Familie veröffentlicht Schumi-Interview

Das Interview mit Michael Schumacher wurde kurz vor seinem Unfall aufgezeichnet.
Das Interview mit Michael Schumacher wurde kurz vor seinem Unfall aufgezeichnet. © Michael Schumacher/michael-schumacher.de
Die Familie des vor fünf Jahren verunfallten Michael Schumacher hat völlig überraschend ein Interview mit dem ehemaligen Formel-1-Star veröffentlicht.

Michael Schumacher spricht. In einem bisher unveröffentlichten Video, das seine Familie auf der Website veröffentlicht hat. Wieso das Interview gerade jetzt online gestellt worden ist, ist unklar.

Im interaktiven Video beantwortet Schumacher, der im Dezember 2013 tragisch beim Skifahren verunglückt ist, zehn Fragen. Das Interview wurde offenbar kurz vor dem Unfall aufgenommen. Michael Schumacher erlitt beim Sturz in Meribel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Wie es ihm heute geht, verrät die Familie nicht.

Das Original-Interview (englisch) gibt es hier.

Und das sagt der siebenfache Formel-1-Weltmeister:

Welches war dein emotionalster Titel: Der erste, 1994, oder der erste mit Ferrari im Jahr 2000?
Schumacher: Der emotionalste Titel war definitiv 2000 in Suzuka mit Ferrari. Zuvor konnte Ferrari 21 Jahre lang keine WM mehr gewinnen. Ich selber ebenfalls vier Jahre nicht. Dann kam endlich dieser Sieg im 2000 in Suzuka nach einem sehr speziellen Rennen.

Welchen Gegner hast du am meisten respektiert?
Der am meisten Respektierte in all diesen Jahren war definitiv Mika Häkkinen. Es gab grossartige Kämpfe, aber ich habe trotzdem eine stabile, private Beziehung zu ihm.

Wie sehr fordert die Formel 1 die Fahrer physisch?
Die Formel 1 ist sehr hart. Früher, ohne Servobremsen und – lenkung, war es sogar noch härter. Dennoch ist es eine der härtesten Sportarten geblieben. Darum braucht es eine sehr gute Vorbereitung.

Hast du ein Idol?
Als junger Kartfahrer war es Ayrton Senna oder Vincenzo Sospiri, das Idol vieler Go-Kart-Fahrer. Mein grosses Idol war aber Toni Schumacher, er war ein grossartiger Fussballer.

Hattest du jemals Zweifel daran, ob du ein Rekordfahrer wirst?
Rekorde sind das Eine. Aber Zweifel? Die sind nötig, um nicht übermütig zu werden. Man muss skeptisch sein, sich verbessern wollen und den nächsten Schritt machen. Sich immer daran erinnern: Du bist nicht gut genug! Das war eines meiner Erfolgsrezepte, die mich zu dem machten, was ich heute bin.

Ist Formel 1 Teamwork? Nicht eher eine One-Man-Show?
Erfolg ist fast überall im Leben das Resultat von Teamwork. Aber du selbst machst, was du machst. Im Team wirst du stärker. Formel 1 ist definitiv Teamwork und keine One-Man-Show.

Du hast mit den Teams von Benetton und Ferrari WM-Titel geholt, du hast mitgeholfen, Mercedes zu formen – sind diese Stationen miteinander vergleichbar?
Wenn ich zurück blicke auf die Teams, für die ich fuhr: Die Missionen mit Benetton, in vier bis fünf Jahren etwas aufzubauen und Titel zu gewinnen. Das selbe nochmals mit Ferrari. Wir wollten das auch mit Mercedes in kürzerer Zeit schaffen. Es gibt einen gemeinsamen Nenner: Ross Brawn (ehemaliger technischer Direktor von Benetton und Ferrrari, später Teamchef von Mercedes, Anm. d. Red.). Denk mal darüber nach!

Hast du jeweils alle Gegner analysiert oder nur die besten?
Um dich weiterzuentwickeln, um weiter nach vorne zu kommen, schaust du nicht nur auf das Auto. Du schaust auf dich selbst und auf die anderen Fahrer. Du schaust nie nur auf die Spitzenfahrer. Du schaust auf alle. Zumindest war das bei mir so. Jeder hat etwas Spezielles, etwas das ich wissen wollte.

Du hast immer gesagt, dass Kartfahren das beste Training für alle Rennsportarten ist. Wieso?
Es ist eine gute Vorbereitung auf eine Zukunft im Motorsport. Es gibt gute Grundlagen, sich weiterzuentwickeln. Es gibt viele Fähigkeiten. Und der Kampf: Rad-an-Rad-Fahren, das ist das Wichtigste, das du beim Kartfahren lernst.

Kommt man bis an die Spitze, wenn man nur Talent hat?
Talent ist wie in jeder Sportart wichtig. Aber es ist nicht alles. Du musst viele andere Fähigkeiten entwickeln. Kartfahren ist eine gute Basis, um das Talent zu beweisen. Es ist aber auch da, um herauszufinden, was zum Rennfahrer noch fehlt.

(red.)


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