Jodelnde Appenzeller landen Viral-Hit

Sieben der acht Bombuebe beim Fotoshooting auf der Ebenalp.
Sieben der acht Bombuebe beim Fotoshooting auf der Ebenalp. © michelphotography
Die «Bombuebe» aus Appenzell Innerrhoden kannte praktisch niemand. Bis vor kurzem. Jetzt geht ein Video, das die Freunde jodelnd in der Ebenalp-Bahn zeigt, auf Social Media viral. Das es dazu kam, ist mehreren Zufällen zu verdanken.

Kuschelig eng ist es in der Ebenalp-Bahn. Dicht nebeneinander stehen die «Bombuebe» und setzen zu einem Jodel an. Gefilmt werden sie dabei von der Fotografin Sylvia Michel. Sie war Ende Juni für ein Fotoshooting auf der Ebenalp und hat die sieben Männer im Sennenhemd fotografiert. «Aus Spass habe ich dann in der Bahn ein Video gemacht und dieses auf Facebook hochgeladen», sagt Sylvia Michel. Sie habe sich nichts dabei gedacht und nicht damit gerechnet, dass das Video durch die Decke geht.


Mittlerweile hat das Video über eine Million Leute erreicht. Auf der ganzen Welt. «Beautiful! Love Switzerland», kommentiert eine Userin. «Feels like a force of nature! Wish it were longer», schreibt eine andere. Einen Viral-Hit zu landen war aber nie die Absicht von Sylvia Michel. «Ich finde Jodeln extrem cool. Es ist mit einem Heimatgefühl verbunden, deshalb habe ich es hochgeladen.»

Kennen sich aus der Schulzeit

Philipp Fässler ist einer der «Bombuebe» und hat von seinem Ruhm noch nichts gewusst: «Ich wusste, dass das Video existiert und es geteilt wurde, der Erfolg kam aber überraschend», sagt der Metzger. Eigentlich seien die «Bombuebe» nämlich überhaupt keine Musiker. «Es ist lustig, niemand von uns hat etwas mit Musik am Hut. Die ‹Bombuebe› sind Kollegen aus der Schulzeit.»

Irgendwann hätten die Kameraden angefangen, sich vor Weihnachten zu treffen, um einen Christbaum für ihre Familien zu suchen. Deshalb auch der Name «Bombuebe». Aus dem jährlichen Ritual wurde irgendwann ein monatliches Treffen, bei dem zusammen gelacht und eben auch gesungen wird. Dies alles aber nur aus «Plausch».

Aus Gratis-Zmittag wurde Facebook-Hit

Den ersten Auftritt hatten sie dann vor rund einem Monat: «Wie wurden von der Schwendener Kirche gefragt, ob wir am Fronleichnam teilnehmen und den Gottesdienst musikalisch begleiten könnten», sagt der 43-Jährige. Die «Bombuebe» hätten dann intensiv geprobt: «Gerade weil wir nicht sehr viele musikalisch Bewanderte unter uns haben, mussten wir oft üben.» Der Anlass selbst sei toll gewesen.

Nach diesem Anlass kam spontan ein Anruf des Wirts der Ebenalp: «Er sagte, sie würden noch Sennen für ein Fotoshooting brauchen. Wir wurden zu einem gratis Zmittag eingeladen und haben zugesagt.» Auf der Fahrt zur Ebenalp entstand das Video. «Es stellte sich heraus, dass die Fotografin nicht nur Fotografieren sondern auch Filmen kann», sagt Philipp Fässler.

Bombuebe soll Kollegschaft bleiben

Die «Bombuebe» freuen sich natürlich über den plötzlichen Ruhm: «Was soll ich sagen, es ist überraschend und passt zu den ‹Bombueben›. Es ist nichts Gestelltes, nichts Absichtliches und das kommt anscheinend gut an.» Es sei schön, wenn sich die Leute an Traditionen und Gesellschaftlichem erfreuen.

Wegen ihres plötzlichen Ruhms wollen die «Bombuebe» aber nichts ändern. Eine CD aufzunehmen und den Bandkalender mit Termine füllen, das werden sie nicht tun. «Wir werden in der intimen Runde bleiben. Uns geht es um die Kollegschaft, die Kameradschaft. Auch aus zeitlichen Gründen könnten wir uns gar nicht häufiger treffen. Einige von uns haben Kaderpositionen.»

Der Auftritt in der Ebenalp-Bahn wird also vorläufig der letzte öffentliche Auftritt der Buben bleiben.

(abl)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 500 Zeichen