Kinder bauen ihre eigene Welt

Von Stefanie Rohner
Mit viel Sorgfalt sorgen die Kinder dafür, dass die Konstruktionen auch schön bemalt werden.
Mit viel Sorgfalt sorgen die Kinder dafür, dass die Konstruktionen auch schön bemalt werden. © FM1Today/Stefanie Rohner
Holzspäne fliegen durch die Luft, die Bohrmaschinen rotieren und es riecht nach Farbe. In Wattwil wird wacker gebaut. Geschäftig wird auf ein Fest am Samstag hingearbeitet. Die Bauarbeiter: Kinder.

«Bring mir bitte den Pinsel, ich muss das hier fertig malen», ruft ein Mädchen ihrem Gspänli zu. Sie bemalt gerade die Aussenwand eines kleinen Hauses mit lila Farbe. Es fehlen nur wenige Pinselstriche, bis sie fertig ist. Ein Bub läuft beladen mit Holz an ihr vorbei. Er hat noch etwas mehr Arbeit vor sich.

Steile Leitern und letzte Schrauben

Wo man auch hinschaut, auf der Kinderbaustelle in Wattwil wird emsig gearbeitet – mit viel Freude widmen sich die kleinen Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter ihren ganz eigenen Projekten. Kleine Häuschen, in die man nur über eine steile Leiter kommt, müssen noch fertiggestellt werden. Hier fehlt noch eine Holzleiste, da eine Schraube.

«Ich finde es einfach cool zu schrauben», sagt der siebenjährige Simon, der gerade dabei ist, eine Leiter zusammenzuschrauben. Was er als nächstes tut, weiss er noch nicht. Er wird schauen, was es auf dem Gelände noch zu tun gibt. Spass hat er jedenfalls.

Grundlagen schaffen

Eine Gruppe acht- bis zwölfjähriger Mädchen steht noch ganz am Anfang ihres Bauwerkes. Sie verlegen gerade den Boden, der die Grundlage für ein Haus bieten soll. Sie sind zuversichtlich, weit zu kommen. Die Schwestern Medina und Triana sind zum ersten Mal auf der Kinderbaustelle und geniessen es. «Es macht sehr viel Spass und wir finden es cool, mit unseren Freundinnen zusammen etwas zu bauen», sagen die beiden. Mit vereinten Kräften legen sie das Holz parat und besprechen, wie sie es am besten machen, damit der Boden auch stabil sein wird.

Ein ganzes Team für den Boden: die Mädchen arbeiten gut zusammen. (Bild: FM1Today/Stefanie Rohner)

Die Baustelle: Eine gute Idee

«Manchmal ist es ein bisschen schwierig, die Schrauben mit dem Bohrer richtig zu platzieren, aber ich mache es gern», sagt die zehnjährige Ariona, die beim Boden mithilft. Sie findet es eine gute Idee, dass Kinder bauen dürfen und will auch im nächsten Jahr wieder mit von der Partie sein.

Stolzer Jugendarbeiter

Die Kinder werden – wenn sie mal nicht weiter wissen – von ihren Eltern oder den Aufsichtspersonen der offenen Kinder- und Jugendarbeit unterstützt. Der Leiter, Markus «Kusi» Meier, ist begeistert von der siebten Durchführung.

«Dieses Jahr ist es atemberaubend, phänomenal», sagt er und blickt sich mit Stolz und Freude auf der Baustelle um. Er sagt, dieses Jahr seien sehr viele Kinder gekommen, mit noch mehr kreativen Ideen. Hütten, zwei- oder dreistöckig, waren dieses Jahr hoch im Kurs. «Da der Sommer so heiss war, wurde auch ein Pool gebaut», sagt Meier.

Die Unterstützer von der Kinder- und Jugendarbeiter: Christian Kressig, Markus Meier und Sarah Bayard. (v.l.n.r.) (Bild: FM1Today/Stefanie Rohner)

Kinder lernen viel

Meier ist überzeugt vom Projekt und sagt, die Kinder würden durch das werkeln viel lernen und ihre motorischen Fähigkeiten verbessern. «Gerade, wenn es zu Hause wenig Platz für solche Dinge hat, bietet sich die Kinderbaustelle an. Eltern können ihre Kinder anleiten und diese sich weiterentwickeln», sagt Meier.

Die Fantasie der Kinder bringt natürlich auch viele verrückte Ideen auf den Platz. «Einige wollten ein motorisiertes Auto bauen. Das bringt uns natürlich etwas in Bedrängnis», sagt Meier und lacht.

«Beulen gehören dazu»

Man habe dann einen Gokart gebaut. Oftmals wollen die Kinder auch bis in den Himmel hoch bauen, was natürlich mit der Sicherheit nicht einhergeht. Denn wie auf jeder Baustelle hat die Sicherheit Priorität. «Ein Wespenstich, ein Brettli auf dem Kopf oder mal eine Beule gibt es schon. Aber das gehört zur Baustelle dazu», sagt Meier.

«Ich brauche noch ein Holzlättli», sagt ein Bub und wendet sich damit an einen der Jugendarbeiter. Der schmeisst kurzerhand die Kreissäge an und die Holzspäne wirbeln durch die Luft, welche von Holzgeruch erfüllt ist.

Bis am Samstag der letzte Span vom Tisch gewischt ist, dürften die Kinder noch einige spannende Konstruktionen für ihre ganz eigene Welt gebaut haben.

Das Baustellenfest

Am Samstag, 15. September, von 10 bis 16 Uhr können die gelungenen Arbeiten auf der Kinderbaustelle bestaunt werden. Neben dem Baubetrieb kann eine Klangmaschine gebaut werden, es darf unter fachlicher Anleitung ein Bagger bedient werden und es wird eine Pizzastrasse geben. Infos findest du hier. Nächstes Jahr wird das Baustellenareal im Frühling wieder geöffnet.


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