Im Linsebühl steht die Zeit still

Kein Glockenschlag bis September: Die Uhren der Linsebühl-Kirche stehen still.
Kein Glockenschlag bis September: Die Uhren der Linsebühl-Kirche stehen still. © Tagblatt/Ralph Ribi
Kuriose Austauschaktion: In der Linsebühl-Kirche in St.Gallen funktioniert das Uhrwerk nicht mehr zuverlässig. Darum wird jetzt die noch ältere Uhr aus dem Jahr 1896 restauriert und wieder eingebaut.

123 Jahre. So alt ist das dienstälteste, nicht mehr in Betrieb befindende Uhrwerk der Linsebühl-Kirche in St.Gallen. Jahrzehntelang fristete das Uhrwerk ein tristes Dasein. Es stand in einer Glasvitrine im Kirchenturm und musste dem aktuellen Uhrwerk bei der Arbeit zuschauen. Jetzt aber wird dem alten Uhrwerk neues Leben eingehaucht. Dafür geht die aktuelle Uhr in Pension. Sie hat ihre Lebensdauer erreicht hat. Neu wird gegen alt getauscht.

Alt ist besser als neu

Dies hat mehrere Gründe. Die jetzige Uhr weist Mängel auf, der Betrieb ist nicht mehr sicher. Würde die aktuelle Uhr ausfallen, müsste sie sowieso ersetzt werden. «Die Uhr könnte nicht mehr in Betrieb genommen werden», sagt Verena Graf, Projektleiterin beim Hochbauamt der Stadt St.Gallen. Sie ist eine Spezialanfertigung für die Linsebühl-Kirche und es gibt keine Ersatzteile.

Die ältere Uhr, die jetzt reaktiviert wird, funktioniert noch mechanisch und dürfte in Zukunft, nach der Restauration, zuverlässig laufen.

Kirchen haben Vertrag mit der Stadt

Bereits seit den 1890er-Jahren sind die Turmuhren der St.Laurenzen, St.Mangen, St.Leonhard und eben auch der Linsebühl-Kirche im Besitz der Stadt. Seit 1927 besteht dazu auch ein Vertrag zwischen der Stadt und den Kirchgemeinden.

Kein Glockenschlag bis September

Nun wird die aktuelle Uhr ausgebaut und aus dem Kirchenturm gebracht. Gleichzeitig wird die alte Uhr der Firma Mäder aus dem Jahr 1896 durch eine Spezialfirma restauriert. Deshalb müssen die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers bis voraussichtlich im September sowohl auf das Ziffernblatt als auch auf den Glockenschlag verzichten. Den mehrmonatigen Unterbruch erklärt das Hochbauamt als die wirtschaftlichste Variante. So muss die Spezialfirma nicht mehrmals nach St.Gallen fahren. Geplant ist der Einbau der «neuen» alten Uhr auf Anfang September. Ab dann soll die Uhr wieder für weitere Jahrzehnte zuverlässig den Linsebühlerinnen und Linsebühler jede volle, halbe und viertel Stunde die aktuelle Zeit verkünden.

So sieht das 123 Jahre alte Uhrwerk aus.

So sieht das 123 Jahre alte Uhrwerk aus. (Bild: Stadt St.Gallen)

(ham)


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