein klares Signal an jüdische, muslimische und vegetarische Personen.
Wir haben uns vor vier Jahren einen Grill zugetan und grillieren regelmässig miteinander. Dann bestellen wir jeweils 20 bis 30 marinierte Schweinsnierstücke – die sind super fein gewürzt – und ein paar Cervelats. Ich weiss nicht, was gegen Cervelats einzuwenden ist, zumal es diese auch aus Pouletfleisch gibt.

Und warum muss es unbedingt ein «Eidgenosse» sein?
Uns ist es extrem wichtig, dass unsere Leute die deutsche Sprache beherrschen und sich untereinander verständigen können. Darum haben wir explizit die Schweizer Schulbildung erwähnt. Ich hatte keine Hintergedanken. Ich hätte nie gedacht, dass das Inserat so negativ aufgenommen wird, es sollte positiv und dynamisch wirken. Es tut mir leid, wenn sich jetzt jemand betroffen oder verletzt fühlt.

Würden Sie auch jemanden mit Migrationshintergrund einstellen, der gut Deutsch spricht?
Ja sicher! Ich beschäftige momentan schon eine Frau und einen Mann aus Rumänien sowie einen Südtiroler. Auch ein Bosnier arbeitet bereits seit fünf Jahren hier. In der Vergangenheit habe ich auch schon einen Mazedonier, der hier angestellt war, privat unterstützt. Weil er sein Geld verwettet hatte, bin ich in die Migros gegangen, um für seine Familie Lebensmittel einzukaufen. Er war ein guter Mitarbeiter und war fünf Jahre bei uns.

Welche Reaktionen haben Sie wegen des Inserats erfahren?
Sie sind miserabel. Da wird auf einen losgegangen, als hätte man jemanden ermordet oder bedroht. Schlussendlich bin ich Arbeitgeberin und handle verantwortungsvoll.

Interview: Dario Cantieni


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