Jungparteien crashen Blocher-Rede

Weil die SVP Arbon ohne Absprache Christoph Blocher zur Bundesfeier einlud, protestierten die Jung-Parteien vom Thurgau.
Weil die SVP Arbon ohne Absprache Christoph Blocher zur Bundesfeier einlud, protestierten die Jung-Parteien vom Thurgau. © zVg
Die SVP Arbon hatte für ihre Bundesfeier am 31. Juli einen prominenten Redner: Christoph Blocher. Die Jungsozialisten und die Jungen Grünen waren darüber nicht erfreut, deshalb störten die Jungparteien die Rede mit einem stillen Protest.

Die Bundesfeier in Arbon sorgte im Vornherein bereits für Gesprächsstoff. Ein extra für die Bundesfeier gegründeter Verein übernahm die Organisation der Feier, da die Stadt diese 2017 zum letzten Mal organisieren wollte. Dieser neu gegründete Verein entschied sich, keine politischen Exponenten mehr einzuladen. Anstelle von polarisierenden Politikern oder Politikerinnen sollten andere Persönlichkeiten auftreten. So war 2018 die Schriftstellerin Andrea Gerster in Arbon zu Gast.

SVP übernimmt Organisation, damit Blocher kommt

Trotzdem kündigten die Organisatoren der 1. Augustfeier im März an, dass Christoph Blocher heuer die Rede zum Nationalfeiertag halten werde. «Wir dachten damals, dass Christoph Blocher nicht zu den polarisierenden Persönlichkeiten gehört», sagt Konrad Brühwiler, Präsident der SVP Arbon. Als der Volkspartei allerdings Widerstand entgegenschlug, habe man sich in der Interpartei, einem Verbund aus allen Arboner Parteien, zusammengesetzt und die Sachlage diskutiert. «Bis auf eine Partei waren alle mit Christoph Blocher als 1. August-Redner einverstanden.»

Auch mit dem Verein 1. August habe man sich infolgedessen bei konstruktiven Sitzungen abgesprochen. «In der Folge hat sich der Verein dazu entschieden, bei diesem Festredner die Organisation nicht zu übernehmen», sagt Brühwiler. Die Arboner SVP habe die diesjährige Organisation der Bundesfeier deshalb übernommen.

Junge Grüne und Juso crashen Rede

Als Christoph Blocher gestern Mittwoch das Rednerpult dann bestieg, erwarteten die einen freudig, die anderen wohl mit etwas Wut im Bauche seine Rede. Während der Alt-Bundesrat allerdings seine Parolen vom Rednerplult verlauten liess, stellten sich plötzlich fünf junge Männer und Frauen mit einem Transparent in der Hand vor den Pult.

Dahinter stand ein verdutzter Christoph Blocher, der seine Rede deshalb kurz unterbrach.

«Wir haben auch eine politische Botschaft»

Dann geht alles schnell: Unsanft werden die fünf Transparenthalter von Festbesuchern vom Platz gezerrt, wie man im Video sieht. Blocher reagierte um einiges ruhiger. «Lasst die doch einfach machen, das gehört eben auch dazu», sagt er, bevor er mit seiner Ansprache weitermacht. Vom Rednerpult vertrieben, formieren sich die fünf jungen Frauen und Männer erneut etwas abseits vom Platz.

Auf dem Plakat steht: «Dankbar, Schweizer*in zu sein, aber nicht stolz.» Dahinter stecken die Juso Thurgau und die Jungen Grünen Thurgau. «Wir sind dankbar, Schweizerinnen und Schweizer zu sein, aber nicht stolz auf unser Land. Vor Kurzem wurde beispielsweise bekannt, dass die Schweiz jenes Land ist, welches am meisten auf Kosten von anderen profitiert», sagt Simon Vogel, Präsident der Jungen Grünen Thurgau. Damit seien unter anderem die Waffenexporte und die Umweltzerstörung durch Schweizer Rohstoffkonzerne gemeint.

Ein weiterer Grund für die Aktion sei auch das Verhalten der SVP gewesen. «Wir finden es nicht korrekt, dass sich die SVP Arbon über Pläne der Organisatoren der Bundesfeier hinweg gesetzt hat. Deshalb wollten wir zeigen, dass auch andere Parteien eine politische Botschaft haben», sagt Vogel. Mit den Reaktionen auf den stillen Protest sind die beiden Jungparteien zufrieden. Es sei danach lange und rege diskutiert worden. «Unsere Leute sind mit einem positiven Gefühl nach Hause gegangen», sagt Vogel.

Protestanten durften abseits weiter protestieren

Ganz und gar nicht erfreut über die Aktion ist Konrad Brühwiler, Präsident der SVP Arbon und Organisator der Bundesfeier. «Das war respektlos und hinterhältig», sagt er. Es wäre absolut in Ordnung gewesen, wenn sie nicht die Rede von Herrn Blocher gestört hätten, sagt der Präsident weiter. In jedem anderen Moment hätte die SVP kein Problem mit der Aktion gehabt und man habe den Protestlern anschliessend ja erlaubt, etwas abseits ihr Transparent zu präsentieren. Abgesehen von dem Vorfall ist Brühwiler aber sehr zufrieden mit der Feier. Über 800 Gäste haben friedlich gemeinsam den Geburtstag der Schweiz gefeiert, unter ihnen waren auch Gegner des 1.August-Redners, wie beispielsweise der Vize-Stadtpräsident Arbons, Didi Feuerle von den Grünen.

(nm)


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