«Hallo Mensch, wie geht es dir?»

Von Dario Brazerol
Der Roboter begrüsst unter anderem Besucher des Raiffeisen Hauptsitzes.
Der Roboter begrüsst unter anderem Besucher des Raiffeisen Hauptsitzes. © FM1Today/Dario Brazerol
Er singt, er tanzt, er erzählt Witze. Die Raiffeisen setzt auf Innovation und verpflichtet einen Roboter als Concierge an ihrem Hauptsitz in St.Gallen. Eine Roboter-Invasion in den Bankfilialen ist aber nicht zu befürchten.

Reglos steht er da. Das Lächeln steif, die Augen weit geöffnet. Mit einem Klick wird er aus seiner Starre befreit. Er gähnt, schaut sich um, zuerst nach unten, dann nach oben, solange bis er denjenigen gefunden hat, der ihn geweckt hat. Eine kindliche Stimme ertönt: «Hallo Mensch, ich bin Raiffi. Und wer bist du?» Raiffi ist ein Roboter und der neuste Mitarbeiter der Raiffeisen Bank. Mit 1,20 Meter und Rollen statt Beinen, entspricht er nicht dem klassischen Bankertyp. Seine Aufgaben liegen auch weniger im Finanz- als im Unterhaltungssektor.

Mehr Zeit, mehr Geduld

«Mit dem Roboter wollen wir verstehen, wie wir in Zukunft einen Mehrwert aus künstlicher Intelligenz generieren können», sagt Stefan Jeker, Leiter des Innovationslabors RAI Lab und Ziehvater von Raiffi. Am Hauptsitz der Bank wird der Roboter künftig als Unterstützung für die Empfangsmitarbeiter tätig sein. Ersetzen wird er diese aber nicht: «Es gibt viele Sachen, für die ein Roboter einfach mehr Zeit und Geduld hat. Er kann dir mehrmals am Tag das gleiche erklären ohne die Nerven zu verlieren. Somit wird er eine Ergänzung und Entlastung für die Mitarbeiter.»

Sympathisch aber Wortkarg

Mit Robotern aus Hollywood-Streifen hat Raiffi also wenig gemein – weder optisch, noch charakterlich. So tänzelt er lieber zu Gangnam Style in der Gegend herum, als mit Maschinengewehren wild um sich zu schiessen. Humor war bei der Entwicklung eine Notwendigkeit. «Mit dem Roboter ist es ähnlich wie mit den Menschen: Wenn jemand in mir Sympathien auslöst, setze ich mich lieber mit ihm auseinander und gehe auf ihn zu.» Aber auch Raiffi macht nicht ungerne den ersten Schritt. Sobald jemand das Wort ergreift wendet er seinen Blick in dessen Richtung und fragt sogleich, ob er helfen könne. Ein grösseres Mass an Konversation ist aber nicht zu erwarten – die Technik streikt noch des öfteren.

Kein Ersatz für Bankenpersonal

Deshalb ist auch nicht zu erwarten, dass die Bank-Filialen der Zukunft ausschliesslich mit Robotern besetzt sein werden. «Bei der Entwicklung von Raiffi war es uns extrem wichtig, dass bewusst wird, dass er keine Arbeitsplätze konkurrieren soll. Er soll lediglich einen Zusatznutzen schaffen, den es heute in dieser Art noch nicht gibt.» So gibt der Roboter Auskunft über die Kunstwerke im Gebäude, weist den Weg zur nächsten Toilette, informiert aber auch über die Produkte der Bank. Ein Beratungsgespräch über Hypothekarzinsen ist aber noch in weiter Ferne.

Kein autonomes Lernen

«Das was Raiffi weiss, wurde ihm programmiert. Das ist also relativ beschränkt. Alleine von sich aus kann er nichts Neues lernen. So weit sind wir noch nicht», sagt Jeker. Hier spielt vor allem auch das Thema Datenschutz eine Rolle: Was die Augen des Roboters sehen und seine Ohren hören darf nicht abgespeichert werden. Das Wissenspektrum soll aber stetig erweitert werden. So soll der Hochdeutsch sprechende Raiffi in Zukunft beispielsweise auch die verschiedenen Schweizer Dialekte lernen. Eine universell verständliche Sprache beherrscht der Roboter aber bereits heute: Nach der Demonstration seines Könnens hebt er zum Abschied die Hand zu einem herzhaften High-Five. Dann geht es für Raiffi wieder zurück an seinen Arbeitsplatz, wo er still und starr aber stets mit einem Lächeln im Gesicht auf seine nächste Kundschaft wartet.

Der TVO-Beitrag zum Thema:


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