Lachappelle ist neuer Raiffeisen-Präsident

Guy Lachappelle ist neuer Präsident der Raiffeisen.
Guy Lachappelle ist neuer Präsident der Raiffeisen. © Keystone
Der ehemalige Chef der Basler Kantonalbank, Guy Lachappelle, wurde an einer ausserordentlichen Raiffeisen-Delegiertenversammlung zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt.

Guy Lachappelle wurde mit einer deutlichen Mehrheit zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Raiffeisen Schweiz gewählt. «Ich werde meine Führungsaufgabe mit aller Konsequenz wahrnehmen und alles daransetzen, die Raiffeisen Gruppe in eine erfolgreiche Zukunft zu führen», sagt Lachappelle zu seiner Wahl. Bisher war er als CEO der Basler Kantonalbank tätig.

Vier neue Verwaltungsratsmitglieder

Nebst dem neuen Verwaltungsratspräsidenten wurden vier weitere Verwaltungsratsmitglieder gewählt. Neu stossen Karin Vanzano Rossi, Andrej Golob, Thomas A. Müller und Dr. Beat Schwab zum Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz. Damit hat es im Verwaltungsrat keine Mitglieder aus der Ära des CEO Pierin Vincenz mehr.

Nächste Schritte der «Reform 21»

Die Versammlung erteilte der Raiffeisen Schweiz zudem ein Mandat, die nächsten Schritte des Reformprogramms «Reform 21» in die Wege zu leiten. Dies sei ein «wichtiger Meilenstein für die Grossgenossenschaft», heisst es in der Mitteilung.

Genehmigt wurde zudem das überarbeitete Vergütungssystem von Raiffeisen Schweiz. An der letzten Delegiertenversammlung im Juni in Lugano hatte eine Lohnerhöhung für den Verwaltungsrat im Jahr 2017 für viele Diskussionen gesorgt.

Termin für Neubesetzung noch nicht bekannt

Dagegen bleibt die Bankengruppe vorerst ohne einen Geschäftsleitungsvorsitzenden, nachdem der bisherige CEO Patrik Gisel am Freitagabend nach starkem medialem Druck seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte. Die Suche nach einem neuen CEO sei aber bereits fortgeschritten, sagte Vizepräsident Pascal Gantenbein, ohne allerdings einen Termin für eine Neubesetzung zu geben.

In einer von Gantenbein verlesenen schriftlichen Erklärung bestätigte Gisel seine Liebesbeziehung zu einer im Sommer zurückgetretenen Raiffeisen-Verwaltungsrätin. Diese habe aber bei deren Ausscheiden aus dem Gremium noch nicht bestanden, entsprechend habe es keine Interessenkonflikte gegeben. Entsprechende Untersuchungen von Raiffeisen hätten dies bestätigt, sagte Gantenbein.

Untersuchungen laufen noch

Die unabhängige Untersuchung der Vincenz-Ära unter Führung des Wirtschaftsprofessors Bruno Gehrig, deren Zwischenresultat den Delegierten vorgestellt wurde, habe die aufsichtsrechtliche Beurteilung der Finma bestätigt. So sei die Raiffeisen-Gruppe in der Ära von CEO Pierin Vincenz mit Übernahmen sehr schnell gewachsen, ohne dass es angesichts des «dominanten CEO» angemessene Strukturen gegeben habe. «Es gab eine Hemdsärmligkeit, die sicher nicht angemessen war», sagte Gantenbein.

Detailliertere Erkenntnisse der Untersuchung, die Ende Jahr abgeschlossen werden soll, würden derzeit auch wegen laufender Untersuchungen der Staatsanwaltschaft nicht publiziert, hiess es. Auch die Erteilung der Décharge für die Raiffeisen-Verantwortlichen wurde ein weiteres Mal verschoben.

Gegen Pierin Vincenz läuft eine Strafuntersuchung der Zürcher Staatsanwaltschaft wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Er könnte laut den Vorwürfen in seiner Zeit als Raiffeisen-CEO bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Vincenz war im Sommer wegen der Vorwürfe wochenlang in Untersuchungshaft gewesen.

(red./SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 500 Zeichen