«Haarsträubende Szenen» auf der A1

Von Laurien Gschwend
Es sei «extrem nötig», auf die Gaffer-Problematik hinzuweisen, heisst es bei der St.Galler Kantonspolizei.
Es sei «extrem nötig», auf die Gaffer-Problematik hinzuweisen, heisst es bei der St.Galler Kantonspolizei. © Facebook/Kantonspolizei St.Gallen
Zahlreiche Autofahrerinnen und Autofahrer haben nach dem tödlichen Unfall auf der A1 zwischen St.Gallen-Winkeln und Gossau ihr Handy gezückt. Die Kantonspolizei St.Gallen warnt vor dem gefährlichen «Gaffen».

Ein von der Kantonspolizei St.Gallen auf Facebook veröffentlichtes Video zeigt: Statt sich auf den Verkehr zu konzentrieren, zücken einige vorbeifahrende Lenkerinnen und Lenker das Handy, um den Unfall zu dokumentieren. Auffallend ist vor allem der weisse Mini. «Die Lenker der darauffolgenden Fahrzeuge haben gut reagiert. Es hätte aber auch zu einem Folgeunfall kommen können und wir hätten die ganze Autobahn schliessen müssen», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Handy am Steuer nach tödlichem Unfall

Leute – echt jetzt? 🤨Diese und weitere Szenen mussten wir beim gestrigen tödlichen Unfall auf der Autobahn A1 bei Gossau beobachten. Bitte gefährdet nicht für ein Foto/Video die Verkehrssicherheit. Ein tragischer Unfall hat gestern gereicht…bei diesen Szenen hätten es aber noch mehr werden können.

Gepostet von Kantonspolizei St.Gallen am Donnerstag, 11. Juli 2019

30 Autofahrer in zwei Stunden am Handy

Die Polizisten hätten am Mittwochabend «haarsträubende Szenen» beobachtet, sagt Schneider weiter. Selber habe er in den zwei Stunden vor Ort rund 30 Autofahrerinnen und Autofahrer am Handy gesehen. «Die Leute haben ein komisches Fahrverhalten an den Tag gelegt und sich nicht auf den Verkehr konzentriert. Während des Fahrens am Handy zu sein, ist schlichtweg verboten.»

Als sie auf die Bergung warteten, haben Polizeibeamte laut Schneider ein paar Gaffer aus dem Verkehr gezogen. «Jene, die mitgefilmt haben, werden bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht.» Für einfaches Telefonieren gebe es eine Ordnungsbusse in der Höhe von 100 Franken.

Wie viele Anzeigen aus dem Mittwochabend resultieren, kann der Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen nicht sagen. Es seien noch nicht alle Anzeigen dokumentiert. «Zudem hatte es gestern keine oberste Priorität, sich auch noch darum zu kümmern.»

Immerhin geklappt hat am Mittwoch die Rettungsgasse, wie in einem Video der St.Galler Feuerwehr ersichtlich ist:

Danke für die Rettungsgasse!

Danke für die Rettungsgasse!Am gestrigen Mittwochnachmittag (10.07.19) kam es auf der Autobahn A1 Winkeln – Gossau zu einem schweren Verkehrsunfall. Bericht und Bilder finden Sie auf unserer Website: http://bit.do/fwzssgTrotz des starken Feierabendverkehrs, gelangte die Berufsfeuerwehr St.Gallen schnellstmöglich zur Unfallstelle. Dies ist vor allem den Verkehrsteilnehmern zu verdanken, die gestern die nötige Rettungsgasse gebildet haben. Leider ist das noch immer nicht selbstverständlich und wir danken allen, die gestern den Weg für Feuerwehr, Rettung und Polizei frei gemacht haben. ^mrInfos zur Rettungsgasse: https://rettungs-gasse.ch

Gepostet von Feuerwehr und Zivilschutz St.Gallen am Donnerstag, 11. Juli 2019

Lieferwagen wohl korrekt auf Pannenstreifen

Beim Unfall zwischen einem Kleinbus und einem Lieferwagen auf der Autobahn A1 in Fahrtrichtung Zürich war ein 26-jähriger Mann aus dem Kanton Zürich ums Leben gekommen (FM1Today berichtete). Ein Kleinbus aus dem Kanton Zürich – darin befand sich der 26-Jährige – prallte zwischen St.Gallen-Winkeln und Gossau in einen auf dem Pannenstreifen parkierten Lieferwagen eines 34-jährigen Polen. «Gemäss den bisherigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass der Lieferwagen korrekt auf dem Pannenstreifen stand. Die Warnblinkanlage war eingeschaltet», sagt Schneider.

Da ihm aber das Benzin auf der Autobahn ausgegangen sei, würde sein Fahrzeug als «nicht betriebssicher» gelten. Und dies werde von Amtes wegen verzeigt. Schneider sagt weiter: «Die zentrale Frage ist aber, inwiefern der Lieferwagenfahrer mitverantwortlich für den Unfall ist.» Dies müsse nun die Staatsanwaltschaft St.Gallen abklären.

Das Resultat der Blut- und Urinprobe, welche die Staatsanwaltschaft beim 46-jährigen Fahrer des Kleinbusses angeordnet hatte, liegt noch nicht vor. «Wir suchen Zeugen, die Angaben zur Fahrweise des Kleinbusses machen können.»

FM1Today ruft nie dazu auf, Leserbilder oder -videos von Unfällen zu schicken. Wenn wir Bilder erhalten, veröffentlichen wir diese nur in Ausnahmefällen und wenn sie von der Beifahrerseite aus aufgenommen worden sind. Bitte denkt immer an eure Sicherheit und jene der Rettungshelferinnen und -helfer. FM1Today zahlt nie Geld für unaufgefordert eingesandte Bilder.


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