Heidi Diethelm Gerbers Frage der Zeit

Schützin Heidi Diethelm Gerber äussert sich in Minsk zu ihren Aussichten an den European Games
Schützin Heidi Diethelm Gerber äussert sich in Minsk zu ihren Aussichten an den European Games © Keystone/Swiss Olympics/Dominic Bruegger/Dominic Bruegger
Heidi Diethelm Gerber startet an den Europa-Spielen in Minsk als einzige Schweizer Goldmedaillengewinnerin der Erstausgabe vor vier Jahren und hofft auf Wiederholung ihres Sieges mit der Sportpistole.

Bei den Sportschützinnen und Sportschützen ist vieles eine Frage der Zeit. Beim Präzisionsschiessen gibt der richtige Zeitpunkt der Schussabgabe den Ausschlag über Erfolg oder Enttäuschung, beim Schnellfeuer müssen die Nerven dem grossen Zeitdruck standhalten. Dementsprechend spielt die Zeit auch in der Karriere von Heidi Diethelm Gerber eine Rolle. Mehr noch sogar als bei anderen Schützinnen.

«Vier Jahre sind lang», sagt die 50-Jährige auf ihren Triumph mit der Sportpistole an der Premiere der European Games und ihre Ambitionen bei der diesjährigen Ausgabe in Minsk angesprochen. Wer denke, dass sie als Siegerin von 2015 selbstredend auch in diesem Jahr triumphieren werde, der täusche sich. «Das wird kein Selbstläufer. Für eine Medaille muss alles zusammenpassen.» Die Konkurrenz an der Spitze der Sportschützinnen ist grösser, kleine Fehler dadurch kapital geworden.

«Im Schnellfeuer-Teil haben alle aufgeholt», sagt die Olympia-Dritte von Rio 2016. Früher hätte im Feld der Frauen das Schnellfeuer die Weltspitze vom Rest gesiebt, diese Selektion findet heuer nicht mehr statt. «Die reinen Präzisionsschützinnen von früher gibt es heute kaum noch.» Eine ähnliche Qualifikationsleistung wie vor vier Jahren etwa dürfte ihr in diesem Jahr kaum mehr zum Einzug in den Final reichen.

Nicht nur das Niveau der Konkurrenz änderte sich im Lauf der letzten Jahre, der ganze Sport verschrieb sich einem Wandlungsprozess. Teamwettkämpfe, wie sie auch in Minsk durchgeführt werden, erhalten Einzug. Sie sollen die Popularität steigern. Diethelm Gerber geht mit der Zeit, an den Europa-Spielen tritt sie gemeinsam mit Steve Demierre als Mixed-Team (Luftpistole 10 m und Sportpistole 50 m) an; auch wenn für sie die Team-Wettbewerbe «schwierig einzuschätzen» sind.

Die etlichen Modus-Wechsel in den Teamwettkämpfen machten es ihr schwierig, sagt sie. Den Fokus legt Diethelm Gerber darum klar auf die Einzel-Bewerbe, wo sie mit der Sportpistole über 25 m und mit der Luftpistole über 10 m am Start steht. An Ernsthaftigkeit mangle es ihr aber auch im Team sicher nicht.

Der Faktor Zeit erhält bei Diethelm Gerber aber noch eine andere Dimension. Mit ihren 50 Jahren ist sie unter den Athletinnen und Athleten eher die Ausnahme. Festlegen, ob ihre Karriere mit den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Tokio enden wird, will sie nicht. «Momentan habe ich gerade noch ein paar andere Prioritäten», sagt die Thurgauerin, die die Qualifikation für Tokio im kommenden Jahr noch nicht auf sicher hat. Mit einem Sieg an den European Games könnte sie dies ändern. Die Frage nach ihrer Karriere werde sie dann nach dem Qualifikationsprozedere für sich beantworten, «rund ein halbes Jahr vor Tokio». «Ich mache mir da jetzt noch keinen Stress», sagt sie. Diethelm Gerber hat Zeit.

(SDA)


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