Mehr Papizeit für Stadtangestellte

Frisch gebackene Väter sollen in St.Gallen länger zuhause bleiben. (Symbolbild)
Frisch gebackene Väter sollen in St.Gallen länger zuhause bleiben. (Symbolbild) © istock
Frisch gebackene Väter, die bei der Stadt St.Gallen arbeiten, sollen schon bald mehr Zeit für ihren Nachwuchs haben. Eine Motion fordert einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen. Der Stadtrat begrüsst die Idee.

Luca Ghiselli / Tagblatt

Die Stadt St.Gallen soll eine Vorreiterrolle einnehmen. Das forderten Motionäre aus fünf Fraktionen in ihrem Vorstoss zum Vaterschaftsurlaub. Ihre Forderung: Alle städtischen Angestellten, die Väter werden, sollen neu unabhängig ihres Dienstalters Anspruch auf vier Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub haben. Aktuell sind es bis und mit drittem Dienstjahr fünf Tage, ab dem vierten Jahr zehn Tage.

Der Stadtrat hat sich nun in seiner Stellungnahme für diese Änderung im Personalreglement ausgesprochen. Er beantragt, die Motion von Peter Olibet (SP), Michael Hugentobler (CVP), Andreas Hobi (Grüne), Christoph Wettach (GLP) und Manuela Ronzani (SVP) erheblich zu erklären. Der Vaterschaftsurlaub sei eine “effektive Massnahme für einen guten Start ins Familienleben”, schreibt der Stadtrat. Mit der Einführung eines besoldeten Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen sieht er zudem die Chance, die Stadt St.Gallen “weiterhin als attraktive und zukunftsorientierte Arbeitgeberin zu positionieren.”

St.Gallen wäre Spitzenreiterin

Die Massnahme sei auch kostenmässig vertretbar, führt der Stadtrat weiter aus. Er schätzt die jährlichen Kosten auf rund 125’000 Franken. Dieser Wert basiert auf dem durchschnittlichen Monatslohn eines Mitarbeiters der Stadt, multipliziert mit dem geschätzten Anspruch von Vaterschaftsurlauben pro Jahr (rund 20). Im Vergleich mit anderen Stadtverwaltungen und Unternehmen lag die Stadt bisher beim Vaterschaftsurlaub im Mittelfeld. Erklärt das Parlament die Motion erheblich und erteilt somit den Auftrag zur Anpassung im Personalreglement, würde die Stadt zu Genf, Neuenburg, Lausanne und Biel aufschliessen und zu den Vorreitern in dieser Frage gehören.

Die Zeichen dafür stehen gut, zumal die Motion breit abgestützt ist. “Ich bin perplex über die Stellungnahme des Stadtrats. Und zwar im positiven Sinn”, sagt Mitmotionär Andreas Hobi. Er führt den Zuspruch des Stadtrats unter anderem auf dessen neue Zusammensetzung zurück. “Mit Sonja Lühti sitzt nun eine Frau im Stadtrat, die selbst ein fortschrittliches Modell lebt.” Dass der Vorstoss die Hürde Stadtparlament nimmt, ist für Hobi nicht sicher. Er ist aber guter Hoffnung: “Die linke Ratsseite ist mit Sicherheit für das Anliegen”, sagt er. Zweifel habe er bei Teilen der Bürgerlichen – selbst wenn alle Fraktionen ausser die FDP unter den Vorstössern vertreten sind.

Die Stadt soll vorbildliche Arbeitgeberin sein

Auch Manuela Ronzani ist über die Stellungnahme des Stadtrats hoch erfreut. “Und ich bin optimistisch, dass das Parlament die Motion erheblich erklärt.” Mit ihrer Meinung stehe sie in der SVP-Fraktion zwar alleine da, ihre Kollegen halten die Kosten für zu hoch. Zudem befürchten sie, das Verwaltungspersonal würde so gegenüber der Privatwirtschaft bevorzugt. “Ich finde diesen Schritt aber notwendig, weil er begünstigt, dass auch private Unternehmen nachziehen”, sagt Ronzani. Das mache die ganze Region für Arbeitnehmer attraktiv.

Peter Olibet schlägt in eine ähnliche Kerbe. Dass die Motion so breit abgestützt ist, sei sicher von Vorteil. Den Vorwurf, man privilegiere damit nur städtische Angestellte und lasse die Privatwirtschaft aussen vor, lässt der SP-Stadtparlamentarier aber nicht gelten. “Einerseits stimmen wir im Rahmen einer eidgenössischen Volksabstimmung noch über eine flächendeckende Einführung des Vaterschaftsurlaubs ab.” Und andererseits seien Parlament und Stadtrat die Arbeitgeber der städtischen Angestellten. “Wir wollen dort ansetzen, wo wir können und ein fortschrittliches Zeichen setzen.”

Der Artikel ist am 18. April im Tagblatt erschienen.


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