Gemüsehalle, Ausstand und eine Karikatur

Stefan Britschgi will in Diepoldsau eine Gemüsehalle bauen. Dabei hat er in seinem Heimatdorf eine mittlere Staatskrise ausgelöst.
Stefan Britschgi will in Diepoldsau eine Gemüsehalle bauen. Dabei hat er in seinem Heimatdorf eine mittlere Staatskrise ausgelöst. © Youtube/Schweizer Landwirtschaft
Der Grossbauer und Lokalpolitiker Stefan Britschgi hat mit seinen Plänen für eine Gemüsehalle eine kleine Krise in Diepoldsau ausgelöst. Nun wird schweizweit darüber berichtet.

«Ein Dorf stellt sich gegen seinen Gemüsekönig.» Mit diesem Titel wurde der Fall des Diepoldsauer Landwirt und Kantonsrat Stefan Britschgi am Mittwoch im Tagesanzeiger abgehandelt. Als Karikatur schafft er es sogar auf die Frontseite. Grund dafür sind seine Pläne für eine Gemüsehalle, die das Milizsystem der Gemeinde an seine Grenzen bringt.

Vom Kleinbauern zum Grossunternehmer

Stefan Britschgi aus Diepoldsau hat es als Landwirt weit gebracht. Vom Bauern mit einigen Kühen entwickelte er sich zu einem grossen Gemüseunternehmer. «Früher waren wir nur zu dritt: meine Frau, ein Lehrling und ich», sagt Britschgi zum Tagesanzeiger. Britschgi verkaufte seine Kühe und setzte voll aufs Gemüse. Mittlerweile sind seine Spargeln im ganzen Rheintal berühmt und er bewirtschaftet längst nicht mehr nur seinen eigenen Hof. Je nach Saison sind weit über 200 Arbeitskräfte bei ihm angestellt.

Bauer und Politiker

Stefan Britschgi arbeitet nicht nur als Landwirt, sondern ist auch in der Politik tätig. Seit vielen Jahren ist er im Diepoldsauer Gemeinderat, ist FDP-Kantonsrat und steht am 20. Oktober auf der Nationalratsliste. Genau diese Tätigkeiten könnten ihm bei seinen Zukunftsplänen zum Verhängnis werden. Wegen Platzmangels in seinem Unternehmen will Britschgi in Diepoldsau eine grosse Halle bauen, um darin Gemüse zu verarbeiten. «Meine Leute arbeiten teilweise in ungeheizten Unterständen. Wir haben mehrere Verarbeitungsstandorte, das schafft viel Verkehr.»

Gemeinde lähmt sich selber

Für die Halle braucht Stefan Britschgi eine Einzonung, wofür der Diepoldsauer Gemeinderat grünes Licht geben muss. Blöd nur, dass fünf von sieben Gemeinderatsmitglieder ins Projekt verwickelt sind. Neben Stefan Britschgi selber, gehört auch ein anderer Gemeinderat zum Verwaltungsrat von Britschgis Firma. Drei weitere haben enge Beziehungen zu Gegnern des Projekts. Das heisst: Nur zwei können frei entscheiden, – zu wenig für eine Mehrheit.

Der Diepoldsauer Gemeinderat musste wegen Beschlussunfähigkeit in den Ausstand treten. An seiner Stelle wird der Gemeinderat von Eggersriet entscheiden.

Viele Gegner in Diepoldsau

Im 6500-Einwohner -Dorf Diepoldsau scheint das Projekt nicht gut anzukommen. Zum ersten Mal in der Diepoldsauer Geschichte organisierten Gegner eine Sammeleinsprache. In wenigen Tagen kamen über 400 Unterschriften zusammen, bei 6500 Einwohnern. Der Verdacht der Gegner: Vetterliwirtschaft. Man habe das Gefühl, bei Britschgi gehe alles etwas schneller. Britschgi versichert, dass der Gemeinderat das Hallenprojekt immer ohne ihn besprochen habe. «Ich habe auch sonst nichts dazu gesagt», unterstreicht er gegenüber FM1Today.

Balgach als Ausweg

Noch ist nichts entschieden, trotzdem hat sich Vollblutunternehmer Britschgi schon eine andere Lösung zurechtgelegt. Sollte er seine Halle nicht in Diepoldsau realisieren können, will er sie auf der anderen Seite des Rheins verwirklichen, in der Gemeinde Balgach. Somit dürfte sich die schon seit Monaten andauernde Debatte, in eine andere Rheintaler Gemeinde verlagern. Auch wenn Britschgi versichert sich aus allem raus zu halten: «Sonst heisst es, dass ich meine Beziehungen spielen lasse».

(kov)


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