«Mit Drohnen geht die Idylle kaputt»

Von Krisztina Scherrer
Ob Seealpsee, Säntis oder Äscher: Der Tourismus ist ein wichtiger Pfeiler der Innerrhoder Wirtschaft. (Archiv)
Ob Seealpsee, Säntis oder Äscher: Der Tourismus ist ein wichtiger Pfeiler der Innerrhoder Wirtschaft. (Archiv) © Keystone/Melanie Duchene
Drohnengeräusche statt plätschernder Bäche oder zwitschernder Vögel: So hört es sich für Wanderer an, wenn sie im Alpstein einen Ausflug machen. Etwas gegen die nervigen Flugobjekte zu unternehmen, ist aber schwierig.

Der Alpstein ist schon lange kein Geheimtipp mehr: Zahlreiche Touristen und sogar Influencer gehen im Appenzellerland wandern und schiessen fleissig Fotos vom Äscher oder Seealpsee. Seit längerem wird aber nicht mehr nur fotografiert, sondern auch Drohnen fliegen umher – und das im ganzen Bergmassiv.

«Man fühlt sich beobachtet»

«Ich habe beim Gasthaus Bollenwees zu Mittag gegessen», sagt Leserin Raffaela gegenüber FM1Today, «während des Essens ist eine Drohne über unsere Köpfe geflogen und es hat andauernd gesurrt.» Auch am Seealpsee war sie vor dem Flugobjekt nicht sicher: «Ich finde es völlig okay, wenn die Wanderer Fotos machen. Doch mit dem Drohnengeräusch geht die ganze Idylle kaputt und man fühlt sich beobachtet», führt die St.Gallerin fort.

«Der Lärm muss nicht sein»

Dass sich die Gäste unwohl fühlen, merken auch die Wirte im Alpstein. «Ich finde vor allem nicht gut, dass die Drohnen über die Gartenwirtschaft oder die Kapelle fliegen», sagt Sepp Manser vom Berggasthaus Meglisalp. «Unsere Gäste fühlen sich dann beobachtet und der Lärm stört sie, das müsste eigentlich nicht sein.»

Urs von Däniken, Präsident und Leiter Wanderungen des Vereins Appenzell Ausserrhoder Wanderwege, nimmt die Drohnen auch negativ wahr: «Es gibt zunehmend viele Drohnen, nicht nur im Alpsteingebiet. Sie veranstalten einen Lärm und man weiss nicht so recht, was mit den Bildern passiert, die aufgenommen werden.» Es gebe im Alpstein aber zum Glück noch genügend schöne Ecken, wo kein Mensch unterwegs sei.

Schwierig, gegen Drohnen vorzugehen

Die Drohnen sind also nicht nur für den Äscher ein Problem. «Wir haben an schönen Tagen extrem viele Drohnen», sagt Anita Fritsche vom Berggasthaus Forelle am Seealpsee. «Stören tun sie aber nur dann, wenn sie über das Gasthaus oder die Terrasse fliegen.» Etwas dagegen unternehmen könne sie nicht. «Solange es kein Gesetz gibt und man nicht weiss, wer die Drohne fliegt, ist es schwierig, einzugreifen.»

Gemäss dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dürfen Drohnen mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm ohne Bewilligung eingesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Pilot jederzeit Sichtkontakt zur Drohne hat. Ausserdem dürfen keine Drohnen über Menschenansammlungen geflogen werden.

Das Berggasthaus Bollenwees wollte sich zum Erlebnis von Leserreporterin Raffaela nicht äussern.


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