Kambundji erneut undankbare Vierte

Der Blick auf die Anzeigetafel bestätigt: Es hat nicht gereicht.
Der Blick auf die Anzeigetafel bestätigt: Es hat nicht gereicht. © KEYSTONE/WALTER BIERI
Mujinga Kambundji verpasst an den EM in Berlin nach einem starken Rennen über 200 m erneut das Podest. In 22,45 Sekunden läuft die Bernerin wie schon über 100 m in den 4. Rang. Im Kampf um Bronze musste sich die Schweizerin der Niederländerin Jamile Samuel um 8 Hundertstel geschlagen geben.

Gold und Silber waren für Dina Asher-Smith und Dafne Schippers reserviert. Die Britin setzte sich in der Jahres-Weltbestzeit von 21,89 Sekunden durch und krönte sich nach ihrem 100-m-Erfolg zur Sprint-Queen von Berlin.

Was Kambundji betrifft, ist nicht nur der Rang, sondern auch das Fazit das Gleiche wie über 100 m: Gut gelaufen, aber der Exploit fehlte. Die 26-Jährige erzielte mit 22,45 Sekunden die zweitbeste Zeit ihrer Karriere über die halbe Bahnrunde, war nur um drei Hundertstel langsamer als bei ihrer im vergangenen Jahr erzielten Bestleistung.

Weil Kambundji den Halbfinal (22,84) zu langsam angegangen war, musste sie von der Bahn 8 aus starten. Dadurch befanden sich sämtliche Gegnerinnen beim Start in ihrem Rücken, was ein Nachteil war. Zwar gelang ihr der erste Teil des Rennens im Vergleich zum Vortag besser, «hinten hinaus wurde es aber hart», sagte Kambundji. So schmerzten danach die Beine und hatte sie Kopfweh. «200 m sind streng, da läuft man extrem in die Säure.»

Kambundji wurde in der deutschen Hauptstadt das hohe Niveau im Sprint zum Verhängnis. An den Europameisterschaften vor zwei Jahren in Amsterdam, wo sie über 100 m die Bronzemedaille gewonnen hatte, hätte sie mit ihren Zeiten von Berlin zweimal Silber geholt. Nun geht sie in den Einzeldisziplinen mit leeren Händen nach Hause.

Gold sicherte sich wie bereits über 100 m die Britin Dina Asher-Smith in der Jahresweltbestleistung von 21,89 Sekunden. Damit verteidigte sie den Titel erfolgreich. Silber und Bronze gingen an die Niederländerinnen Dafne Schippers (22,14) und Jamile Samuel (22,37).

Kambundji befindet sich trotz den Enttäuschungen auf dem richtigen Weg. Nicht umsonst ist sie Mitte Juli über 100 m erstmals unter elf Sekunden (10,95) geblieben. Es war sicher kein Fehler, dass sie sich im vergangenen Jahr vom deutschen Trainer Valerij Bauer getrennt hatte, dessen Vorstellung nicht mehr zu ihr passt. Sie hat danach an Muskelmasse verloren und im Training längere Serien gemacht.

«Sie ist nun eine richtige Athletin», sagte Konditionstrainer Adrian Rothenbühler, der Kambundji schon lange kennt und sie in Berlin betreute. «Sie hat gelernt, auf sich zu hören, weiss nun, was sie braucht. Früher machte sie einfach das, was der Trainer sagte. Nun ist sie soweit, die Fäden selber in der Hand zu halten und gute Entscheide zu treffen».

Ausserdem habe sie einen unglaublich guten Aufbau hinter sich: “Ein gutes Basistraining bei Jacques Cordey, zu Valerij Bauer, der sehr viel Wert auf die Kraft legte, und nun zu einem Trainer (der Amerikaner Rana Reider), der sehr viel Wert auf das Läuferische legt. Das ist eine super gute Abfolge”. Rothenbühler weiss, wovon er spricht, arbeitet er doch in Magglingen in der Trainerausbildung.

Am Sonntag erhält Kambundji mit der Sprintstaffel die Chance, die Europameisterschaften mit einem guten Erlebnis abzuschliessen. Die Schweizerinnen sind in dieser Saison die Nummer 2 im Feld. «Ich habe das Gefühl, dass wir etwas Gutes leisten können», so Kambundji.

Julien Wanders zeigte über 5000 m ein beherztes Rennen, führte das Feld einige Runden an, mehr als der 8. Rang in der persönlichen Bestzeit von 13:24,79 Minuten schaute jedoch nicht heraus. Dennoch ist der 22-jährige Genfer, der sieben Monate im Jahr in Kenia trainiert und im März an der Halbmarathon-WM den hervorragenden 8. Platz belegte, ein grosses Versprechen für die Zukunft. Am Dienstag wurde er über 10’000 m Siebenter.

(SDA)


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