Gaffer müssen tief in die Tasche greifen

Von Laurien Gschwend
Mitfilmen während des Autofahrens ist verboten. Trotzdem machen es viele.
Mitfilmen während des Autofahrens ist verboten. Trotzdem machen es viele. © Kapo SG
Die Kantonspolizei St.Gallen hat nach dem tödlichen Unfall auf der A1 zwischen St.Gallen-Winkeln und Gossau ein knappes Dutzend Gaffer angezeigt, die während des Fahrens mitgefilmt hatten. Es dürfte eine happige Strafe auf sie zukommen.

Sie fahren so langsam an der Unfallstelle auf der Autobahn A1 vorbei, dass man die Auffahrkollision praktisch schon kommen sieht. Aber nicht etwa aus Rücksicht, sondern weil sie den tödlichen Unfall zwischen einem Lieferwagen und einem Kleinbus zwischen St.Gallen-Winkeln und Gossau in Fahrtrichtung Zürich mit ihren Handys dokumentieren wollen. Ihr Verhalten könnte die Gaffer nun teuer zu stehen kommen: «Wir haben ein knappes Dutzend Autofahrer zur Anzeige gebracht», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, auf Anfrage von FM1Today.

Rund 300 Franken für Mitfilmen

Die Rapporte hätten die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen noch nicht erreicht, heisst es bei der Medienbeauftragten Beatrice Giger. Deshalb könne sie noch keine Auskunft über das genaue Strafmass erteilen. «Priorität hat jetzt, den schweren Unfall aufzuklären.»

In der Regel handle es sich um eine einfache Verkehrsregelverletzung, wenn jemand während der Autofahrt mitfilmt. «Die Strafe ist dann in der Regel eine Busse von rund 300 Franken», sagt Giger. Bewirke ein Gaffer aufgrund seines Verhaltens eine grobe Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer – etwa durch Schwenker auf der Fahrbahn – könne die Strafe höher ausfallen. Damit verbunden wäre dann auch ein Strafregistereintrag. Ausserdem prüft das Strassenverkehrsamt, ob dem fehlbaren Lenker der Führerausweis zu entziehen ist.

Zu Gafferfällen führe die Staatsanwaltschaft keine Statistik, sagt Giger weiter. «Sie werden aber relativ selten verzeigt. Deutlich mehr Verzeigungen gibt es, weil Leute während des Fahrens SMS schreiben.»

Um auf die gefährliche Gafferproblematik aufmerksam zu machen, hatte die Kantonspolizei St.Gallen am Donnerstag ein Video auf Facebook veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie einige Autofahrer die Unfallstelle filmen, statt sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Die «haarsträubenden Szenen» hätten laut Polizeisprecher Schneider zu einem weiteren Unfall und einer kompletten Schliessung der Autobahn führen können.

Handy am Steuer nach tödlichem Unfall

Leute – echt jetzt? 🤨Diese und weitere Szenen mussten wir beim gestrigen tödlichen Unfall auf der Autobahn A1 bei Gossau beobachten. Bitte gefährdet nicht für ein Foto/Video die Verkehrssicherheit. Ein tragischer Unfall hat gestern gereicht…bei diesen Szenen hätten es aber noch mehr werden können.

Gepostet von Kantonspolizei St.Gallen am Donnerstag, 11. Juli 2019

«Noch kein entscheidender Hinweis»

Die Polizei sucht weiterhin Personen, die Angaben zum Fahrverhalten des 46-jährigen Kleinbuslenkers machen können, dessen 26-jähriger Beifahrer beim Unfall vom Mittwochabend tödliche Verletzungen erlitten hatte. «Der entscheidende Hinweis ist bisher nicht eingegangen», sagt Schneider. Es könne aber auch sein, dass niemand das Handwerkerfahrzeug bemerkt habe. «Die Männer sind von der Arbeit nach Hause gefahren. Der Kleinbus hat keine auffällige Beschriftung.» Das Resultat der Blut- und Urinprobe, welche der 46-Jährige nach dem Unfall hatte abgeben müssen, liegt noch nicht vor.

Neben der Fahrweise des Kleinbuslenkers muss die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen auch beurteilen, inwiefern der Lieferwagenfahrer für die tödliche Kollision mitverantwortlich ist. Der 34-jährige Pole hatte sein Fahrzeug auf dem Pannenstreifen abgestellt und die Warnblinkanlage laufen lassen, um Benzin zu holen. Weil sein Lieferwagen als «nicht betriebssicher» galt, wird er von Amtes wegen verzeigt.


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