Angekündigte 38 Grad werden klar verfehlt

Auf exponierten Baustellen im Kanton Waadt dürfen die Arbeiter zwischen 13 und 17 Uhr eine Hitzepause machen. (Archivbild)
Auf exponierten Baustellen im Kanton Waadt dürfen die Arbeiter zwischen 13 und 17 Uhr eine Hitzepause machen. (Archivbild) © KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI
Die ganz grossen «Hitzekracher» blieben am Mittwoch aus. Die Topwerte lagen am späten Nachmittag bei knapp 36 Grad. Zahlreiche Stationen in der Höhe meldeten allerdings Allzeitrekorde oder Juni-Rekorde. Die Temperaturen werden frühestens kommende Woche etwas sinken.

Gemäss den online publizierten Messwerten des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie wurde der Tageshöchstwert von 35,9 Grad in Basel-Binningen und Wynau BE gemessen (Stand 17:30 Uhr). Beim privaten Wetterdienst Meteonews machte der Messpunkt Bern-Belpmoos mit 36,0 Grad das Rennen (Stand 17 Uhr).

35,8 Grad waren es laut Bundesamt in Sitten, in Gösgen SO 35,6 Grad, in Möhlin AG, Zürich-Affoltern, Würenlingen AG und Leibstadt AG je 35,5 Grad, in Buchs AG, Grenchen SO und Koppigen BE 35,3 Grad, in Schaffhausen 35,0 Grad.

Auf dem Säntis und in Scuol GR wurden Allzeit-Temperaturrekorde aufgestellt, wie Meteonews meldete. 33,3 Grad zeigte das Thermometer im Dorf im Unterengadin an, auf dem Säntis auf 2504 Metern über Meer stieg die Temperatur auf 21 Grad.

Dazu kamen – vor allem in der Höhe – viele Juni-Rekorde, etwa in Ulrichen VS, Davos GR, auf dem Napf BE, dem Chasseral BE/NE, der Grimsel, dem Corvatsch, dem Pilatus, dem San Bernardino oder dem Weissfluhjoch.

Die Nacht auf Mittwoch war fast schweizweit eine Tropennacht. Das Thermometer sank nie unter die 20-Grad-Marke. Besonders mild war es in den Bergen, selbst auf 2000 Metern Höhe gab es laut Meteonews noch Tiefstwerte um die 20 Grad.

Am Mittwoch lag beispielsweise der Tiefstwert in Lugano TI bei 24,2 Grad und in Vevey VD wurden 24,1 Grad gemessen. Auf dem Balmberg auf 1083 Metern über Meer fiel das Thermometer nur auf 22,4 Grad und auf dem Chaumont auf 1130 Metern Höhe lag der Tiefstwert bei 21,6 Grad. «Rekordhalter» auf rund 2000 Metern Höhe war der Maschgenkamm/Flumserberge mit 20,2 Grad.

Mit der grossen Hitze sind auch die Ozonwerte gestiegen.

Im Kanton Waadt einigten sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaften auf Ausnahmeregelungen für einige exponierte Baustellen. Wie sie gemeinsam mitteilten, kann die Arbeit dort wegen der hohen Temperaturen zwischen 13 und 17 Uhr eingestellt beziehungsweise unterbrochen werden, dies ohne Nachteile bei der Arbeitslosenversicherung. Die Sozialpartner aktivierten dafür den Gesundheits- und Sicherheitsfonds für die Arbeitnehmenden.

Vom Kanton Zürich zurückgepfiffen wurde am Mittwoch die Schule Kappel am Albis ZH, die rund 120 Primarschülern ursprünglich am Donnerstagnachmittag hitzefrei geben wollte. Es gebe keine gesetzlichen Grundlagen für Hitzeferien oder Schuleinstellungen wegen Hitze, teilte das Volksschulamt Zürich mit.

Die Schule wird nun den Unterricht nach Stundenplan durchführen, wie sie in einer Ergänzung nachschob. Allerdings werden Kinder aus Hauptikon und Uerzlikon, die normalerweise mit dem Velo in die Schule kommen, am Donnerstag- und Freitagnachmittag ausnahmsweise mit dem Schulbus transportiert.

Im Freibad Rotkreuz ZG wurde ein fünfjähriger Knabe leblos auf dem Grund des Erwachsenenbassins gefunden. Er konnte von Badegästen geborgen und reanimiert werden. Ein Helikopter brachte ihn ins Spital.

In Schaffhausen hat die Polizei am Mittwochnachmittag ein Kleinkind aus einem verschlossenen Auto befreit. Sie schlugen die Seitenscheibe ein, um das Kind aus der Hitzefalle zu holen. Das Kind hatte sich selber versehentlich im Fahrzeug eingeschlossen, als es mit dem Autoschlüssel spielte.

Die Stadt Chur hat beschlossen, wegen der Hitze die Altstadtbrunnen überlaufen zu lassen, um die Wärmerückstrahlung des Bodens abzumildern. Im Freibad kippte eine Eisreinigungsmaschine aus der benachbarten Eishalle als zusätzliche Möglichkeit zur Abkühlung für die Badegäste eine Ladung Schnee ans Schwimmbassin.

Nicht wirklich kalt, aber etwas kühler war es im Oberengadin auf der Corviglia. Auf über 2400 Metern über Meer fand zum dritten Mal der Weltschaufeltag statt. Freiwillige befreiten die Mountainbike-Routen von den letzten Schneeresten des Winters. Die Sommersaison beginnt am kommenden Wochenende.

Die Stadt Freiburg teilte mit, die Öffnungszeiten im Schwimmbad La Motta in der Altstadt in den nächsten Tagen bis um 21.45 Uhr zu verlängern. Die Aufsichtskommission der Zentralschweizer Seen meldete am Mittwoch, das Baden in sämtlichen Seen sei unbedenklich. Die Qualität des Badewassers sei einwandfrei.

Mit Rücksicht auf die Hitze wurde auch das Fussball-Testspiel des FC Zürich gegen den FC Wil in Schwamendingen um vier Stunden auf 11 Uhr vorverlegt.

Heiss liefen die Drähte auf der Gemeindeverwaltung von Lommiswil SO. Dort hatte ein Medienbericht zur Folge, dass viele Einwohner glaubten, im ganzen Dorf werde am Donnerstag von 10 bis 16 Uhr das Wasser abgestellt.

Die länger projektierte Leitungserneuerung betrifft jedoch nur ein Dutzend Anwohner einer Quartierstrasse, die bis auf eine Ausnahme «entspannt und verständnisvoll» reagiert hätten, wie der Gemeindepräsident gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA schriftlich festhielt.

Die Vogelwarte Sempach nutzte die Hitzetage für einen Appell, auch in der Bruthitze auch an die «gefiederten Freunde» zu denken. Diese würden die Hitze zwar besser vertragen als Menschen, obwohl sie wie Hunde nicht schwitzen können und hecheln. Die Vogelwarte empfahl unter anderem Vogelbäder in geeigneten Schalen oder Blumentopfuntersetzern anzubieten.

(SDA)


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