Kuriose Bewertungen: 4 Sterne für Knast

Gefällt der Pulli nicht? Schreib was ins Internet
Gefällt der Pulli nicht? Schreib was ins Internet © iStock
Langweilige Krawatte zu Weihnachten gekriegt? Super! Funktioniert die neue Taschenlampe nicht? Perfekt! Dann ab ins Internet und die erhaltenen Weihnachtsgeschenke online bewerten. Oder noch besser: Die Bewertungen der anderen geniessen.

Ivo sitzt vor seinem Computer. Die Augen blutunterlaufen, die Hände zittrig, das Tanktop klebt an seinem Körper wie Ivos Augen am Bildschirm. Seit Stunden hat er nichts mehr gegessen. Aber das fällt ihm gar nicht auf. Er ist gefangen. Gefangen im Internet, gefangen in einem Meer aus Online-Bewertungen. Nun ja, ob es Ivo wirklich gibt, sei dahingestellt. Aber die Legende besagt, es gebe Leute, die ihre Freizeit ausschliesslich damit verbringen, Internetbewertungen zu lesen. Aus gutem Grund.

Alles wird bewertet

«Es war ein schöner Aufenthalt in Pöschwies. Der Service war wirklich all inclusive. Ich gebe aber nur 4 Sterne, da ein Balkon gefehlt hat.» An sich keine aussergewöhnliche Bewertung. Wenn sie nicht zur Justizvollzugsanstalt Pöschwies geschrieben worden wäre. Und wer jetzt denkt, ein Gefängnis zu bewerten sei komisch, der schaue sich diese Bewertung einer St.Galler Tankstelle an.

Das Benzin ist nicht nur super, sondern auch bleifrei. (Bild: Screenshot Google)

Die Frage, wer sich die Zeit nimmt, so etwas ins Internet zu stellen, darf man sich gar nicht stellen. Denn was irgendwie bewertet werden kann, wird es auch. Döner, Walensee, Kühlschränke, Krawatten, Gurkenfinger oder Schweizer Militärkasernen. Die besten Bewertungen gibt’s oben in der Galerie.

Die Freizeitaktivitäten lassen zu Wünschen übrig. Aber nichts, was die Romantik nicht wett machen könnte (Bild: Screenshot Google)

Ab zwölf Bewertungen ist’s repräsentativ

Wir fragen bei Alex Hämmerli, Sprecher von Digitec nach. Die Firma, die mit ihren (teils schlechten) Kundenbewertungen ganze Plakatwände füllt.

Wer einen Drucker als Miststück bezeichnet, wird wahrhaftig nicht zufrieden sein damit. Digitec macht Werbung damit (Bild: Digitec)

Hämmerli meint, dass die Online-Bewertungen stark zunehmen werden. Ein Grund sei sicher, dass es im Internet einfacher sei, etwas zu kritisieren, als wenn man es jemandem ins Gesicht sagen müsse. Zudem merke man, «dass die ganze Entwicklung von Social Media auch immer mehr Einfluss aufs Online-Shopping hat. Es wird mehr diskutiert und Wert darauf gelegt, was andere vom Produkt halten.» Wer auf Bewertungen wert legt, der könne ab rund zwölf ähnlichen Kommentaren davon ausgehen, dass es repräsentativ sei, so Hämmerli.

Das Problem mit den Bewertungen

Welch Überraschung, auch bei diesem Thema gibt es eine Kehrseite der Medaille. Klar, wer einen neuen Mixer braucht, ist froh, wenn User «Turbowolf29» diesen bereits als «Mega!» oder «Absolut unbrauchbar» deklariert hat. Wer jedoch beispielsweise jahrelang in ein Hotel ging, stets zufrieden damit war und dann anfängt, negative Bewertungen darüber zu lesen, der oder die findet sich bald mit einem gewissen Zweifel gegenüber dem Haus wieder. Darum hat sich Herr Fricker wohl gedacht, er gebe eine neutrale Bewertung ab. Was das Hotel und Restaurant Schäfli in Gams etwas ratlos zurückliess.

Danke Herr Fricker. Und kommen Sie bald…überhaupt mal vorbei (Bild: Screenshot Google)

Wer bewertet?

Eine grundsätzliche Aussage darüber, wie der klassische Bewertungs-Prototyp aussieht, kann Alex Hämmerli von Digitec keine machen. «Bei uns werden die Produkte von älteren, sowie auch von jüngeren Personen bewertet.» Dass sich Bewertungen für ein Unternehmen lohnen, zeigt eine Studie von BrightLocal. So sollen 84 Prozent aller Konsumenten Online-Bewertungen gleich vertrauen, wie persönlichen Empfehlungen.
Also, wer jetzt über die Weihnachtstage nichts (besseres) zu tun hat, gönne sich die besten Online-Bewertungen zu Kühlschrank, Knast und Gurkenfinger.

Ein gern gesehener Gast auch beim Raclette (Bild: Screenshot Amazon)

(dac)


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