«Extrem erleichtert, dass es ihm gut geht»

Von Fabienne Engbers
Napa ist gesund in Arosa angekommen.
Napa ist gesund in Arosa angekommen. © FM1Today/Fabienne Engbers
Am ersten Zoll wurde er für tot gehalten, am nächsten hat man ihn mit Äpfeln verwechselt. Doch nun ist er da – der erste Bär im Arosa Bärenland. Und er fühlt sich schon sehr wohl.

Nur wenige Minuten nach der Ankunft auf dem Weisshorn tapst Napa schon neugierig durch sein neues Zuhause. Mit Tatzen, Nase und Mund erforscht er alles, was herumsteht und -liegt. Fleissig gefressen wird auch schon. «Hauptsächlich mag er rohe Eier, Äpfel und Karotten», sagt sein ehemaliger Zoodirektor, der die Reise aus Serbien miterlebt hat.

Äpfel statt einem Bären

In Serbien wurde Napa als Zirkusbär gehalten. In einem kleinen Käfig, in dem er sich wohl kaum aufrichten konnte, tourte er von Stadt zu Stadt. Als sogenannte «Tanzbären» im Jahr 2009 in Serbien verboten wurden, kam Napa in einen serbischen Zoo. Dort hatte er zwar ein grösseres Gehege, allerdings war dessen Boden ebenfalls komplett aus Beton. In Arosa kann Napa nun das erste Mal auf Gras laufen und sich an echten Bäumen reiben.

Bis der Bär namens Napa allerdings in der Schweiz war, dauerte es lange und die Behörden stellten der Crew von «Vier Pfoten» und dem Bärenland einige Hürden. «Am ersten Zoll haben sie ein falsches Kreuzchen gesetzt und plötzlich transportierten wir ein totes statt ein lebendiges Tier», sagt Pascal Jenny, Kurdirektor von Arosa und Präsident der Stiftung Arosa Bären. «An einem anderen hatten wir plötzlich Äpfel statt einem Bären dabei. Das kostete Zeit und Nerven, aber jetzt hat ja alles geklappt.» Mittlerweile kann Jenny darüber lachen, ein paar Stunden zuvor hat er sich deshalb noch die Haare gerauft.

Auf der Reise vom Zoo Palic in Serbien bis nach Arosa hat die Crew immer wieder Pausen gemacht und Napa mit Essen und Wasser versorgt. Die Reise dauerte knapp 24 Stunden, da die Zollaufenthalte immer wieder zu Zwangspausen führten.

«Es ist überwältigend»

Jetzt sind alle Beteiligten froh, dass es Napa gesund bis nach Arosa geschafft hat. «Dass er schon frisst und sein Gehege so enorm neugierig erkundet, das ist fantastisch», sagt Nico Schädler. Er ist leitender Tierpfleger und kümmert sich in den nächsten Monaten um seinen ersten Schützling. «Wir haben extrem viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt, vor allem in den letzten Wochen. Ich bin überwältigt davon, wie schnell sich der Bär hier wohlfühlt.»

Gleicher Meinung ist auch Bärenbotschafterin Monika Fasnacht, die beim Verlad von Napa in Serbien mit dabei war. «Wir hatten Tränen in den Augen nach dem medizinischen Untersuch und vor dem Verlad. Ich bin so erleichtert, dass alles geklappt hat und Napa jetzt hier ist», sagt die Tierfreundin.

«Gspändli» kommen nach

Das Aussengehege des Bärenlandes befindet sich noch im Bau, lediglich das Innengehege, in dem Napa umherläuft, ist zurzeit fertig. «Das Aussengehege wird Ende Juli fertig, bis dahin darf Napa wegen Tierschutzvorschriften sowieso nicht mit anderen Tieren in Kontakt kommen. Danach lassen wir ihn nach draussen», sagt Pascal Jenny. Am 4. August wird das Bärenland in Arosa dann offiziell eröffnet.

Dieses Jahr bleibt der zwölfjährige Bär, der ursprünglich als Zirkusbär in Serbien gehalten wurde, noch allein in Arosa. «Es kommt doch schon bald der Winter und es wäre zu knapp gewesen, um dieses Jahr weitere Bären herzuholen», sagt Jenny. Daher bleibt Napa bis zum nächsten Frühling allein im Bärenland. «Wir hoffen aber, dass wir kommenden Sommer noch ein paar Bären herholen können, Platz hat es für bis zu fünf Tiere.»

Zum Schluss noch ein FunFact: Das Bärenland befindet sich direkt unter der Gondel der Weisshornbahn. Hätte man die Gondel eines Tages evakuieren müssen, würden die Besucher, gemäss dem dem alten Evakuierungsplan im Bärengelände landen. «In Zukunft würde die Gondel deshalb horizontal evakuiert werden, wir haben ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet», sagt Pascal Jenny.

Das Arosa Bärenland eröffnet offiziell Anfang August, am 4. und 5. August findet ein Familienwochenende statt. Alle Infos rund um das Programm findest du hier.


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