Mit Flüchtlingen gegen den Abfall

Froh um Beschäftigung: Mehr Asylsuchende boten ihre Mitarbeit an, als die Gemeinde im Moment einsetzen kann.
Froh um Beschäftigung: Mehr Asylsuchende boten ihre Mitarbeit an, als die Gemeinde im Moment einsetzen kann. © PD
Herisau hat ein Littering-Problem. Um gegen dieses vorzugehen, hat die Gemeinde eine unkonventionelle Lösung gefunden: Gemeinsam mit Asylsuchenden wird die Gemeinde sauberer gemacht.

«Es ist oft ein Graus, nach einem lauen Sommerabend an Sportanlagen, Feuerstellen oder anderen Treffpunkten vorbei zu spazieren», heisst es in einer Mittelung der Gemeinde Herisau. Das Problem: Abfall wird oft einfach achtlos liegengelassen. Vor allem jetzt im Sommer wird dieses Problem überall in der Schweiz deutlich sichtbar. «Bisher opferten Hauswarte der Schulen Sonntagmorgenstunden, um ‘ihre’ Anlage wieder sauber zu machen. Dafür sind sie aber weder bezahlt, noch ist dies ihre Aufgabe.»

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Gleichzeitig gibt es in Herisau ein anderes Problem: «Viele Asylsuchende wären froh, sie hätten eine sinnvolle Beschäftigung und somit ab und zu eine Tagesstruktur. Da sie mit ihrer Arbeit aber keine bestehenden Jobs konkurrenzieren dürfen und meist kaum deutsch sprechen, ist dies oft nicht möglich», sagt Gemeinderätin Sandra Nater-Schönenberger.

Die Ausgangslage, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, sind in Herisau also gegeben. Dies war auch Sandra Nater-Schönenberger klar und deshalb hat sie gemeinsam mit der Beratungsstelle für Flüchtlinge und der Leitung des Werkhofs ein Projekt ins Leben gerufen, welches die Littering-Problematik mit einer Teilzeitbeschäftigung der Asylsuchenden angeht. Nachdem die rechtlichen Fragen geklärt waren, wurden acht geeignete Asylsuchende ausgewählt, Arbeitskleider beschafft und Einsätze geplant.

«Bekämpfen damit nur die Symptome»

Bis im Oktober sollen die Asylsuchenden nun an vier Tagen in der Woche Aufräumtouren zu den grössten Problemorten in Herisau machen. Für die Arbeit erhalten die Asylsuchenden auch ein kleines Entgelt. Bis im Oktober sind Gesamtkosten von rund 6000 Franken vorgesehen. Dies macht pro Monat und pro Arbeiter rund 190 Franken Lohn.

Dass die Littering-Problematik so nicht aufgehoben ist, dessen ist sich auch die Herisauer Gemeinderätin bewusst: «Wir wissen, dass wir damit nur die Symptome bekämpfen. Aber immerhin erzielen wir eine deutliche Verbesserung für die Asylsuchenden und für die Öffentlichkeit. Zudem hoffen wir, das Problem der Verursacher des Litterings mit der mobilen Sozialarbeit einzudämmen, mit der die Sozialen Dienste im Juli starten.»

(dab)


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