Klimastreik geht weiter – Anzeige droht

Von Marc Sieger
Das Transparent kündigt es an: Die St.Galler Schüler wollen am Freitag wieder streiken. Deswegen, aber auch wegen des Transparents, müssen sie mit Konsequenzen rechnen.
Das Transparent kündigt es an: Die St.Galler Schüler wollen am Freitag wieder streiken. Deswegen, aber auch wegen des Transparents, müssen sie mit Konsequenzen rechnen. © zVg
Die St.Galler Schüler wollen für das Klima wieder die Schule schwänzen. Die vom Bildungsdepartement verhängten Sanktionen bleiben nicht lange wirksam. Dafür winkt den Klimaschülern wegen eines Transparents eine Anzeige.

«Klimastreik diesen Freitag», steht gross auf dem Transparent über der Rosenbergstrasse gleich bei der Militärkantine in St.Gallen. Die Schüler aus dem Kanton St.Gallen wollen zeigen: Sie sind noch hier und wollen weiterstreiken – und zwar wieder am Freitag.

«Unentschuldigte Absenzen haben Schüler gehemmt»

Nachdem die Schüler verschiedener St.Galler Kantonsschulen im Dezember und Anfang Januar Stifte und Hefte niederlegten, um während der Schulzeit gegen die aktuelle Klimapolitik der Weltregierungen zu demonstrieren, reagierte das kantonale Bildungsdepartement mit Sanktionen: Wer der Schule fernbleibt, um zu demonstrieren, erhält im Zeugnis eine unentschuldigte Absenz.

Im Januar liessen die streikenden Schüler noch verlauten, die Absenzen würden sie nicht beeindrucken, das Klima sei wichtiger als Schulbildung. Dennoch wurde der vierte Demonstrationszug durch die St.Galler Innenstadt Anfang Februar auf einen Samstag verlegt. «Die unentschuldigten Absenzen haben viele Schüler gehemmt, weiter am Streik teilzunehmen», sagt Miriam Rizvi, Schülerin an der Kantonsschule am Burggraben und Sprecherin des Kollektivs Klimastreik Ostschweiz.

Kanton will Sanktionen nicht verschärfen

Nun wollen die Schüler wieder die Schule schwänzen. Am Freitagnachmittag, 15. Februar, ist ein Umzug durch St.Gallen geplant. «Wir müssen zeigen: Wir sind noch hier. Wir wollen immer noch zeigen, dass das Klima leidet», sagt Rizvi.

Obwohl viele im Gegensatz zu ihrer eigenen Klasse nicht frei haben, erwartet Rizvi zum Demonstrationszug auch Schüler anderer Schulen. Diese müssen wieder mit unentschuldigten Absenzen rechnen. Dabei bleibt es aber, heisst es heute beim Amt für Mittelschulen des Kantons St.Gallen, welches auf die geltende Absenzenregelung, die auch für «streikende» Schüler anwendbar ist, hingewiesen hatte. Weitere Schritte sind laut Amtsleiterin Tina Cassidy nicht geplant. «Wir werden die Thematik an der nächsten Rektorenkonferenz aber auf den Tisch bringen».

Anzeige wegen Transparents

Auch wenn sich die streikenden Schüler von den Sanktionen des Kantons unbeeindruckt zeigen, für Miriam Rizvi ist es über lang oder kurz kein Zustand: «Wir führen Gespräche mit der Schule. Wir brauchen eine andere Lösung.»

Konsequenzen für die Schüler hat nicht nur das Schulschwänzen, sondern auch das eingangs erwähnte Transparent, das die Schüler bei der Militärkantine aufgehängt haben. «In der ganzen Stadt St.Gallen ist das Anbringen von Transparenten verboten», sagt Stadtpolizeisprecher Dionys Widmer. Den Schülern winke nun eine Anzeige.

Wegen diesem Transparent, über der Rorschacherstrasse bei der Militärkantine dürfte es für die Schüler eine Anzeige geben.

Wegen dieses Transparents über der Rosenbergstrasse bei der Militärkantine dürfte es für die Schüler eine Anzeige geben. (Bild: zVg)

Klima hat wieder an Relevanz gewonnen

Immerhin: Laut Rizvi zeigt der Streik erste Erfolge. So hätten verschiedene Ostschweizer Politiker das Gespräch mit den Schülern gesucht, um die Klimapolitik zu diskutieren. Zudem glaubt Rizvi, dass auch die aktuelle Debatte im Ständerat zur CO2-Reduktion unter anderem auf die europaweite Klimastreikbewegung zurückzuführen ist. «Wir haben es geschafft, dass das Thema in der Öffentlichkeit an Relevanz gewonnen hat, und wieder intensiv diskutiert wird.»

Diskutieren wollen die Schüler auch am Freitag. Nach dem Demonstrationszug, der um 13 Uhr beim Vadian beginnt, findet abends eine Podiumsveranstaltung in der Grabenhalle statt. Dort werden Schüler und Politiker miteinander diskutieren, wie die Klimapolitik künftig zu gestalten ist.


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