Guter Eglibestand, gute Fischknusperli

Seit dem Herbst ziehen Fischer viele Egli aus dem Bodensee.
Seit dem Herbst ziehen Fischer viele Egli aus dem Bodensee. © Keystone/Ennio Leanza
Frische Fischknusperli mit Tartarsauce – wer liebt es nicht? Diese könnten vermehrt auf der Speisekarte stehen, denn im Bodensee schwimmen wieder besonders viele Egli.

«Dieses Jahr haben wir richtig schöne Egli im Bodensee», sagt Fischereiaufseher Markus Zellweger von der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Das hat seine Gründe. Letzten Frühling waren ideale Laichbedingungen für den Egli, da das Wasser schon frühzeitig durch die Sonne erwärmt war. «Das liebt der Egli», so Zellweger. Entsprechend schlüpften zahlreiche Jungfische, die wiederum Futter für die älteren Tiere waren. «So hatten die Egli genug Futter», erklärt Zellweger gegenüber FM1Today. Die Egli sind nämlich Kannibale.

«Es war definitiv ein Egli-Jahr», sagt Zellweger. Ab September seien die Fänge stark gestiegen und einige Fischer hätten deshalb zuerst wieder einen Markt finden müssen. Denn vor 2018 hatte es die Art nicht einfach und Restaurants importierten den Speisefisch aus dem Ausland. Davon hat auch Reto Leuch, Präsident des Schweizer Berufsfischerverbandes, gehört: «Es gab Händler, die keine Egli mehr annahmen.»

«Der Felchen ist unser tägliches Brot»

Reto Leuch, Berufsfischer und Präsident des Schweizer Berufsfischerverbandes, bestätigt: «Die Egli sind so gross wie schon lange nicht mehr.» Jedoch sei der Egli als teuerster Fisch nicht der gefragteste. «Unser tägliches Brot verdienen wir eigentlich mit dem Felchen», sagt Leuch. Beispielsweise würden Familien mit einem kleineren Budget diesen dem Egli vorziehen. «Trotz den Egli-Fängen war es ein sehr schlechtes Jahr», sagt der Berufsfischer. Die grossen Felchenfänge blieben aus. «Wir ziehen nur noch einen Bruchteil aus dem Wasser.» Früher sei der Fischbestand deutlich höher gewesen.

Wie im 2003

Ähnlich tönt es bei Fischereiaufseher Zellweger. Der Egli sei zwar der zweitwichtigste Fisch, doch der Felchen habe für die Region am meisten Bedeutung. Das Problem ist: «Es hat leider nicht genügend Plankton im See», sagt Zellweger. Davon ernährt sich der lachsartige Fisch hauptsächlich. Die aktuelle Situation erinnert den Fischexperten an den Hitzesommer im Jahr 2003. «Damals hatten wir auch gute Egli-Fänge.» Wie es in Zukunft um die Fischbestände im Bodensee stehe, könne er nicht sagen.


(lou)


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