Gefährlicher Zebrastreifen sucht Lotsen

Von Lara Abderhalden
Vor diesem Fussgängerstreifen sind die Autofahrer oft zu schnell unterwegs.
Vor diesem Fussgängerstreifen sind die Autofahrer oft zu schnell unterwegs. © Screenshot Google Maps
Zwischen Bütschwil und Bazenheid sind täglich rund 20’000 Autofahrer unterwegs. Mitten drin: Ein Fussgängerstreifen, den die Lütisburger Primaschüler für ihren Schulweg brauchen. Weil es dort immer wieder zu Auffahrunfällen kommt, sollen Erwachsene die Kinder nun über die Strasse lotsen.

«Der Zebrastreifen in Lütisburg ist seit Jahrzehnten ein Thema», sagt Josef Rütsche und bestätigt einen Bericht des Toggenburger Tagblatts. Er ist Schulratspräsident der Primarschule Lütisburg und für ihn ist die Situation bei der alten Holzbrücke alles andere als zufriedenstellend: «Die Strasse ist allgemein bekannt dafür, dass die Autofahrer dort schneller als der erlaubten 60 km/h unterwegs sind.» Kommen sie von Bütschwil Richtung Bazenheid, dann sehen sie den Zebrastreifen erst im letzten Moment, da es zuvor eine langgezogene Rechtskurve hat.

Jeder, der schon einmal vom Toggenburg Richtung Wil oder umgekehrt die Strecke fuhr, weiss, dass die Überquerung der Strasse bei der alten Holzbrücke nicht problemlos ist. «Um die Sicht wenigstens für Autofahrer in Richtung Bazenheid besser zu machen, wurden die Sträucher in der Ecke zurückgeschnitten. So können die Fahrer Fussgänger besser sehen.»

Viele Auffahrunfälle

Dies genüge aber noch nicht, ist sich Josef Rütsche bewusst: «Der Auslöser für mehrere Sofortmassnahmen war, dass es kürzlich einen massiven Auffahrunfall vor dem Fussgängerstreifen gab, dabei wurde das Auto auf den Fussgängerstreifen geschoben.» Glücklicherweise seien die Schüler noch nicht auf dem Zebrastreifen gewesen, sondern hätten gewartet. «Wir sagen den Schülern immer, sie sollen warten, bis auf beiden Seiten die Autos stehen und dann noch einen Moment länger.» So hätten schon viele gefährliche Situationen vermieden werden können.

«Es fast ein wenig paradox», sagt der Schulratspräsident, «es ist einer der gefährlichsten Strassenübergänge in der Ostschweiz und es ist noch nie etwas passiert.» Dies liege aber hauptsächlich an der Sensibilisierung der Kinder, einige von ihnen hätten bereits Auffahrunfälle erlebt und solche Erlebnisse würden tief sitzen.

Eltern in Leuchtwesten sollen Verkehr regeln

Damit die Kinder solche Erfahrungen gar nicht erst sammeln müssen, prüft die Schule einen Lotsendienst. Im Mitteilungsblatt wurde am Dienstag ein entsprechendes Inserat geschaltet, sagt Rütsche: «Wir suchen nach Erwachsenen, die zu Übergangszeiten, also morgens, mittags und abends, mit Leuchtwesten und einer Kelle beim Fussgängerstreifen die Autos anweisen.» Sie sollen die Autos stoppen und die Kinder dann über die Strasse begleiten. Übernehmen könne die Aufgabe jeder, man werde vom Verkehrsdienst entsprechend geschult. Die Ausschreibung läuft bis zum 27. Juni. Bis jetzt sind bei der Schule noch keine Anmeldungen eingegangen.

Eine weitere mögliche Sofortmassnahme sei, die Kinder mit dem Schulbus in die Schule zu bringen. Allerdings ist dies eine Platzfrage: Bis jetzt dürfen Kindergärtner und Primarschüler bis zur zweiten Klasse den Schulbus nehmen, ab der 3. Klasse muss man zu Fuss gehen. «Vielleicht können wir einen Teil der Kinder mit dem Bus befördern, wenn dieser Kapazität bietet.»

«Etwas muss sich ändern»

Allerdings hat der Schulrat bisher auf diese Variante verzichtet, weil der Schulweg eine «Lebensschule» für die Kinder sei: «Wir befürworten grundsätzlich einen Schulweg, da die Kinder in der Natur sind, sie erleben etwas miteinander und haben den sozialen Austausch. Von Elterntaxis sehen wir sowieso ab.»

Alle diese Massnahmen reichen gemäss Rütsche aber nicht aus, um längerfristig Sicherheit zu gewährleisten: «Dafür ist eine nachhaltige Lösung notwendig. Eine Möglichkeit wäre eine Unter- oder Überführung», dies sei aber Sache des Kantons. «Wenn alle Umfahrungen stehen, inklusive Wattwil und Bütschwil, dann ist bei der alten Thurbrücke der einzige Ort, an dem Kinder für ihren Schulweg die Strasse überqueren müssen. Irgendetwas muss sich dort unten ändern.»

(abl)


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