Es sieht nicht gut aus für die Schweizer Klubs

Luzerns Trainer Thomas Häberli steht im Rückspiel mit seinem Team bei Espanyol Barcelona vor einer so gut wie unlösbaren Aufgabe
Luzerns Trainer Thomas Häberli steht im Rückspiel mit seinem Team bei Espanyol Barcelona vor einer so gut wie unlösbaren Aufgabe © KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
Die Schweizer Klubs stehen in Europa mit dem Rücken zur Wand. In der vorletzten Runde der Europa-League-Qualifikation stehen Thun und Luzern vor dem Aus. Thun muss bei Spartak Moskau ein 2:3 wettmachen, Luzern liegt gegen Espanyol Barcelona aussichtslos zurück.

Nein, grosse Hoffnungen machen sich die beiden Schweizer Europa-League-Anwärter vor ihren Rückspielen am Donnerstag nicht mehr. Können sie auch nicht angesichts der Lage, in der sie nach dem halben Pensum gegen ziemlich übermächtige Gegner stecken. Thun verlor zuhause gegen Spartak Moskau mit einem Tor Unterschied und drei Gegentreffern, Luzern war beim 0:3 gegen das effiziente Espanyol fast gänzlich chancenlos.

In Thun konnten die Spieler nach dem Hinspiel wenigstens noch vom Weiterkommen reden, ohne dafür belächelt zu werden. Den Auswärtssieg hatte Spartak primär den Thuner Geschenken zu verdanken. Beim FC Luzern machten sie sich derweil keine Illusionen. Wie will man bei Espanyol drei Tore wettmachen und schaffen, was bislang einzig den Grasshoppers vor 30 Jahren gegen Slovan Bratislava gelungen ist (4:0 n.V. nach 0:3 im Cup der Cupsieger), wenn es selbst in der Super League mit dem Toreschiessen kaum klappt? Was nützt eine halbwegs stabile Defensive und ein starker Goalie ohne Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor? Die dritte Liga-Partie ohne Torerfolg in Folge förderte die latente Unzufriedenheit im Lager der Zentralschweizer am Sonntag zutage. Christian Schwegler wurde nach dem 0:2 gegen Thun deutlich: «Wir treten zu wenig mutig auf. Wir müssten weiter vorne attackieren.»

Für die Luzerner geht es in Barcelona darum, mit einem ordentlichen Auftritt Moral zu tanken. «Wir wollen Espanyol das Leben so schwer wie möglich machen», lautet die Vorgabe von Trainer Thomas Häberli. Dass sich die Mannschaft danach auf das nationale Geschehen konzentrieren kann, ist wohl gut so. Für eine Dreifachbelastung, so hat sich in diesen Wochen gezeigt, ist das Kader zu dünn. Selbst jetzt, wo die Aufgabe in Spanien unlösbar ist, hat Häberli kaum Optionen zur Rotation, zumal Marvin Schulz wegen einer leichten Gehirnerschütterung ausfällt und die Position des zu Lausanne gezogenen Christian Schneuwly noch vakant ist.

Achtungserfolge in Spanien und Russland wären aus nationaler Sicht wünschenswert. Die Auswirkungen für den Schweizer Fussball sind einschneidend, wenn positive Resultate der Super-League-Vertreter weiterhin so rar bleiben. Nur noch an 21. Stelle liegt die Schweiz im aktuellen Koeffizienten-Ranking der UEFA für die Bestimmung der Startplätze 2020. Zum Vergleich: 2014 war die Schweiz Elfte, von 2015 bis 2017 Zwölfte. Der Abstieg war auch deshalb so steil, weil zuletzt erfolgreiche Jahre des FC Basel aus der Fünfjahres-Wertung fielen.

Um weiterhin einigermassen realistische Chancen auf einen Schweizer Klub in der Champions League zu haben, zählt jeder Sieg und jedes Unentschieden. Gefordert sind in diesem Herbst vor allem YB, Basel und Lugano in den Gruppenphasen. In den Qualifikationsspielen holten bislang nur San Marino (0) und Nord-Mazedonien (0,5) weniger Punkte als die Schweiz (0,6). Bleibt die Schweiz im Länder-Ranking ausserhalb der Top 17, muss der Meister nächste Saison schon in der ersten der vier Qualifikationsrunden zur Champions League antreten. Der Zweite müsste gleich viele Runden überstehen, nur um in der Europa League dabei zu sein.

(SDA)


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