Güggel muss weg: «Ist das Willkür?»

Von Fabienne Engbers
Der Güggel aus Widnau muss wegen eines Nachbarschaftsstreits umziehen.
Der Güggel aus Widnau muss wegen eines Nachbarschaftsstreits umziehen. © zVg
Seit seiner Geburt wohnt Güggel «Gügeler» bei der Familie Riederer in Widnau, diese hat mehrere tausend Franken in die Hand genommen, damit das auch weiter so bleiben kann. Trotzdem muss der Güggel jetzt weg, schuld ist ein Streit mit den Nachbarn.

Das St.Galler Baudepartement hat entschieden, was die Nachbarn untereinander nicht mehr regeln konnten: Der Güggel der Familie Riederer muss ausziehen. Grund sei der Lärm, der durch den Hahn verursacht werde. Die Familie sucht nun nach einem Zuhause, in dem der Güggel seinen Lebensabend würdig verbringen kann.

Abmachung nicht eingehalten

Vor zehn Jahren kam der Güggel bei der Familie Riederer zur Welt, zusammen mit vier Hennen lebt er neben dem Einfamilienhaus der Familie in Widnau. Einer der Nachbarn fühlte sich allerdings rasch durch den Hahn gestört, wie «Der Rheintaler» schreibt. Daraufhin einigten sich die Parteien mithilfe der Gemeinde darauf, dass die Vögel abends um 20 Uhr in den Stall und bis morgens um 8 Uhr drinnen bleiben müssen. Ausserdem wurde der Stall verschoben.

Problematisch wurde der Fall ab dem Zeitpunkt, als die Riederers sich nicht mehr an die Abmachung hielten. An heissen Tagen liessen sie den Hahn länger draussen. «Es war ein extrem heisser Sommer, um 20 Uhr war es so heiss wie am Nachmittag», sagt Yolanda Riederer gegenüber FM1Today. «Wir haben ans Tierwohl gedacht, wollten die Nachbarn dadurch nicht verärgern.» Das nahegelegene Schwimmbad und das Sportzentrum seien weitere Lärmquellen gewesen, sodass das «Kikeriki» des Güggels nicht aufgefallen sei, sagen die Riederers. «Was kann das für ein Verbrechen sein, wenn man einen Hahn und seine Hennen länger an der frischen Luft lässt statt sie in den stickigen Stall zu sperren?», fragt sich Yolanda Riederer. Der betroffene Nachbar sieht dies allerdings anders.

Über zehntausend Franken ausgegeben

Bei einer Baukontrolle, die durch den Nachbar forciert wurde, sei die Nichteinhaltung der Abmachung festgestellt worden. «Wir hatten oft die Polizei bei uns, auch ein Augenschein des Baudepartements wurde genommen», sagt Yolanda Riederer. Infolgedessen verbot die Gemeinde Widnau der Familie Riederer die Haltung des Hahns.

Die Familie legte dagegen Rekurs ein, das kantonale Baudepartement wies diesen vor wenigen Wochen allerdings ab, berichtet «Der Rheintaler». Die Riederers akzeptieren das Urteil. Allerdings ist es für sie und ihren Anwalt schwierig zu verstehen, warum ihnen eine Bewilligung für die Haltung ihres Haustieres nach zehn Jahren entzogen wird. «Welche Gesetzesgrundlage nimmt man dafür, ist das nicht Willkür?», fragen sich die Riederers. Die Kosten, die die Familie für ihren Güggel auf sich genommen hat, betragen mehr als zehntausend Franken. Den Fall an die nächsthöhere Instanz weiterzuziehen, ergibt für sie nun finanziell keinen Sinn mehr. «Es ist genug Geld verpufft.»

Neues Zuhause wird gesucht

Nun muss sich die Familie Riederer von ihrem Hahn trennen, ein geeignetes Nachfolge-Heim für den Güggel wird gesucht. «Wenn möglich würden wir ihm mindestens eine seiner Hennen mitgeben», sagt Yolanda Riederer. Der Hahn sei lieb und zutraulich. Die letzten zehn Jahre habe er es schön gehabt, nun soll er auch seinen Lebensabend an einem schönen Ort verbringen. «Er sollte tiergerecht gehalten werden und wir wollen ihn regelmässig besuchen.»

TVO war beim Güggel und auf der Gemeinde Widnau zu Besuch:

Habt ihr ein neues Zuhause für den Güggel der Riederers und seine Hennen? Schreibt uns eure Ideen in die Kommentare.


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