«Festival ist mehr als Bühne und Bierstand»

Von Laurien Gschwend
Geschäftsführer Christof Huber freut sich auf das 43. OpenAir St.Gallen.
Geschäftsführer Christof Huber freut sich auf das 43. OpenAir St.Gallen. © Tagblatt/Mareycke Frehner
Glaubt man den Kritikern, scheinen die besten Zeiten des OpenAir St.Gallen vorbei zu sein. Sie sind unzufrieden mit dem Line-up – der grosse Ansturm auf die Tickets bleibt aus. Wie OASG-Geschäftsführer Christof Huber damit umgeht, erfährst du im Interview.

In rund zwei Monaten startet das 43. OpenAir St.Gallen. Wie laufen die Vorbereitungen?
Christof Huber: Bei uns läuft es gut. Wir sind dabei, die Logistik zu planen, in einem Monat beginnt die Bauphase. Verschiedenen Teilbereichen – etwa der Dekoration – geben wir den letzten Schliff. Auch im Umweltschutz sind wir an einem grösseren Projekt. Hier wollen wir noch einen Schritt weitergehen, weil er vor allem unseren jungen Besuchern ein Anliegen ist. Details dazu können wir aber erst in rund zwei Wochen bekanntgeben.

Welche weiteren Neuerungen gibt es beim diesjährigen OpenAir St.Gallen?
Bereits 2018 war soziales Engagement im Rahmen der Diskussionsforen «Take A Stand» ein wichtiges Thema. Bei der diesjährigen Ausgabe wird über die aktuelle Klimadebatte diskutiert. Die All-Stars-Band Peace x Peace greift «Take A Stand» am Sonntagnachmittag auf der Hauptbühne auf. Bei den grössten Benefizkonzerten von Peace x Peace für Kinder auf der Flucht waren unter anderem Jan Delay und Max Herre dabei. Welche Gastmusiker bei uns auftreten, kündigen wir kurzfristig an.

Neben «Take A Stand» haben wir vor, die Plaza und die Campfire Stage leicht zu verändern. Neu gibt es eine Weinbar. Wir wollen ein kleines Dörfchen rund um die Campfire Stage kreieren.

Letztes Jahr war es erstmals möglich, am OASG luxuriös zu campen. Gibt es die Glamping-Wägen erneut?
Nein. Wir haben das Angebot gemeinsam mit dem Partner noch einmal geprüft und auf die lange Bank geschoben. Die Wägen ganz alleine auszustatten, wäre nicht möglich gewesen.

Wie steht es um das Line-up?
Das Programm ist mit Peace x Peace abgeschlossen. Darüber bin ich froh. Jetzt kommen die ganzen Verhandlungen mit den Künstlern in Bezug auf Hotels, Transport, Produktion und sonstige Wünsche auf uns zu.

«Eines der exklusivsten Line-ups»

Mittlerweile gibt es beim OpenAir St.Gallen zahlreiche Nebenschauplätze. Sehnen sich die Besucherinnen und Besucher nicht nach dem «alten» OASG mit Schlamm und guter Musik zurück?
Das glaube ich nicht. Umfragen zeigen, dass diese Angebote für die Gäste einen wichtigen Teil ausmachen. Sie freuen sich darauf, die neuen Bereiche zu entdecken und beispielsweise bei der Campfire Stage eine Wurst zu bräteln. Natürlich sind die Bühnen massgeblich wichtig – darin haben wir sehr viel investiert. Ergänzend gibt es die Perlen, die das Festival zu mehr machen als nur Bühne und Bierstand. Schlammig wird es je nach Regen sowieso, aber wir hoffen auf gutes Wetter.

Das Line-up wird zum Beispiel auf Facebook heftig kritisiert. Es trete dieses Jahr kein richtiger Headliner auf, meinen viele. Können Sie diese Stimmen nachvollziehen?
Bis jetzt hiess es, auf Schweizer Festivals höre man immer die gleiche Musik. Was das angeht, haben wir dieses Jahr am OpenAir St.Gallen wohl eines der exklusivsten Line-ups überhaupt. Nach acht Jahren geben Die Ärzte einen exklusiven Schweizer Auftritt bei uns. Florence & The Machine ist einer der berühmtesten weiblichen Stars der Welt. Und dann kommen K.I.Z. ins Sittertobel, die nicht einmal in Deutschland spielen.

«Wir brauchen den Umbruch»

Vielleicht sind The 1975 nicht ganz bei uns angekommen, doch in Grossbritannien gelten sie als die grösste Band seit den Arctic Monkeys. Manchmal fragt man sich, ob man eine Band entdecken will oder einfach die Charts von Platz 1 bis 10 abspielt. Ich glaube, die diesjährigen Acts sind hochklassig. Das OpenAir St.Gallen gibt es seit 43 Jahren, wir brauchen den Umbruch.

Wie geht ihr mit den Kritikern auf Social Media um?
Die Facebook-Community ist kritisch, auf Instagram ist das anders. Wir stehen im Rampenlicht, durch Social Media ist es viel einfacher geworden, seine Meinung kundzutun. Das merken auch das Paléo- oder das Roskilde-Festival. Wenn sich die Leute vertieft mit dem Programm auseinandersetzen, stellen sie fest, dass sie doch viele Songs kennen. Dazu gibt es auch unsere Spotify-Liste.

Das Openair Lumnezia ist seit dieser Woche im Gegensatz zum OpenAir St.Gallen ausverkauft, nach eigenen Angaben wegen der bekannten Acts (FM1Today berichtete). Ist das OASG zu wenig Mainstream, um Erfolg zu haben?
Das mag sein. Vielleicht sind wir, insbesondere in diesem Jahr, etwas mehr cutting edge. Das Openair Lumnezia bietet Platz für knapp 10’000 Leute, es gilt eine andere Kapazität zu füllen als bei uns (Anmerkung der Redaktion: 30’000 Personen pro Tag). Hinzu kommt, dass das Einzugsgebiet mit viel Tradition verbunden ist.

«Markt ist ruhiger geworden»

Es gab auch schon sechs oder sieben Jahre, in denen wir bereits im Winter ausverkauft waren. Letztes und dieses Jahr ist dies nicht der Fall. Wir sind uns Wellen aber gewohnt. Manchmal sind Festivals jahrelang ausverkauft und dann plötzlich nicht mehr, so ist es auch beim Paléo-Festival. Der ganze Markt ist etwas ruhiger geworden – das darf uns nicht nervös machen. Das jüngere Publikum, das wir erwarten, kauft seine Tickets für gewöhnlich erst sehr spät.

Wie viele Tickets habt ihr schon verkauft?
Wir machen keine Wasserstandsmeldungen. Was sich sagen lässt, ist dass wir ähnlich unterwegs sind wie letztes Jahr. Schlussendlich hatten wir 26’500 Gäste (FM1Today berichtete). Wahrscheinlich bewegen wir uns etwa in dieser Zielgrösse, dann sind wir zufrieden.

Insbesondere für das erwähnte jüngere Zielpublikum sind die Ticketpreise (250 Franken für einen Viertagespass) sehr hoch.
Die Acts sind teurer geworden, dasselbe gilt für die gesamte Produktion eines Festivals, denn die Erwartungen des Publikums sind gestiegen. Auch die Kosten für die Sicherheit und die Seitenprogramme sind hoch. Dem müssen wir Rechnung tragen. Gleichzeitig kostet ein Konzertabend im Hallenstadion gerne einmal 120 Franken. Wenn man das Camping und das ganze Drumherum miteinbezieht, glaube ich, die 250 Franken für vier Tage seien ein fairer Preis. In der nationalen und internationalen Szene sind wir aber sicher an einem Punkt angekommen, dass die Tickets nicht mehr viel teurer dürfen werden.

Das OpenAir St.Gallen findet vom 27. bis 30. Juni statt. Das Line-up findest du in der Bildergalerie, hier geht’s zum Ticketshop.


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