Flöckli braucht Geld, um zu laufen

Von Noémie Bont
Flöckli versucht trotz Gips zu stehen.
Flöckli versucht trotz Gips zu stehen. © zVg/Kerstin Muster
Seit drei Tagen ist das weisse Lamm Flöckli auf der Welt. Doch kaum geboren, wird es bereits von älteren Schafen im Stall niedergetrampelt und bricht sich das Bein. Erhält Flöckli keine teuren Behandlungen, stirbt es. Ein St.Galler Gnadenhof sucht jetzt Spender.

Steif wie ein Ast hängt es vom kleinen Flöckli runter. Das linke Hinterbein, das blau und grün eingebunden ist. Der Gips hindert das herzige Schäfchen am Laufen. Das frisch geborene Lamm ist noch voller Neugierde und Mut und versucht trotz des gebrochenen Beins, immer wieder aufzustehen. Ein grosser «Jööö»-Moment, der unser Tierherz zum Schmelzen bringt.

Der TVO-Bericht zum herzigen Lamm Flöckli:

 

Was Flöckli erspart bleibt, blüht anderen Lämmern. Denn verletzen sich kleine Tiere auf dem Bauernhof, werden sie in der Regel aus Kostengründen getötet. Der «Kleine Gnadenhof» im Rheintaler Ort Weite rettete das herzige Flöckli in letzter Minute.

«So etwas darf nicht passieren»

Vor zwei Tagen hatte das Notfalltelefon des Gnadenhofs geklingelt. «Das Schaf eines Bauern hat Drillinge geboren. Das dritte und zerbrechlichste Lamm ist Flöckli. Man hat es nach der Geburt nicht von der restlichen Gruppe getrennt. Entweder ist die Mutter selber oder ein anderes Schaf darauf getrampelt. Deshalb ist das Bein des tausend Gramm schweren Flöckli zu Bruch gegangen. So etwas darf nicht passieren», sagt Kerstin Muster vom Gnadenhof.

In der Regel werden die jungen Schafe von den älteren Schafen getrennt, um solche Unfälle zu verhindern. Auf der Facebookseite veröffentlichte der Gnadenhof Bilder des Bruchs. Es sei immerhin kein komplizierter Bruch.

Gepostet von Kleiner Gnadenhof am Sonntag, 10. März 2019

Mit Herz statt mit Verstand

Ohne den Gnadenhof wäre Flöckli getötet worden, da es die Nutzen-Kostenleistung nicht mehr erbringt. «Der Wert des Lammfleisches ist viel geringer als alle Tierarzt-Kosten. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis. Dazu muss man ihm Tag und Nacht alle zwei Stunden zu trinken geben», sagt Kerstin Muster.

Die erste Behandlung, das Röntgen und Gipsen, kostete rund vierhundert Franken. In vier Wochen gibt es zusätzliche Kontrollen, der Gips wird aufgeschnitten und eine Schiene montiert. «Welche Kosten noch anfallen werden, können wir noch nicht abschätzen», sagt Muster. Auch Wärmelampen und die Milch mussten angeschafft werden.

Flöckli wartet auf Geldspender. (Bild: Kerstin Muster)

Solidarität im Netz täuscht

Um die Behandlungskosten bezahlen zu können, startete der Gnadenhof einen Aufruf auf Social Media und bat um Spenden für Flöckli. Schnell erhielt der Gnadenhof Zuspruch. «Spende ist unterwegs» oder «Ich greife euch gerne unter die Arme» ist auf Facebook zu lesen. Doch das heisst noch lange nicht, dass das Geld dann auch überwiesen wird. Das erfährt auch der «Kleine Gnadenhof» immer wieder aufs Neue.

«Wir haben schon einige Aufrufe gemacht, die nicht viel Geld einbrachten. Wir haben auch für Flöckli Anfragen. Aber das heisst aus Erfahrung noch gar nichts. Es zahlen schlussendlich immer die gleichen. Die Behandlungskosten, für die wir aufkommen, werden praktisch nie gedeckt», sagt Kerstin Muster. Erst kürzlich rettete der «Kleine Gnadenhof» einem verletzten Lama und einer Ziege das Leben.

Gepostet von Kleiner Gnadenhof am Samstag, 9. Februar 2019

Wer Flöckli unterstützen möchte, kann sich beim Gnadenhof melden. Die nötigen Angaben dazu gibt es auf der Facebookseite des Gnadenhofs.


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