«Ich bin in den Säntispark eingebrochen»

Von Nina Müller
Gimma freut sich auf die Veröffentlichung seines Albums «Kartellmusig».
Gimma freut sich auf die Veröffentlichung seines Albums «Kartellmusig». © FM1Today/Nina Müller
Tausendsassa Gimma (39) hat es wieder getan: Diese Woche erscheint sein neues Album «Kartellmusig» und dazu auch gleich noch ein Buch. Im Interview mit FM1Today erzählt er, wem er in den Briefkasten pissen will und weshalb er mal aus dem Säntispark-Hotel geschmissen wurde.

Das Release des Albums wurde um zwei Wochen verschoben. Weshalb?
Es gab Logistikprobleme. Das liegt ausnahmsweise nicht an mir, sondern an einem unserer Zwischenhändler. Der brauchte eine Woche Vorlaufzeit für das Buch und deshalb geht es nun ein wenig länger. Die geplanten Events werden trotzdem alle stattfinden.

Welche Message hat dein neues Album «Kartellmusig»?
Ich beschäftige mich mit lokal-politischen Phänomenen aus der Südostschweiz, mit den Kartells und den ganzen Seilschaften. Ob das wirklich eine Botschaft beinhaltet, weiss ich nicht. Ich zeige mehr mit dem Finger drauf, eine Lösung für diese Probleme habe ich auch nicht. Meine Musik belehrt und prägt nicht, aber sie erzählt etwas, das andere nicht erzählen.

Was war der Grund, warum du dich mit dem Baukartell befasst hast? Das brauchte sicher auch ein wenig Mut.
Nun ja, ich könnte denen auch in den Briefkasten pissen, ist nicht so, dass ich Angst vor denen habe. Ich habe mich damit befasst, weil es um mich herum passiert ist. Eine der involvierten Personen ist aus dem gleichen Dorf wie ich, eine andere hat mit mir die KV-Lehre absolviert und befreundete Journalisten haben darüber geschrieben. Das alles hat meine Neugier geweckt. Ich werde in Zukunft auch öfters in diese Richtung provozieren. Es bringt nichts, wenn ich auf dem kleinen Mann herum hacke. Es ist interessanter, in die oberen Reihen reinzutreten und zu schauen, was dann passiert. Die bequeme Obrigkeit wird wohl noch öfters auf die Mütze kriegen, aber ob das wirklich relevant ist, weiss ich nicht. Man darf sich selbst auch nicht zu wichtig nehmen.

Für FM1Today hat Gimma den Song als Märchen erzählt:

Was hat dich, abgesehen vom Baukartell-Skandal, sonst noch inspiriert?
Es war ein mehrstufiger Prozess mit verschiedenen Gründen für Inspiration. Natürlich mein eigenes problematisches Seelenleben, das schwingt bei allem ein wenig mit, was ich mache. Ansonsten hat mich die Musik meiner Produzenten inspiriert. Ich habe mir extrem viel Musik angehört, bevor ich mit Schreiben angefangen habe. Eigentlich hatte ich auch mehr Lieder als auf dem Album sind. Diese wurden gestrichen oder verschoben.

Welches Lied gefällt dir am besten auf dem neuen Album?
«As kunnt alles guat» ist mein Favorit. Es ist das schönste Lied, das ich je aufgenommen habe.

Melodisch klingt dein neues Album sehr old-schoolig, also wie klassischer Hiphop. Wie stehst du zur Trap-Musik?
Wir haben auch ein, zwei Lieder mit Auto-Tune, aber das Gerüst ist schon Old-School. Das ist die Musik, die ich immer gemacht habe. Ich werfe mich nicht den 13-Jährigen an den Hals und tue so, als ob ich nicht vierzig Jahre alt wäre. Wenn sich andere Rapper in zehn Jahren immer noch am Openair Frauenfeld unter der Metro-Boutique-Fahne blamieren möchten, sollen sie das gerne machen. Meine Welt ist das nicht mehr. Ich verkehre mit erwachsenen Menschen und mache entsprechende Musik. Da kann ich nicht mit Auto-Tune daher kommen, was aber nicht heisst, dass ich das nicht mag. Alles hat seine Zielgruppe und seine Berechtigung.

Andere Medien schrieben, du seist so gut, wie zu deinen besten Zeiten. Was sagst du dazu?
Ja, das ist vermutlich so. Ich habe bei diesem Album viel konzentrierter gearbeitet und dementsprechend konnte man auch einen gewissen Qualitätsanstieg beobachten. Ich gehe auch nicht mehr so verkopft an die Arbeit.

Wegen deines geplatzten Trommelfells hast du beim letzten Albumrelease keine Konzerte geben können. Nun sind welche angesagt. Wie kommt’s?
Das Trommelfell ist immer noch kaputt. Ich lebe nun mit meinem beschissenen Gehör und schaue nach und nach, was geht und was nicht. Ich gebe deshalb auch nicht viele Konzerte und wenn, nur im kleinen Rahmen. Auf einer grossen Openair-Bühne wird man mich nicht antreffen. Es spielt aber noch ein andere Faktor eine grosse Rolle: Ich habe wegen meines Berufslebens schlichtweg zu wenig Zeit.

Du hast dieses Jahr wieder ein Buch veröffentlicht: «Anekdota vuma Ex-Promi» und bist damit auf Lesetour in Deutschland gegangen. Die Lesung hast du auf Mundart gemacht. Wie kam das bei den Deutschen an?
Ja, wir hatten in Leipzig und Berlin Lesungen. Das war sehr unterhaltsam, denn das Leipziger Publikum hat mich wesentlich besser verstanden als die Besucher im Oberland Graubündens. Also die rätoromanisch sprechenden Gäste hatten mehr Mühe mit meinem Dialekt. Bei den Deutschen kam mein Hörbuch gut an, zumindest haben sie bei den richtigen Stellen gelacht und geklatscht.

Hast du auch eine Anekdote über St.Gallen auf Lager?
Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde ich aus dem Säntispark-Hotel geschmissen. Nach einem Konzert in der Grabenhalle verbrachte ich da eine wilde Nacht mit einer netten blonden Begleitung. Wir wollten dann in die Badewelt einbrechen … Ich denke, dass reicht fürs Erste an Anekdoten.

Das neue Album «Kartellmusig» erscheint am 7. Juni 2019. Auch das gleichnamige Buch ist ab dem 7. Juni erhältlich. Darin sind die Songtexte zu finden.


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