Der Volksmusiker mit nur acht Fingerkuppen

Stefanie Rohner, 2. Mai 2017, 14:50 Uhr
Christian Vetsch spielt die Steirische Harmonika seit er acht Jahre alt ist.
Christian Vetsch spielt die Steirische Harmonika seit er acht Jahre alt ist.
© zVg
Der 20-jährige Volksmusiker Christian Vetsch aus Grabserberg spielt Harmonika seit er acht Jahre alt ist. Im Zillertal, wo er mit seiner Familie jedes Jahr die Ferien verbrachte, entdeckte er seine Leidenschaft für die volkstümliche Musik. Als er zwei Fingerkuppen verlor, wusste er zuerst nicht, ob er je wieder Gefühl in den Fingern haben würde.

Christian Vetsch arbeitet als Müller. Beim Beheben einer Störung hat er sich in einer Schleuse zwei Fingerkuppen abgerissen. «Ich spiele immer noch mit zehn Finger. Da zwei Finger aber etwas kürzer sind, war das Spielen anfangs anders und ungewohnt. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Ich bin froh, dass ich noch spielen kann und wieder Gefühl in den Fingern habe», sagt der junge Volksmusiker.

Er spielt auf einer Steirischen Harmonika, die hier in der Schweiz weniger bekannt ist. Als er ungefähr zehn Jahre alt war, hatte Vetsch seinen ersten öffentlichen Auftritt vor einem grösseren Publikum. Früher, da sei er schon sehr nervös gewesen. Heute habe er zwar noch immer Lampenfieber, aber das gehöre dazu. «Um meine Leistung zu bringen, muss ich etwas unter Strom stehen», sagt Vetsch.

Neue Aufnahmen in Planung

Vetsch achtet darauf, jeden Tag mindestens eine Stunde zu üben. Freizeit hat er nebst der Arbeit, den Auftritten und Proben nicht sehr viel. Hat er da überhaupt noch Zeit für andere Hobbys oder seine Freundin? «Zeit habe ich definitiv nicht im Überfluss. Aber zum Glück ist meine Freundin, Michelle Kissling, auch in der Schlagerbranche und weiss deshalb wie es ist. Ihr geht es genau gleich. Auch sie hat nicht viel Freizeit», sagt Vetsch.

Der Grabserberger hat 2015 sein erstes Album «Erste Nacht am See» veröffentlicht. Derzeit sind neue Aufnahmen in Planung. «Wir probieren gerade etwas aus, das es so noch nicht gibt. Aber mehr verrate ich darüber nicht», sagt Vetsch. Im Mai geht er auf eine zwölftägige Kreuzfahrt zu den kanarischen Inseln. Verschiedene Musikgruppen spielen während der gesamten zwölf Tage an Board. «Ich kann also die Musik mit etwas Ferienstimmung verbinden», sagt Vetsch. Im Sommer hat er dann wieder vermehrt Auftritte, worauf er sich schon freut.

«Es wäre schön, davon leben zu können»

Seine Ausbildung zum Müller hat er im vergangenen Sommer abgeschlossen und hat gleich eine Weiterbildung begonnen. «Im Sommer schliesse ich diese ab. Danach habe ich hoffentlich wieder etwas mehr Zeit für die Musik. Aber mein Beruf ist mir ebenfalls sehr wichtig und es ist in der Schweiz sehr schwierig, ausschliesslich von der Musik leben zu können», sagt Vetsch.

Er ist zufrieden damit, wie es ist. «Es wäre schon schön, davon zu leben, aber dazu bräuchte es etwas mehr. Wenn ich mir dann jeden Monat Sorgen ums Geld machen müsste, wäre das auch nicht ideal», sagt Vetsch.

Je mehr Erfolg, desto kleiner die Häme

Vetsch liebt die Volksmusik, er wollte nie ein anderes Instrument spielen. «Das Schönste daran ist, dass es ehrliche und handgemachte Musik ist», sagt er. Früher als Teenager, da sei er schon etwas belächelt worden. Volksmusik im Oberstufenalter sei nicht bei allen gut angekommen. Aber je mehr Erfolg er damit hatte, desto leiser sei die Häme geworden.

«Hauptsache ist, dass ich immer voll und ganz hinter dieser Musik stand, egal was die Leute um mich herum darüber gedacht haben. Da braucht es aber schon ein etwas dickes Fell und ist nicht für alle gleich einfach», sagt Vetsch. Diese Zeit liegt aber schon eine Weile hinter ihm und hat ihn nie davon abgehalten, seiner Leidenschaft nachzugehen.

(str)

 

Stefanie Rohner
veröffentlicht: 2. Mai 2017 06:17
aktualisiert: 2. Mai 2017 14:50