Facebook – die digitale Zigarette

Wenn man mehr Zeit online verbringt, als mit seinen Mitmenschen. Onlinesucht wird immer mehr zu einem Problem.
Wenn man mehr Zeit online verbringt, als mit seinen Mitmenschen. Onlinesucht wird immer mehr zu einem Problem. © (Symbolbild: iStock/RuslanDashinsky)
Dass gewisse Angebote im Internet süchtig machen können, ist spätestens seit «World Of Warcraft» hinlänglich bekannt. Jetzt bekommen auch Facebook und Co. ihr Fett weg: In der Form eines Buches für Aussteiger. FM1-Moderator Beni Hofstetter hat mit den Autoren gesprochen.

«Alkohol kann süchtig machen, muss aber nicht. Genau so verhält es sich mit dem Internet», sagt Kurosch Yazdi, Leiter der Suchtabteilung am Kepler Universitätsklinikum im österreichischen Linz. Zusammen mit seinem Team behandelt er suchtkranke Menschen, die beispielsweise mit Alkohol oder Drogen Probleme haben. In letzter Zeit stellt Yazdi einen zunehmenden Trend fest: Er behandelt vermehrt Menschen, die onlinesüchtig sind, die nicht mehr ohne globale Vernetzung leben können. Menschen, die bis zu 19 Stunden am Tag online sind und nachts sogar den Wecker stellen, um ihren Social-Media-Feed zu checken. Teils sind seine Patienten nicht älter als zehn Jahre.

«Social Media an sich ist nichts Böses»

Angebote wie Facebook, Twitter, Instagram oder Google+ seien nichts Böses, sagt Yazdi. «Es kommt allerdings drauf an, ob der Konsum eines Users so gross ist, dass er oder sie sich damit schadet.» Es gebe viele Menschen, die in einem vernünftigen Mass soziale Online-Medien konsumieren. Für diese Menschen ist eine Sucht vorerst kein Thema. Es gebe in letzter Zeit allerdings viele Menschen, die sich hilfesuchend an Yazdis Klinik wenden, weil sie ihren Konsum gar nicht mehr im Griff haben.

Ab wann ist man süchtig?

Doch wann ist eine Sucht eine Sucht? Grundsätzlich sei es wie bei jeder Sucht, sagt Yazdi: «Die erste Frage, die man sich stellen sollte ist: Habe ich meinen Konsum noch unter Kontrolle oder konsumiere ich eigentlich weit mehr, als ich möchte oder als mir gut tut?» Der zweite Aspekt bezieht sich auf die persönlichen Ressourcen: Habe ich eigentlich noch genug Zeit und Energie, um meinem normalen Leben nachzukommen? Werden diese Fragen mit einem Ja, beziehungsweise mit einem Nein beantwortet, kann man davon ausgehen, dass man onlinesüchtig ist.

Das Internet ist asozial – doch es gibt Hilfe

«Das Internet ist eigentlich asozial», sagt Yazdi. Denn obwohl man vielleicht 1000 Freunde auf Facebook hat, ist man sehr austauschbar. «Ich kann mich zwar präsentieren wie ich will, mich interessanter, schöner oder schlanker darstellen. Aber letztlich kümmert sich niemand mehr um einen, wenn man sich zwei Wochen nicht meldet.» Um all den Menschen zu helfen, sich der Facebooksucht wieder zu entziehen, hat Yazdi zusammen mit dem Schriftsteller Ben Springer ein Facebook-Aufhör-Buch geschrieben. Dessen 10-Punkte-Programm «für die Rückkehr ins echte Leben» wird den veränderten Wahrnehmungsmechanismen Facebook-Süchtiger gerecht: Es enthält viele bunte Bilder und kurze, leicht lesbare Texte. «Immer mehr Menschen haben genug von Facebook», sagt Yazdi, «ihnen wollen wir helfen.»

Das Buch «Klick & weg» ist heute erschienen und kann im Buchhandel gekauft werden. Auch online.

(saz)


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