Farbenpracht und Eleganz am Kinderfest

Stickerei ist am St. Galler Kinderfest wieder im Trend - Jugendliche präsentieren sich am Festumzug in traditioneller St. Galler Spitze.
Stickerei ist am St. Galler Kinderfest wieder im Trend - Jugendliche präsentieren sich am Festumzug in traditioneller St. Galler Spitze. © Andreas Kneubühler/sda
Bunte Stoffe, elegante Stickereien, Blumen, Sonnenschirme und Luftballons – so haben sich die St. Galler Schulkinder am traditionellen Kinderfest-Umzug durch die Innenstadt präsentiert. Tausende säumten die Gassen und applaudierten.

An die 5500 Kinder und Jugendliche defilierten am Mittwoch bei sommerlichem Wetter in Reih und Glied vom Spisertor durch die Altstadt, vorbei am Vadian-Denkmal zum Marktplatz und Bohl – begleitet von ihren festlich herausgeputzten Lehrerinnen und Lehrern, Blasmusikkorps und Polizistinnen hoch zu Ross.

Wie immer prägten fröhliche Farben, originelle Tenüs, Flaggen, Blumensträusse und Luftballons die Parade, die alle drei Jahre stattfindet. Am Kinderfesttag steht in der Innenstadt der Alltag still. Das Motto lautete diesmal «Fadian» – in Anlehnung an den Reformator Vadian und die St. Galler Textiltradition.

Rund 30’000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen jeweils den Umzug und die anschliessenden Musik- und Tanzaufführungen auf dem Kinderfestplatz auf dem Rosenberg. Dort gibt es Spiel und Plausch und extra grosse Kinderfest-Bratwürste für alle – 30’000 Würste wurden von den St. Galler Metzgereien fürs Fest produziert.

St. Galler Stickerei ist wieder im Trend. Zum zweiten Mal nach 2015 unterstützten Textilfirmen aus der Region die Schulen bei der Festkleidung. Viele Schülerinnen der Oberstufe trugen Stickereien in Weiss – zur Freude des lebhaft applaudierenden Publikums. Auch Sonnenschirme und Hüte mit St. Galler Spitzen prägten das Bild.

Der Zapfenstreich der Tambouren am Vorabend, beflaggte Kirchtürme und Böllerschüsse am frühen Morgen kündeten das Kinderfest an. Nach zahlreichen Verschiebungen seit Mitte Juni wegen des gewitterhaften Wetters spielte Petrus mit und spendierte einen Prachts-Sommertag.

Das St. Galler Kinderfest findet seit 1824 statt. Es ging aus verschiedenen noch älteren Festbräuchen hervor, etwa einem Gregorius- und einem Rutenfest. Bis 1909 nahmen auch Kadetten und Artillerie am Umzug teil. Daran erinnern heute noch die morgendlichen Böllerschüsse aus einer alten Kanone.

Die Blüte der St. Galler Textil- und Stickerei-Industrie Mitte des 19. Jahrhunderts widerspiegelte sich am Kinderfest in farbenfrohen und edlen Kleidern; Schulkinder und Zuschauer trugen die neusten Modekreationen. Mit dem Ersten Weltkrieg ging diese Blüte abrupt zu Ende. Das Kinderfest ruhte bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach wurde die Tradition in modernisierter Form wieder aufgenommen.

(SDA)


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